Feldbrunnen
Normale Landbeiz reicht nicht: «Durstiger Wanderer» gehört in die Mottenkiste

Ein Gastrodesigner rät der Gemeinde Feldbrunnen, das Restaurant Durstiger Wanderer unter neuem Namen und Konzept weiterzuführen.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Die nördliche Front des «Durstigen Wanderers», hin zu den Geleisen, soll mit einer Neuinszenierung der Terrasse auftrumpfen.

Die nördliche Front des «Durstigen Wanderers», hin zu den Geleisen, soll mit einer Neuinszenierung der Terrasse auftrumpfen.

Hanspeter Bärtschi

«Der Durstige Wanderer» hat eine lange Geschichte. Für die Besitzerin, die Einwohnergemeinde Feldbrunnen, eine vor allem finanziell schmerzvolle. In die von der Gemeinde 2004 für 1,8 Mio. Franken gekaufte Liegenschaft, in der damals neben dem Restaurant das Verwaltungszentrum für eine weitere Million Franken eingebaut wurde, wurde immer wieder investiert.

Gleichzeitig schien das Restaurant von Pech verfolgt. Kaum ein Wirt blieb länger als ein, zwei Jahre. Dazwischen gab es oft längere Pausen. Das letzte erfolgreichere Kapitel schrieben die Pächter Romy und Walter Haudenschild, die den «Durstigen Wanderer» in den Jahren von 2007 bis 2011 wieder bekannt machten.

Nun steht der Gemeinderat wieder einmal vor einem Scherbenhaufen, nachdem der letzte Wirt, Francesco Caputo, die Pacht, auch wegen der Bauerei auf der Baselstrasse ,auf Ende Oktober 2016 gekündigt hatte. Neue Ideen seien gefragt, hatte Gemeindepräsidentin Anita Panzer vor drei Monaten nach dem Abgang Caputos verkündet. Mit Gastrodesigner Wolfgang Aeberhard fand sie einen Ideenlieferanten, der in der Region bereits erfolgreich wirkte. Sein Konzept für «Pier 11» auf dem TCS-Campingplatz läuft erfolgreich.

Weg von der Landbeiz

Die Gemeinderatssitzung mit dem einzigen Traktandum zum «Durstigen Wanderer» fand im Anschluss an den Mitwirkungsanlass zur Ortsplanungsrevision in der Turnhalle statt. Dort war die Rede von der Stärkung der Dorfmitte. Also war im Gemeinderat klar, dass der «Durstige Wanderer» nicht zu Wohn- oder Büroraum umgestaltet werden soll, sondern dass ein neuer Versuch gewagt wird. «Wir haben Bewerbungen erhalten, aber die Chance, dass es im bisherigen Rahmen funktioniert, liegt bei 50 zu 50», erklärt die Gemeindepräsidentin.

Dann stellte Wolfgang Aeberhard seine Ideen vor, die ganz die aktuelle Situation der Liegenschaft berücksichtigt. Er schwärmte von der riesigen Terrasse und plädierte für eine Öffnung auf der nördlichen Seite zur Baselstrasse hin und nicht für eine rückwärtige Erschliessung. «Die hoch frequentierte Baselstrasse ist eine Chance, das Restaurant muss sich auf dieser Seite inszenieren», so Innenarchitekt Aeberhard.

Er warnte, eine normale Landbeiz reiche nicht, schon gar nicht mit dem geringen Publikum aus der 960-köpfigen Gemeinde Feldbrunnen. Die Region müsse anvisiert werden. Dies mit einem klaren Konzept, einer neuen Welt, wobei auch diese mit den Betreibern stehe und falle. Keinen Platz in diesem Konzept habe der bisherige Name. Aeberhard stellte seine Ideen vor, die aber noch nicht ausgereift seien. Aus der Erfahrung mit «Pier 11» rechne er mit Umbaukosten von zirka 150 000 Franken, dies ohne dass eine Wand abgebrochen werden muss.

Der Gemeinderat will nun von Aeberhard genauere Zahlen, um damit an eine Gemeindeversammlung gehen zu können. Gleichzeitig wird die Pächtersuche mit diesem Konzept intensiviert.

Wie stark wächst Feldbrunnen?

Gut 40 Personen besuchten zuvor den Mitwirkungsanlass zur Gesamtrevision der Ortsplanung. Laut Raumplanungsbericht prognostiziert der Kanton der Gemeinde bis 2035 ein Wachstum auf 1337 Personen gemäss hohem Szenario vor. Die Gemeinde rechnet aber mit einem tieferen Wachstum auf zirka 1150 Einwohner im Jahr 2035.

Laut Planer wird mit einer Verdichtung nach innen Wohnraum für 150 Personen geschaffen. Dafür werden die bestehenden Wohnzonen W2A und W2B aufklassiert. Es sollen künftig keine eingeschossigen Bauten mehr gebaut werden dürfen. In der Kernzone wird die Ausnützung nicht vorgegeben. Die Baulinien werden reduziert. Einige Gebiete werden mit einer Gestaltungsplan-Pflicht belegt, was dort eine Verdichtung ermöglichen soll.

Sonderstellung im Kanton

Das Interesse der Anwesenden konzentrierte sich aber insbesondere auf die Absicht, im Osten (Steinenberg) und Südosten (Schützenstrasse) Land einzuzonen. Laut Theo Schnider, Präsident der Spezialkommission Ortsplanungsrevision, ist Feldbrunnen neben Bättwil «wohl die einzige Gemeinde im Kanton, die stark wachsen darf». Andererseits hatte die Bevölkerung schon in der Diskussion zum Räumlichen Leitbild ein zu starkes Wachstum kritisiert.

Neben der Verdichtung nach innen werden dennoch zwei Einzonungen angestrebt. Begründung laut Raumplanungsbericht: Auch wenn die Gemeinde ein geringeres Wachstum als die kantonale Bevölkerungsprognose vorsieht, kann dieses Wachstum nicht innerhalb der restlichen, nicht überbauten Bauzone erfolgen. Die Einzonung Steinenberg Ost war in der Diskussion mit Ausnahme durch die direkten Anwohner kaum bestritten.

Die Einzonung an der Schützenstrasse betrifft Land in die kantonalen Uferschutzzone. Diese Landfläche soll mit der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen westlich des Schulhauses abgetauscht: Die 5970 Quadratmeter grosse Zone für öffentliche Bauten und Anlagen werde nicht benötigt. Sie wird ausgezont und als Kompensationsfläche für die Einzonung südlich der Schützenstrasse verwendet. Ob der Kanton Land in der Uferschutzzone einzont, lassen die Verantwortlichen offen. «Ein Versuch ist es wert», so Theo Schnider.

Die Mitwirkung läuft bis Ende Februar. Im Herbst soll die Auflage erfolgen. Nach Abschluss allfälliger Einspracheverhandlungen werden der Gemeinderat und danach die Gemeindeversammlung entscheiden.

Aktuelle Nachrichten