Zuchwil
Nischen sind rentabel: Die «Spezialapotheke» feiert ihr 20-Jähriges

Die Zuchwiler Firma Mediservice besteht seit 20 Jahren. Die Abteilung Betreuung wird neben dem Medikamentenversand immer wichtiger.

Urs Byland
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Mediservice ist in Zuchwil zuhause. (Archiv)

Mediservice ist in Zuchwil zuhause. (Archiv)

hanspeter baertschi

Vor zwanzig Jahren brachte die Zuchwiler Mediservice mit dem Direktversand von Medikamenten Unruhe in die Schweizer Apothekenbranche. Es dauerte einige Zeit bis der Direktversand in allen Kantone auch gesetzlich erlaubt wurde, und der Widerstand der traditionellen Apotheken gebrochen war. Heute bezeichnet sich Mediservice als Spezialapotheke und feiert das Zwanzigjährige mit einem Symposium am Firmensitz in Zuchwil.

Damit Mediservice ihre Dienstleistungen anbieten kann, benötigt der Betrieb eine Apothekenbewilligung. «Wir sind kein Online-Händler. Wir versenden Medikamente nur auf Rezept», nennt Geschäftsleiter Jürg Gasser eine der Auflagen, die mit der Bewilligung verbunden sind. Gearbeitet werde nach wie vor hauptsächlich mit handgeschriebenen Rezepten.

In Zuchwil kann jedermann ein Medikament bestellen. Der Betrieb muss als öffentliche Apotheke einen Publikumszugang zum persönlichen Medikamentenbezug gegen Rezept betreiben. «Das ist nur vorhanden, weil es vom Gesetz her vorgeschrieben ist.» Aber dieses Geschäft sei marginal. «Wir konkurrieren klar nicht mit den lokalen Apotheken.»

Mediservice-Geschäftsführer Jürg Gasser.

Mediservice-Geschäftsführer Jürg Gasser.

hanspeter baertschi

Mit den 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die 85 Vollzeitstellen aufteilen, verfolge Mediservice eine Nischenstrategie. Vom Postpaket mit den Medikamenten würden hauptsächlich Menschen mit seltene Krankheiten und chronisch Kranke profitieren, die auch Betreuung brauchen. «Es ist ein sehr selektives Nischenmodell, ausgerichtet auf komplexe Krankheiten und chronische Langzeitpatienten.» Diese Strategie zeitige Erfolg. «Wir wachsen stetig und wir haben höhere Wachstumsraten als Firmen im Marktumfeld», sagt Jürg Gasser.

Betreuung gehört zum Paket

Der Erfolg ist nicht nur dem Medikamentenversand geschuldet. «Es ist das Gesamtpaket, das wir anbieten.» Dazu gehöre immer mehr auch die Betreuung zu Hause bei den Kunden. «Es gibt verschiedene Krankheitsbilder. Manche Kunden sind immer angewiesen auf Anleitung, Betreuung oder Überwachung» Angeboten werden beispielsweise Therapiekonzepte für seltene und anspruchsvolle Krankheitsbilder. Damit diese Dienstleistung erbracht werden kann, braucht Mediservice qualifiziertes Personal. «Der grösste Teil der Mitarbeitenden sind Spezialisten aus dem medizinisch-pharmazeutischen Bereich», sagt Gasser nicht ohne Stolz.

Die zusätzlichen Dienstleistungen zahle aber keine Krankenkasse und kein Arzt. «Das gehört zum Gesamtpaket und entspricht dem Auftrag und Wunsch der behandelnden Ärzte.» Die benötigten Medikamente, für welche Betreuungs-Dienstleistungen erbracht werden, sind meist sehr teuer, aber hätten sehr geringe bis teilweise gar keine Margen. Deshalb lässt Gasser den Schluss, dass die Betreuungsleistung über den Medikamentenpreis reingeholt wird, nicht gelten. «Wir handeln im Auftrag der Ärzte und können so unsere Marketing- und Standortkosten klein halten. Ein Quadratmeter an der Zürcher Bahnhofstrasse oder im Hauptbahnhof Bern kostet mit Sicherheit ein Vielfaches im Vergleich zum Industrie- und Gewerbegebiet in Zuchwil. Das geht auf.»

Keine Umsatzzahlen

Zahlen zur Wirtschaftskraft des Betriebes will Jürg Gasser nicht nennen. «Wir gehören zu Galenica, die keine Zahlen zu ihren einzelnen Betrieben bekannt gibt.» Er wäre aber sehr zufrieden mit dem Ertrag von Mediservice. Wenn die Firma ihm gehören würde, könnte er sich längst persönlichen Interessen widmen. Pro Jahr würden im Betrieb eine halbe Million Rezeptzeilen, was aber auch mehr als einer Medikamentenpackung entsprechen kann, verarbeitet. Zum Vergleich: Laut Branchenverband Pharmasuisse liegt der Durchschnitt bei Schweizer Apotheken bei 26 000 Packungen jährlich.

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