Recherswil

Nochmals geht es um die Reorganisation der Gemeindestrukturen

Die Gemeindeverwaltung soll neu strukturiert werden.

Die Gemeindeverwaltung soll neu strukturiert werden.

20 Mal hat die Arbeitsgruppe Reorganisation getagt und der Gemeinderat wurde über alle Schritte informiert. Nun wird das Geschäft an der Gemeindeversammlung am Donnerstag erneut vorgelegt.

Bereits im letzten Juni wurden die Grundsatzentscheide für die Reorganisation der Gemeindeorganisation gefällt. Klar zum Ausdruck kam, dass das Gemeindepräsidium weiterhin als Nebenamt geführt werden soll. Das wiederum ist nur möglich, wenn das Präsidium von Aufgaben, die heute anfallen, entlastet wird. Eine der Massnahmen zur Entlastung ist eine Kompetenzdelegation in der Verwaltung. Künftig soll die Gemeindeschreiberin die operative Verwaltungsführung übernehmen. Sie wird damit Vorgesetzte aller Gemeindeangestellten. Die Gesamtverantwortung bleibt allerdings weiterhin beim Gemeindepräsidium.

Bereits beschlossen ist zudem, dass die Aufgaben im Gemeinderat neu in acht Ressorts aufgeteilt werden. Der Gemeindepräsident übernimmt von Amtes wegen das Ressort «Präsidium und Information». Dazu kommt ein zweites Ressort, das er als Primus inter Pares als Erster auswählen darf. Die Ressorts wurden teilweise neu strukturiert: Umwelt kommt neu zu Bau und Werke; Planung und Liegenschaften bilden ein neues Ressort; Sicherheit und Kultur (und Sport) werden aufgeteilt. Unverändert bleiben Bildung, Finanzen und Soziales. Damit jeder Gemeinderat von einer Fachkommission unterstützt wird, wurden zwei neue Kommissionen geschaffen: Die Kommission «Planung und Liegenschaften» und die Sozialkommission. Neu sollen die ressortverantwortlichen Gemeinderäte nicht nur beratend in der Kommission Einsitz nehmen, sondern ein Stimmrecht erhalten.

Vermehrt strategisch arbeiten

Thomas Gehrig hat die Arbeitsgruppe Reorganisation als externe Fachperson beraten und präsidiert. Er ist überzeugt, dass die Reorganisation die gewünschten Effekte erzielt. Mit der Delegation der Verwaltungsleitung an die Gemeindeschreiberin würden in der Exekutive Ressourcen für strategische Arbeiten frei. Gerade die neu geschaffene Kommission «Planung und Liegenschaften» sei geschaffen worden, damit die Gemeinde sich weiter entwickeln könne. «Es geht dabei nicht nur um die klassische Ortsplanung, sondern auch um Zukunftsvisionen.» Was macht die Gemeinde für ihre Senioren? Wie geht sie mit den Jugendlichen um? Wo sind weitere regionale Zusammenarbeiten möglich oder gewünscht? «Das Themenfeld ist breit», so Gehrig. Er findet es zudem wichtig, dass künftig mehr Leute in die Arbeit innerhalb der Gemeinde eingebunden werden. Gerade innerhalb der Kommissionen könne viel bewirkt werden, ist er überzeugt.

Die Veränderungen in der Ressort- und Kommissionsstruktur und innerhalb der Verwaltung machen Änderungen in der Gemeindeordnung (GO) sowie der Dienst- und Gehaltsordnung (DGO) und in deren Anhängen nötig, die der Gemeindeversammlung vorgelegt werden müssen. Konkret kann die Gemeindeschreiberin in ihrer Vorgesetztenfunktion, in eine höhere Lohnklasse eingestuft werden. Die Lohnbänder für Finanzverwalterin, Bauverwalter und Schulleiter werden einander angepasst. Die Pauschale für das Gemeindepräsidium soll neu 43 000 Franken betragen. Der Gemeindepräsident wird zudem künftig bei der Pensionskasse der Gemeinde zu den gleichen Konditionen wie das Verwaltungspersonal versichert. Angepasst werden auch die Entschädigungen für die Gemeinderäte auf 5000 Franken jährlich.

«Vorgelegt wird nur eine Teilrevision», so Gehrig. Sprachlich seien GO und DGO nicht auf dem neusten Stand. «Diese Anpassungen sollen nächstes Jahr realisiert werden.» Man wolle aber abwarten, ob sich die Änderungen bewähren und allfällige nötige Anpassungen gleichzeitig einfliessen lassen. «Eine Unsicherheit besteht beispielsweise bezüglich der Belastungen der neuen Kommissionspräsidien», erklärt Gehrig. Ungleichheiten müssten gerechterweise aufgefangen werden.

Mehr Personal nötig

Die Reorganisation hat personelle Konsequenzen für die Gemeindeverwaltung. Da die Verwaltung zusätzliche Arbeiten – beispielsweise auch das Sekretariat für einzelne Kommissionen oder die Aktualisierung der Website – übernehmen soll, braucht sie mehr Ressourcen. Übergangsweise standen für ein halbes Jahr bereits 40 Stellenprozent mehr zur Verfügung. Diese befristete Stelle fällt aber Ende Dezember weg. Die Arbeitsgruppe kommt zum Schluss, dass es in der Gemeindeverwaltung eine Erhöhung des Stellenetats von heute 310 auf neu 390 Prozent braucht. Auch dies muss von der Gemeindeversammlung bewilligt werden. «Trotz der befristeten Stelle sind die Überzeiten in der Verwaltung noch nicht abgebaut», so Gehrig.

Mit den zusätzlichen 80 Stellenprozent sei es möglich, die Verwaltungsabläufe künftig effizienter zu organisieren. Die Gemeindeschreiberin, die Finanzverwalterin und der Bauverwalter könnten von Routinearbeiten entlastet werden und sich voll auf ihre Kernaufgaben konzentrieren. «Die Arbeitsgruppe hat die Stellenbeschriebe für die Verwaltung überarbeitet und dabei auch die Stellvertretung thematisiert. Die neue Lösung soll ein Zukunftsmodell sein. Bei Personalwechseln sollen die Nachfolger gute Strukturen vorfinden.»

20 Prozent für den Werkhof

Gehrig hofft, dass das Personal in der Gemeindeverwaltung mit diesen Entscheidungen eine gute Startposition für 2019 bekommt. «Die positiven Folgen der Reorganisation werden aber erst in einem Jahr wirklich spürbar sein. Zuerst müssen ja noch die Strukturen angepasst und die neuen Stellen besetzt werden.»

Neben der Verwaltung soll auch das Pensum im Werkhof um 20 Prozent aufgestockt werden. Begründet wird dies mit Mehrarbeiten durch die neuen Gemeindegebäude, aber auch der allgemeinen Bautätigkeit.

Gemeindeversammlung Recherswil, Donnerstag, 13. Dezember, 20 Uhr, im Werkhof, Saal 1.

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