Langendorf
Neuer Kindergarten beim Weihermatt, denn: Neubau auf Gemeindeland ist einfacher

Der neue Kindergarten soll in der Weihermatt statt beim Konzertsaal errichtet werden. Das hat der Gemeinderat einstimmig beschlossen.

Christof Ramser
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Die Argumente für den Neubau des Doppelkindergartens in der Weihernmatt waren vielfältig.

Die Argumente für den Neubau des Doppelkindergartens in der Weihernmatt waren vielfältig.

Hanspeter Bärtschi

Nun zeichnet sich ab, wo in Langendorf ein neuer Kindergarten entstehen soll. Der Gemeinderat sprach sich am Montagabend einstimmig für den Standort Weihermatt aus. Der Doppelkindergarten soll in zwei Jahren zum Start des Schuljahres 2018/2019 bezugsbereit sein. Mit dem Kapazitätsausbau wird zusätzlich benötigter Schulraum im Schulhaus D freigeräumt.

Zur Debatte für die Erweiterung stand neben der Weihermatt ein Ausbau des Kindergartens beim Konzertsaal. Eine Spezialkommission hatte Vor- und Nachteile der beiden Standorte untersucht. Diese Debatten verliefen nicht ohne Nebengeräusche. Ein verärgertes Kommissionsmitglied ist gar ausgetreten.

Mit 6 gegen 1 Stimmen fiel der Kommissionsentscheid klar auf die Überbauung von Gemeindeland in der Weihermatt. Das Land befindet sich im Verwaltungsvermögen und kann nicht verkauft werden. Im Gemeinderat, wo am Montag zwei Sitze leergeblieben waren, war das Verdikt noch deutlicher. Mit 7 zu 0 folgte er der Kommission einstimmig.

Aussenraum nicht gesichert

Die Argumente pro Weihermatt waren vielfältig. Adrian Marti (FDP) bemerkte, dass die Investitionssicherheit dort grösser sei als beim Konzertsaal. Beim Konzertsaal besteht laut Reto Vescovi von der beratenden Firma Kontextplan das Risiko, dass der Mieter in der gemeindeeigenen Wohnung sein Mietrecht ausschöpfen und das Projekt verzögern könnte.

Ausserdem würden der Gemeinde durch den Wegfall dieser Mietwohnung jährliche Einnahmen von 15 600 Franken entgehen. Geld, das in der Kasse auf Dauer schmerzlich fehlen würde.
Für Monika Roth (SP) spricht insbesondere der Aussenraum beim Konzertsaal gegen einen Ausbau dieses Standorts.

Es sei fraglich, ob dieser für zwei Kindergärten reiche. Der Platz wird von der Migros zur Verfügung gestellt. Wie lange noch, sei fraglich. «Deshalb können wir nicht langfristig damit planen.» Nicht ideal sei zudem, dass der Kindergarten beim Konzertsaal im ersten Stock eingerichtet werden müsste.

In der Weihermatt stelle sich dieses Problem nicht. Für die Weihermatt spreche schliesslich die zentrale Lage und die Nähe zum Schulareal.

Geringe Mehrkosten

Die Mehrkosten für den Ausbau der Weihermatt sind gemäss einer Kostenschätzung gering. Für diesen Standort werden mit rund 1,1 Millionen Franken gerechnet. Der Umbau des Konzertsaals käme, eingerechnet den Ausfall der Mietzinsen und ein Lifteinbau, auf rund 1 Million Franken zu stehen.

Geprüft wurde auch der Standort auf dem Delta-Areal, wo eine Wohnsiedlung geplant wird. Dies wäre aber erst ab 2021 möglich. Urs Bentz (CVP) betonte, dass der erste Stock im Konzertsaal weiterhin verfügbar wäre. «Sollte es in der Überbauung auf dem Delta-Areal dereinst einen Baby-Boom geben, könnten wir auf diese Reserve zurückgreifen.»

Das letzte Wort hat die Gemeindeversammlung. Sie entscheidet im Dezember über das Projekt und im nächsten Juni über den Kredit von 1,1 Millionen Franken. Weil das Vertrauensverhältnis zwischen einem Teil der Stimmbevölkerung und dem Gemeinderat aufgrund der bisherigen Schulraumplanung angekratzt ist, dürfte der Rat einige Überzeugungskraft aufwenden müssen.

Rücktritt von Rolf Truninger aus der Kommission Schulraumerweiterung: Willkür oder schlechter Verlierer?

Zu einem Eklat kam es in Langendorf, und zwar innerhalb der Kommission für die Schulraumerweiterung. Kommissionsmitglied Rolf Truninger erklärte seinen Rücktritt und wirft seinen Kollegen und dem begleitenden Planungsbüro Kontextplan Willkür vor.

Die Kritik ist massiv. So würden die Bewertungsmethoden und Argumente für den neuen Kindergarten in der Weihermatt statt im Konzertsaal den Lösungen angepasst, die von den «federführenden Organen» gewünscht würden. Truninger moniert, dass bei der Lösung Weihermatt die Mittel nicht effizient eingesetzt würden. Die von ihm vorgezogene, günstigere Lösung Konzertsaal werde verdrängt.

Er stand damit alleine gegen sechs Kommissionsmitglieder.
Reto Vescovi von Kontextplan, der an Sitzungen offenbar auch persönlich angegriffen worden war, verwahrte sich gegen den «unfairen» Vorwurf der absichtlichen Täuschung. Die Arbeit der Kommission sei offen und transparent.

Vescovi war merklich getroffen durch die Anwürfe. «So etwas ist mir noch nie passiert.» Er bat den Gemeinderat am Montagabend, nicht nur die Demission Truningers zur Kenntnis zu nehmen, sondern gegen dessen Argumente vorzugehen. Der Rat liess sich nicht zweimal bitten.

Patrick Suter (FDP) warf dem scheidenden Kommissionsmitglied vor, nicht mit seiner Niederlage umgehen zu können und die Sitzungen zu blockieren. Ivan Flury (SP) schob nach, Rolf Truninger sei ein schlechter Verlierer. Andrea Kronenberg (FDP) schliesslich zeigte sich «schockiert» über das Demissionsschreiben.

«Das ist eines Finanzkommissionspräsidenten nicht würdig.» Reihum zeigte sich der Gemeinderat erleichtert, dass dieser «Störfaktor» freiwillig aus der Kommission ausscheide. Seine Worte wurden einstimmig als nicht relevant taxiert. (crs)

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