FDP Recherswil
Neustart für Ortspartei: Petra Gössi sorgt für Grossaufmarsch

Die FDP Recherswil legt einen Neustart hin. Die erste Parteiversammlung unter neuer Führung sorgte für grosses Interessen. Als Gast war die Schweizerische Parteipräsidentin Petra Gössi eingeladen.

Rahel Meier
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Christian Scheuermeyer (Präsident der FDP Kanton Solothurn) und Petra Gössi (neue Präsidentin der FDP Schweiz) im Publikum.
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FDP-Präsidentin Petra Gössi zu Besuch in Recherswil
Christian Dorer, Chefredaktor der «Nordwestschweiz», interviewt Petra Gössi
Rund 70 Personen waren gekommen, um Gössi zu sehen. Nicht alle waren Recherswiler.

Christian Scheuermeyer (Präsident der FDP Kanton Solothurn) und Petra Gössi (neue Präsidentin der FDP Schweiz) im Publikum.

Hansjörg Sahli

Rund 70 Anwesende gab es wohl noch nie an einer freisinnigen Parteiversammlung in Recherswil. «Gefühlt die Hälfte» waren allerdings Nicht-Recherswiler. Sie waren gekommen, um Petra Gössi, die neu gewählte schweizerische Parteipräsidentin zu sehen.

Sie zeigte sich sympathisch, jugendlich, spontan und brachte die Zuhörer mehr als einmal zum Lachen. Interviewt wurde sie von Jörg Aebischer (Ortsparteipräsident) und Christian Dorer (Chefredaktor az Aargauer Zeitung und az Nordwestschweiz). «Für mich war nie eine Frage, in welcher Partei ich politisiere. Ich komme aus einer liberalen Familie. Ich lasse mir nicht gerne vom Staat vorschreiben, was ich tun soll. Ich will aber auch keine Hilfe vom Staat, sondern alleine zurechtkommen», so Petra Gössi.

Petra Gössi in aller Kürze

Petra Gössi wurde 1976 geboren. Mit ihrem Partner lebt sie in Küssnacht am Rigi. In ihrer Freizeit ist sie am liebsten sportlich unterwegs. Gössi ist Juristin und Partnerin in einer Unternehmung, die auf Unternehmens- und Steuerberatungen spezialisiert ist. 2004 wurde sie für den Schwyzer Kantonsrat nominiert und auf Anhieb gewählt. 2011 wurde sie Nationalrätin und ist in diversen Kommissionen tätig. 2012 übernahm sie das Präsidium der FDP Schwyz. Am 16. April 2016 wurde sie zur Präsident der FDP Schweiz gewählt. (rm)

Obwohl aus liberalem Haus, wurde sie erst mit 30 politisch aktiv. «Die Nominationsversammlung für den Schwyzer Kantonsrat war meine erste Parteiversammlung», erklärte sie am Mittwochabend in Recherswil. Privates liess sie sich wenig entlocken. «Mein Zuhause ist mein Zuhause. Da will ich die Türe zumachen können. Das geht niemanden etwas an.»

Viel unterwegs

Seit der Wahl am 16. April hat sich Gössis Leben verändert. Der Terminkalender sei fast übervoll, sie reise in der ganzen Schweiz herum. Ihre Arbeit als Juristin und auch die Freizeit kämen zu kurz. «Momentan beansprucht mich das Parteipräsidium fast zu 100 Prozent.» Unterstützt werde sie vom Generalsekretariat und sie kann sich auch vorstellen, eine persönliche Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter einzustellen.

Gössi gab zu, dass sie auch Fehler macht, oder in einem Interview auch schon ungeschickt reagiert habe. «Ich kann durchaus noch dazulernen und mich entwickeln.» Immerhin sei ihre Haut schon etwas dicker geworden und so nehme sie nicht mehr alles, das über sie geschrieben werde, ganz so ernst, wie zu Beginn.

Als Parteipräsidentin will Petra Gössi den Kurs weiterführen, der in den letzten Jahren gefahren wurde. «Wir hatten Erfolg damit.» Wichtig ist für sie, dass die FDP ihre Position selbst festlegt und erst danach auf Suche nach allfälligen Partner geht, um eine Mehrheit zu finden. «Bei wirklich wichtigen strategischen Geschäften sollte die Nationalratsfraktion schon geschlossen stimmen», so Gössi.

Aber die liberale Haltung sollte auch andere Meinungen zulassen. «Wir haben in Schwyz auch nicht immer die gleichen Parolen gefasst, wie die schweizerische Mutterpartei.» Man dürfe zudem im Laufe einer Politkarriere auch seine Meinung ändern. Die Gesellschaft und die Welt würden sich ebenfalls stetig verändern, dem könne man sich nicht verschliessen.

2019 die SP überholen

Auf die Frage nach dem Ziel für die Wahlen im Jahr 2019 antwortete Gössi spontan: «Wir wollen die SP überholen.» Die FDP habe das Potenzial dazu. Dabei hat Gössi vor allem die sogenannten Wechselwähler im Visier. Die FDP denke liberal. CVP und SVP würden sich eher abschotten, das sei eine Chance. Gössi meinte zudem, dass der derzeitige bürgerliche Schulterschluss etwas hochgespeilt werde. In der Migrationspolitik würden sich FDP und SVP nie einigen. Es gebe zudem auch Fragen, bei denen sich die liberale Haltung durchaus mit derjenigen der SP vertrage.

Kurzfragen

Christian Dorer stellte Petra Gössi zehn Fragen, die nur mit Ja oder Nein beantwortet werden sollten.

Soll die Armee fünf Mia. Franken erhalten?
Ja.

Braucht es eine Einschränkung des Leistungskataloges in der Kranken-Grundversicherung?
Ja.

Sollen weiche Drogen legalisiert werden?
Nein.

Werden die Bauern zu stark vom Staat unterstützt?
Ja.

Sollen kriminelle Ausländer konsequenter ausgeschafft werden?
Hier gab es ein «Ja, aber» von Gössi. Das Problem liege vor allem darin, dass die Ausschaffung als Ganzes schlecht funktioniere.

Unterstützen sie die Energiewende?
Ja – mit der heute etwas abgeschwächten Form.

Braucht es Einschränkungen bei Topsalären?
Das müssen die Aktionäre der Firmen entscheiden.

Braucht es künftig mehr oder weniger Entwicklungshilfe?
Eher etwas weniger.

Gilt der FDP-Slogan «weniger Staat, mehr Freiheit» für sie?
Ja.

FDP Recherswil mit komplett neuem Vorstand

Philippe Arnet (FDP-Bezirksparteipräsident) führte zu Beginn in die Veranstaltung ein. Er freute sich, dass in Recherswil eine neue Crew mit der Arbeit beginne. Für die Schweizerische Mutterpartei und die Kantonalpartei seien die Ortsparteien wichtig und die Basis. «Das politische Leben beginnt im Dorf», so Arnet. Er stellte danach den designierten Präsidenten der FDP Recherswil vor. Jörg Aebischer war bis 2001 in Feldbrunnen und im Leberberg politisch tätig. Er wurde mit Applaus gewählt. Danach übernahm er die Führung durch die restlichen statutarischen Traktanden. Der Vorstand wurde ebenfalls wie vorgeschlagen gewählt: Stefanie Humm (Vizepräsidentin), Esther Binggeli (Aktuarin), Andrea Arrigoni (Kassierin), Jan Flückiger (Webpage), Oliver Binggeli (Projekte) und Martin Rohn (Projekte). Als Revisoren amten Patrick Hofer und Gabriela Jäggi-Murer.
In der Kasse der FDP Recherswil befanden sich am 31. Dezember 2015 genau 1095.55 Franken. Die Jahresrechnung wurde genehmigt und der bisherige Vorstand entlastet. Peter Buracco (Präsident), Peter Burki (Vizepräsident) und Brigitte Christen (Kassierin) haben alle mehr als 20 Jahre im Vorstand gearbeitet und «das Fähnlein hochgehalten», wie es Aebischer ausdrückte. «Alle vier Jahre konnten sie wieder ein Liste mit freisinnigen Kandidaten für die Gemeinderatswahlen präsentieren. Das ist eine gute Leistung.» Die drei erhielten ein kleines Präsent und einen langen Applaus. (rm)

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