Gespannt durfte man sein, als das Räumliche Leitbild am Informationsabend vorgestellt wurde. Gespannt, ob Berater Martin Eggenberger (Planteam S) ebenso leichtes Spiel haben wird, wie im Gemeinderat. Dort wurde das fürs Dorf wegweisende Werk beinahe durchgewinkt.
Im Gemeindesaal standen Eggenberger und dem moderierenden Gemeindepräsidenten Peter Jordi etwa 30 Interessierte gegenüber, von denen etliche «Direktbetroffene» des neuen Leitbildes sind.

In Anführungszeichen deshalb, weil das Räumliche Leitbild noch nicht «parzellenscharf oder eigentümerverbindlich» abbildet, wie Jordi in seiner Einführung erklärte. «Im Leitbild geht es um die Grundzüge, die Wegweiser und Leitplanken, wie sich die Gemeinde entwickeln soll», so Jordi. Andererseits besteht gerade beim Räumlichen Leitbild für die Bevölkerung die Möglichkeit, mitzuwirken und allenfalls negative Entwicklungen für Gerlafingen zu verhindern.

Jordi zählte gleich die wesentlichen Erkenntnisse im Erarbeitungsprozess zum Räumlichen Leitbild auf. Er erwähnte die notwendige Stärkung des Nervenzentrums oder Rückgrats der Gemeinde, der Strasse vom BLS-Bahnhof bis zum Sackmooswald. «Da sollen nicht mehr Einfamilienhäuser mit Vorgarten das Ziel sein, sondern Mehrstöcker, um die Urbanisierung von Gerlafingen zu betonen.»

Er beschrieb die Bedeutung des Sackmooswaldes, der bisher ein trennendes Element in der Gemeinde und neu ein verbindendes Element sein soll. Erreicht wird das mit einer anderen Bewirtschaftung des Waldes, wie Eggenberger später ausführte, sodass ein parkähnlicher Wald mit Verbindungsstrassen für den Langsamverkehr und mit Freizeiteinrichtungen entsteht. Jordi nannte den Schwerpunkt Verkehr, wo etwa eine Busanbindung an den Bahnhof ein Ziel sein könnte, und er wies auf den raumplanerischen Volksauftrag hin, verdichtet zu bauen. «Gerlafingen ist überall am Rand angekommen. Deshalb müssen wir verdichten. Das heisst nicht einfach grösser, breiter und höher. Aber wir wollen mehr Einwohner, die am Ende auch hier Steuern zahlen.»

«Klug weiterbauen»

Wie das erreicht werden soll, präzisierte Martin Eggenberger. Detailliert zeigte er auf, wie mit höheren Gebäuden an der wichtigsten Verkehrsachse auch für die Passanten ein Mehrwert entsteht. Oder wie in den spezifisch ausgeprägten Quartieren gezielt verdichtet werden kann, ohne dass der Charakter des Quartiers leidet. «Es gilt, klug an Gerlafingen weiterzubauen. Denn ihr habt ein Dorf, in dem alles vorhanden ist, das selbstständig ist, das lebt. Das muss erhalten und gestärkt werden.»

Eine eigentliche Diskussionsrunde blieb aus. Rasch leitete der Gemeindepräsident über zum anschliessenden Workshop an vier Tischen mit verschiedenen Themen. Auffällig viele Frauen interessierten sich für das Thema Freiraum. Vorschläge wie Waldlehrpfad, Robinsonspielplatz, Tierpark wurden aufgenommen und auch, dass man vermehrt Frauen in die Planung einbeziehen sollte, denn sie sind vor allem mit ihren Kindern im Dorf unterwegs. Sie wiesen auch auf das Problem des Vandalismus hin.

Beispiel Gerlafingerhof

Während am Tisch «Verkehr» Tempo 30 auf der Hauptstrasse ein Thema war, waren es am Tisch «Siedlung» Überbauungen, die Nutzung des Bahnhofareals oder die Zoneneinteilung. Hier zeigte sich, dass beispielsweise der Umgang mit dem Gerlafingerhof, dem prägenden Gebäude an der Bahnhofstrasse mit Restaurant und Saal die Gerlafinger kümmert. Der Planer schwärmt vom Gebäude, dem Anwohner ist der türkischstämmige Besitzer suspekt, der Gerlafinger Saal-Nutzer hat noch nie bessere Bedingungen vorgefunden, und der Besitzer selber will ausbauen.

Die Mitwirkung ist mit dem Informationsabend so richtig lanciert worden. Diese läuft bis 28. April. Anregungen oder Einwendungen sind bis zu diesem Termin an die Bauverwaltung zu
richten.