Weidenmeisen-Förderung
Neues Projekt zum Vogelschutz: Totholz schaffen für die seltene Weidenmeise

Die Bürgergemeinde Lohn realisiert ein Projekt, damit der kleine Vogel in der Region nicht ausstirbt.

Rudolf Luterbacher
Merken
Drucken
Teilen
Nur zwölf Zentimeter gross wird die kleinste aller Meisen-Arten.

Nur zwölf Zentimeter gross wird die kleinste aller Meisen-Arten.

Die Weidenmeise (Poecile m. rhenanus) ist ein immer seltener Brutvogel. Sie bevorzugt als Lebensraum weichholzreiche Jungwälder im Jura, im Mittelland und Voralpen. Der Rückgang der Weidenmeise aus den Wäldern des Mittellandes ist vom Schweizer Vogelschutz SVS dokumentiert.

Nachdem ein minimaler Bestand dieser Vogelart im Lohner Wald nachgewiesen werden konnte, hat der Bürgerrat Lohn aufgrund eines neu lancierten Konzeptes vom Vogelschutzverband des Kantons Solothurn beschlossen, auf einer Fläche im Laubholzbereich, die Förderung der Weidenmeisen in die Tat umzusetzen. Auf den fachmännischen Rat und auf die Umsetzung der Massnahmen konnte sie dabei auf Daniel Schmutz, Revierförster des Forstbetriebes Wasseramt, zählen.

Was Weidenmeisen brauchen

Die kleinste unter den Meisen-Arten

Die Weidenmeise ist knapp zwölf Zentimeter lang und somit die kleinste unter den Meisen-Arten. Der obere Kopfteil, der Nacken und das Kinnfeld dieser Vogelart sind schwarz. Die Wangen sind bis in den Nacken hinein weiss. Der Rücken ist graubraun und der Bauch weisslich. Der Lockruf der Weidenmeise ist charakteristisch und klingt wie ein breites gequetschtes «dääh», manchmal auch «zizidääh». Der Gesang besteht aus fünf bis sechs absinkenden Pfeiflauten «dju-diju-dju-dju-dju». (R.L.)

Jungwuchsflächen und Stangenholz wurden bisher für den Vogelschutz – so auch in den Waldungen der Bürgergemeinde Lohn – zu wenig beachtet. Denn gerade für die Weidenmeise sind solche Flächen interessant.

Die Weidenmeise zimmert nämlich ihre Höhlen selber in morsches Holz auf zirka 1,5 bis 2 Meter Höhe ab Boden. Dabei benutzt sie am liebsten dünne, stehende Totholzstämme. In vielen Jungwuchsflächen hat es jedoch kaum solche Stämme, welche bis zum vollständigen Zerfall sich selbst überlassen werden. Werden solche Totholzstämme im Stangenholz angeboten, kann der Weidenmeise und somit auch dem Fortbestand geholfen werden.

Nun hat die Bürgergemeinde Lohn im Oberwald geeignete Nistmöglichkeiten für die Weidenmeise geschaffen. Im Rahmen einer Durchforstung im Laubholz wurden die Bäume mit Durchmesser 12 bis 20 Zentimeter auf 1,5 bis 2 Meter Höhe abgesägt und der Saft mit dem «Ringeln» unterbrochen.

Dennoch braucht es noch etwas Geduld, bis Stämme morsch genug sind und für die Weidenmeise attraktiv werden. Damit Nistplätze den Weidenmeisen im Lohner Wald schneller zur Verfügung stehen, sind an einigen wenigen vitalen Bäumen Totholzstämme aus Laubholz angebunden worden.

Ziel des Projektes

Die Arbeiten wurden vom Forstbetrieb Wasseramt und vom Forstverantwortlichen der Bürgergemeinde Lohn durchgeführt. Auf Info-Tafeln werden den Waldbesuchern und Spaziergängern die Idee und die getroffenen Massnahmen zur Weidenmeisen-Förderung bekannt gemacht.

Die Bürgergemeinde Lohn erhofft sich mit diesem speziellen Projekt, dass die Population der Weidenmeise im Lohner Wald in den nächsten Jahren zumindest nicht abnehmen wird und verschwindet.

Kantonales Projekt zur Weidenmeisen-Förderung

Der Vogelschutzverband des Kantons Solothurn hat im Jahre 2015 ein Projekt «Weidenmeisen-Förderung in der Nordwestschweiz» lanciert. Konkret sind Flächen bei Breitenbach, Himmelried, Rodersdorf, Rüttenen analog dem Vorgehen wie bei der Bürgergemeinde Lohn realisiert worden. Das Projekt zur Weidenmeisen-Förderung ist langfristig angelegt. Resultate liegen erst in zirka zehn Jahren vor. Das liegt daran, dass es nach dem Ringeln der Bäume mehrere Jahre dauert, bis das Holz morsch ist und so von den Weidenmeisen als Brutstätte angenommen wird. (R.L.)