Gerlafingen
«Nur 265 Kilowatt» — das geplante Kleinwasserkraftwerk steht auf der Kippe

Das geplante Kleinwasserkraftwerk Moosbrunnen 3 in Gerlafingen liegt unter der 1000-kW-Grenze und erhält deswegen keine kostendeckende Einspeisevergütung.

Urs Byland
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Am Kanal links, dessen Wasser hier in die Emme fliesst, war ein Kleinwasserkraftwerk geplant. Das Kanalwasser überwindet eine Höhendifferenz von 3 Metern und entwickelt genügend Kraft, um eine Turbine anzutreiben.

Am Kanal links, dessen Wasser hier in die Emme fliesst, war ein Kleinwasserkraftwerk geplant. Das Kanalwasser überwindet eine Höhendifferenz von 3 Metern und entwickelt genügend Kraft, um eine Turbine anzutreiben.

hanspeter baertschi

Der Bau des geplanten Kleinwasserkraftwerks Moosbrunnen 3 in Gerlafingen ist stark gefährdet. Zwar hat Bauherrin Adev Wasserwerke AG aus Liestal eine Bewilligung, das Kleinkraftwerk am Kanal westlich vom Stahl Gerlafingen-Areal zu bauen, schon September 2016 erhalten. Aber die Genossenschaft wollte den Bau erst ausführen, wenn der Bund eine KEV-Zusage (Kostendeckende Einspeisevergütung) erteilt.

Gerade diese hat die Genossenschaft bisher nicht bekommen und soll sie, geht es nach dem Bund, auch nicht bekommen. Denn die neue Energieverordnung, basierend auf dem Energiegesetz zur Energiestrategie 2050, sieht vor, neue Kleinwasserkraftwerke mit einer Leistung unter 1000 Kilowatt nicht mehr zu fördern. Das geplante Kleinkraftwerk Mossbrunnen 3 hat eine Leistung von 265 Kilowatt.

Wenn die Adev Energiegenossenschaft auf den Bau verzichten muss, verliere sie Investitionen in der Höhe von 340'000 Franken, die bereits getätigt wurden, um die Baubewilligung für das Projekt zu erhalten, wie Andreas Appenzeller Geschäftsführer der Genossenschaft erklärt.

Strom für 400 Haushalte

Im Juni 2014 kaufte die Adev Wasserkraftwerk AG die zwei bestehenden Wasserkraftwerke Moosbrunnen 1 und 2 in Wiler bei Utzenstorf sowie eine kleine Parzelle Land und das Wasserrecht von den Stahlwerken Gerlafingen. Moosbrunnen 1 und 2, die zusammen 4.2 Mio. Kilowattstunden Strom produzieren, werden teilsaniert. Bereits früher existierte ein Kraftwerk beim Kanal. Dieses musste aber einem Hallenbau der Firma Von Roll weichen. Nach wie vor Gültigkeit hat dessen Konzession. Auch ein Teil des seinerzeit zuführenden Kanals besteht noch. Dort strömt das Wasser auf einer Höhendifferenz von drei Metern in die Emme zurück. Diese Höhendifferenz will die Adev Wasserwerke AG, sie gehört zur Adev Energiegenossenschaft mit Sitz in Liestal, nutzen und plant dort das Kleinwasserkraftwerk Moosbrunnen 3. Das Wasser soll turbiniert werden und bei einer Leistung von 260 Kilowatt im Jahr 1,6 Mio. Kilowattstunden liefern. Das wäre genug für die Stromversorgung von 400 Haushalten. Die Kosten für den Neubau sowie diverse Baumassnahmen entlang dem Kanal sind auf 4,5 Millionen Franken veranschlagt. (uby)

«Gegen Treu und Glauben»

Die Liestaler Genossenschaft wäre mit diesem Verlust nicht alleine. Der Verband der Kleinwasserkraftwerke, Swiss Small Hydro, schreibt in einer Mitteilung, dass bis September 2017 – damals kam der vernichtende Bescheid – über 100 Anlagen die Baureife erreicht hatten, und nur noch auf die Zusicherung der Finanzierung durch die KEV warteten. «Der Entscheid des Bundesrates vom November 2017, die Rahmenbedingungen für die Kleinwasserkraft auf Verordnungsebene deutlich zu verschärfen, kam für diese Projektentwickler völlig unerwartet», sagt Martin Bölli, Geschäftsführer von Swiss Small Hydro. Die angepasste Energieverordnung markiere eine Kehrtwendung der bisherigen Praxis und verletze das Prinzip des Handelns nach Treu und Glauben.

Von den über 100 Projekten müssten einzelne völlig fallengelassen werden, wie beispielsweise Moosbrunnen 3, andere müssten mit tieferen Erträgen aus der KEV rechnen und wiederum andere würden trotz wahrscheinlich geringen Gewinnsaussichten zu Ende gebaut werden, weil schon zu viel investiert wurde.

«Unheilige Allianz»

Wie kam es zu dieser «scharfen» Verordnung? «Bei der Schaffung des Energiegesetzes gab es eine unheilige Allianz. Einige fanden, Kleinwasserkraft brauche es nicht, man solle auf grosse Kraftwerke setzen, und die Umweltverbände wollten ihre Ansprüche ebenfalls erfüllt haben», so Andreas Appenzeller. «Und die Kantone haben viel administrative Arbeit mit diesen Projekten», ergänzt Martin Bölli. Es gebe zwar sehr viele Betreiber von Kleinwasserkraftwerken, aber ihr Einfluss auf die Ausformulierung des Gesetzes sei deutlich geringer als derjenige der grossen Energieversorger.

Deshalb seien sie bei der Regelung auf Verordnungsebene zwischen Stuhl und Bank gefallen. Andreas Appenzeller ist der Meinung, Kleinwasserkraftwerke dienten der Demokratisierung des Energiegeschäftes. «Und sie sind seit 400 Jahren die Grundlage der Industrialisierung, ohne Umweltschäden zu generieren.» Seiner Meinung nach sei es ein Einfaches, den angerichteten Schaden zu begrenzen. «Der Bundesrat müsste einfach die Übergangsbestimmungen anpassen. Statt Projekte bis Ende 2017 zu bewilligen, müsste dort geschrieben stehen bis Ende 2019.» Das wäre eine elegante Lösung, sagt Martin Bölli, es sei aber nicht sicher, ob sich diese auch juristisch umsetzen liesse. «Der Bundesrat hat laut Gesetz Handlungsspielraum, den er zugunsten der Kleinwasserkraftwerke-Projekte nutzen könnte. Darauf hoffen wir», so Bölli.