Die Überraschung kam gestern im Doppelpack. 57,3 Prozent der Stimmbevölkerung beteiligten sich in Horriwil an der Wahl für das Gemeindepräsidium. Das Bedürfnis, endlich wieder eine echte Wahl durchführen zu können, war offensichtlich gross. Vor 20 Jahren war dies zuletzt der Fall. Die letzten Gemeindepräsidenten waren allesamt still gewählt worden. Keine Spur von Politikverdrossenheit also.

Dass Martin Rüfenacht mit fast vier Fünfteln der Stimmen gewählt wurde, verblüfft ebenfalls. 377 Wahlzettel sind eingegangen, 303 waren gültig. Auf Rüfenacht entfielen 237 Stimmen, auf den Konkurrenten Urs Ammann deren 66. Dass 72 leere Wahlzettel eingelegt wurden, dürfte die Freude des neuen Gemeindepräsidenten nur wenig trüben. Mit über 78 Prozent der Stimmen fiel der Entscheid deutlich zu seinen Gunsten aus. Entsprechend freute sich der 45-Jährige, als er vom Resultat erfuhr.

Bereits im Vorfeld hätten ihn viele Personen auf die Wahl angesprochen, und auch Vereine klopften an und wollten sich genau über den Kandidaten informieren. Dass Rüfenacht im Dorf nicht vernetzt ist, hat ihm nicht geschadet, im Gegenteil. «Ich sehe dies sogar als Vorteil, da ich nicht vorbelastet bin», glaubt Rüfenacht. Er verweist auf einen wirtschaftlichen Gemeinplatz, dass Innovation oft von aussen komme.

«Er ist ein kollegialer Typ»

Die Wahl in Horriwil war nötig geworden, weil Vorgänger Franz Schreier im Herbst Knall auf Fall zurückgetreten war. Damit setzte er einen Schlusspunkt unter einen Zwist im Zusammenhang mit der geplanten Überbauung des Dorfzentrums. Bereits zuvor war der Gemeinderat aber oft zerstritten. Mehrere Gemeindepräsidenten schieden im Streit aus dem Amt.

Seit Schreiers Rücktritt führte Vizegemeindepräsident Pascal Kissling die Gemeinde ad interim. Der Oberarzt am Inselspital ist froh, das Amt wieder abgeben zu können. Er spürte in den vergangenen Monaten eine Aufbruchstimmung im Dorf. Und er hofft für die anstehenden Wahlen für den Gemeinderat vom 21. Mai, dass mehr Kandidaten als Sitze zur Verfügung stehen werden. Laut Attila Lardori, Präsident der Wahlkommission, stehen die Chancen dafür gut. Offizielle Kandidaturen seien zwar noch keine eingegangen, doch er führe Gespräche.

Bereits fest steht, dass Hansjörg Kipfer nicht mehr zur Wahl antreten wird. Dafür hat der gestern unterlegene Urs Ammann eine Kandidatur in Aussicht gestellt. Und unter Umständen wolle er auch am 24. September antreten. Dann findet die ordentliche Wahl für das Gemeindepräsidium statt. Ammann zeigte sich gestern als fairer Verlierer und ist überzeugt von Rüfenachts Qualitäten. «Er ist ein kollegialer Typ und wird es super machen.»

Damit Eklats künftig ausbleiben

Kollegialität und Kompromiss sind für den neuen Gemeindepräsidenten denn auch hohe Güter. «Ich will einen Mittelweg gehen und sowohl die Anliegen der Neuzuzüger als auch der Alteingesessenen in die Politik einfliessen lassen.» Er sei jung genug, um frischen Wind in die Gemeinde zu bringen, könne aber auch gegenüber den älteren Einwohnern glaubwürdig auftreten. «Ich lade alle ein, ihre Anliegen zu äussern.» Damit will er verhindern, dass es bei sich abzeichnenden Interessenskonflikten wie in der Vergangenheit gleich zum Eklat kommt.

Der Elektroingenieur wohnt seit vier Jahren in Horriwil und berät beruflich Firmen bei der Digitalisierung. Diese will er auch in der Gemeinde vorantreiben. Ab dem 22. Februar kann er seine Ziele verwirklichen. Dann findet um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle ein Begrüssungsapéro statt. Im Beisein von Susanne Berchtold vom Oberamt Region Solothurn wird Martin Rüfenacht das Amtsgelöbnis ablegen.