Landwirtschaft
«Nichts Gemütlicheres als eine Kuh»: Aetigkofer Milchbauer kann sich ein Leben ohne Kühe nicht vorstellen

Heute ist Tag der Pausenmilch. Wir haben mit Milchbauer Bernhard Wyss aus Aetigkofen über Kühe und Milch gesprochen.

Rahel Meier
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Bernhard und Regina Wyss trinken gerne Milch. Ein Teil wird zu Käse verarbeitet, der am Markt in Solothurn verkauft wird.

Bernhard und Regina Wyss trinken gerne Milch. Ein Teil wird zu Käse verarbeitet, der am Markt in Solothurn verkauft wird.

Tom Ulrich / fotomtina

Bernhard Wyss kennt jede seiner knapp 80 Kühe. Jede hat einen Namen, nicht nur einfach eine Nummer. «Jede Kuh hat auch ihren Charakter», meint er. Ein Leben ohne Kühe ist für ihn unvorstellbar. Schon als Kind verbrachte er seine Zeit gerne bei den Kühen seines Onkels und als Jugendlicher war ihm klar, dass er Bauer werden will.

Vor 15 Jahren übernahm er dann mit seiner Frau Regina den Hof des Schwiegervaters und vor rund zehn Jahren siedelte der Betrieb aus und befindet sich nun am westlichen Dorfrand. Im Neubau konnte Wyss den Stall nach seinen Wünschen und Ideen organisieren. Die kleinsten Kälber haben ihre Babystube. Die grösseren sind ebenfalls separat untergebracht und die Milchkühe leben in einem Boxenlaufstall mit einem grossen Aussenstall.

Von März bis Oktober sind die Tiere praktisch immer draussen auf der Weide. Der Stall ist extrem hoch. «Damit können wir im Sommer die Temperaturen einigermassen tief halten, weil die warme Luft steigt. Im Winter kann es dann aber auch recht kalt werden.» Kühe vertragen laut Wyss problemlos Temperaturen bis zu -15 Grad.

Der grosse Stall mit dem Aussenlaufstall und vor allem auch die gute Belüftung seien Faktoren, die wesentlich zur Gesundheit der Tiere beitrage. So könne das Ammoniak, das die Tiere produzieren und das schlecht für die Atemwege ist, besser verdampfen.

«Meinen Tieren muss es wohl sein»

Die Herde von Familie Wyss ist kunterbunt. Nicht nur wegen der verschiedenen Farben, auch die Rassen sind gemischt. Holstein, Red Holstein, Jersey und Fleckvieh finden sich. «Ich habe nicht den Anspruch, reinrassige Kühe zu züchten, die extrem viel Milch geben.» Viel mehr liege es ihm daran, dass es seinen Tieren wohl sei. Deshalb steht auch die 13-jährige Leitkuh Semina immer noch im Stall.

In der Herde der Familie Wyss sind verschiedene Rassen vertreten.

In der Herde der Familie Wyss sind verschiedene Rassen vertreten.

Tom Ulrich / fotomtina

Jedes Jahr werden rund zehn Rinder aus dem eigenen Bestand nachgezogen. So erneuert sich die Herde ständig und ist altersmässig durchmischt. Wyss hält einen Muni. «Wir wenden aber auch gezielt künstliche Besamung an.» Dabei könne man sogenannten «gesexten» Samen verwenden und habe so Gewähr, dass vermehrt Kühe zur Welt kommen. «Ich sehe das nicht als extremen Eingriff in die Natur an. Es geht auch nicht darum, Erbgut zu verändern. Aber es macht für mich auch keinen Sinn, dass wir Muneli produzieren, die wir dann dem Metzger geben müssen.»

Die Kühe von Bernhard Wyss geben pro Laktation durchschnittlich 7'000 Liter Milch. Zum Vergleich: Eine Spitzenkuh kann bis 12'000 Liter produzieren. Rund 90 Prozent der Milch wird vom Grosskonzern Emmi abgenommen. Die restliche Milch verkauft Wyss an Hansueli Schluep aus Lüsslingen-Nennigkofen und sie wird in Wangen an der Aare zu Käse verarbeitet, der unter anderem auf dem Markt in Solothurn angeboten wird. Wenn man ihn auf den Milchpreis anspricht, dann sagt er klar: «Milch ist ein sehr gutes Produkt, das einen höheren Marktpreis verdient hätte.»

Aus der Milch wird beispielsweise auch Käse hergestellt, welcher anschliessend in Solothurn verkauft wird.

Aus der Milch wird beispielsweise auch Käse hergestellt, welcher anschliessend in Solothurn verkauft wird.

Tom Ulrich / fotomtina

Im Betrieb wird zwar maschinell, aber nicht automatisch gemolken. «Wir müssen jede Kuh anfassen, die wir melken. So lernen wir die Kühe auch kennen.» Gefüttert werden die Tiere mit Gras, Heu, Gras- und Maissilage. Das meiste produziert Wyss auf seinem 40 Hektaren grossen Betrieb selbst. Und meint mit etwas Stolz: «Dieses Jahr habe ich kein Gramm Spritzmittel eingesetzt.» Unkraut werde mechanisch bearbeitet, wie das auch bei Biobetrieben üblich sei. Als IP-Suisse-Betrieb nimmt Wyss zurzeit an einem Versuch teil, in dem es um die Reduktion von Pestiziden geht.

Vermehrt direkt vermarkten

Bernhard Wyss ist überzeugt, dass Bauern heutzutage nur überleben, wenn sie innovativ denken. Er möchte in der Zukunft mehr seiner Produkte in der Region absetzen. Gerade zurzeit würden die Kunden wieder vermehrt auf die Regionalität achten. Er möchte sich deshalb einen Milchverkaufsautomaten zutun. Dieser soll aber nicht bei ihm auf dem Hof stehen. «Der beste Standort wäre beispielsweise ein Bahnhof.» Wyss wartet aber noch zu. Das hat einen sehr reellen Hintergrund. Viele Menschen vertragen heutzutage Milch nicht mehr. Dabei wäre es laut Wyss ganz einfach. Man müsse nur die Sorte wechseln. Die sogenannte A2-Milch werde oftmals besser vertragen. «Das weiss ich auch aus meinen Lehrjahren in Australien. Die Bauern dort haben viel Milch nach China importiert. Asiaten vertragen aber Milch in aller Regel weniger gut als Europäer.» Deshalb stellt Wyss nun um. Das dauert aber, da die Kühe bei ihm bis zu 12 Jahren im Stall stehen. (rm)

Alles funktioniert im Familienverbund

«Unser Betrieb ist ein Familienbetrieb», sagt Wyss. Sein Vater komme immer noch täglich zu ihm auf den Hof und helfe vor allem bei den Kälbern. Dazu werden zwei Lehrlinge ausgebildet, die im Haus von Bernhard und Regina Wyss leben und – wenn sie das möchten – auch am Familienleben teilhaben können. Die Kinder Livia, Raphael und Nicola packen ebenfalls gerne mit an. Regina Wyss trifft man zwar nur selten im Stall an, sie hält ihrem Mann aber den Rücken frei, kümmert sich aber um die Büroarbeiten, die zu erledigen sind, versorgt die ganze Familie mit Essen und erledigt den gesamten Haushalt. Dazu arbeitet sie auch noch in einem bis 40-Prozent-Pensum ausser Haus. Auch der Schwiegervater helfe aus, wenn es nötig sei.

«So können wir uns die Freiheit nehmen, mal an einem Wochenende wegzufahren oder Ferien zu machen», meint Wyss. Er hat zudem auch noch einige Nebenverdienste. Er vermietet beispielsweise Pferdeboxen. Auf seinem Scheunendach produziert er Solarstrom. Und wenn es schneit, kann er den Winterdienst in der Gemeinde übernehmen. «Einen Betrieb wie den unseren zu führen, ist ein 120-Prozent-Pensum», meint er. Das funktioniere nur, weil er Freude an seiner Arbeit und an den Tieren habe.

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