Grund zum Feiern war der Fahrplanwechsel, der Gerlafingen eine direkte Zugsverbindung nach Bern beschert. Neu steht Reisenden ab der Wasserämter Gemeinde somit bis am Abend jede halbe Stunde ein Zug nach Bern zur Verfügung.

Denn mit dem neuen Fahrplan wurde die aus der Bundeshauptstadt kommende S-Bahnlinie S44 bis nach Solothurn verlängert. Zuvor reichte sie lediglich bis zum Emmentaler Dorf Wiler bei Utzenstorf. Der Regionalzug von Solothurn nach Thun erlaubt es zudem weiterhin, durch Umsteigen in Burgdorf nach Bern zu gelangen.

«Wir haben lange gepickelt», sagte der Gerlafinger Gemeindepräsident Peter Jordi in seiner Rede an die Zugsgäste – darunter Biberister Gemeinderatskollegen, Ständerat Roberto Zanetti und Nationalrat Philipp Hadorn – während der Sonderfahrt nach Biberist.

Zwar handle es sich eigentlich um eine Sparmassnahme, denn statt wie vorher drei, verkehren neu noch zwei Züge auf der Strecke, die durch seine Gemeinde führt. Doch habe man nun einen Halbstundentakt, was «aus Gerlafinger Optik klar positiv zu bewerten ist».

Auch die Nachbargemeinde könne nun punkten, wenn zum Beispiel künftige Belegschaft der Papierfabrik direkt mit der S-Bahn anreisen kann, so Jordi.

Eine «kurze» Umsetzungsdauer

Initiiert hat die Anschlussverbesserung der damalige Gerlafinger Gemeinderat Hadorn, der mit einem entsprechenden Vorstoss das Thema 2009 aufs Tapet gebracht hat. Seither stand man in Verhandlungen mit der BLS und den kantonalen Behörden.

Dabei sei zunächst die Rede von einer Umsetzung im Jahr 2025 gewesen. Mit der Reduktion auf zwei Zugslinien auf der entsprechenden Strecke sei die Änderung jetzt gar vorzeitig möglich gewesen. «Wir sind froh, dass unser Anliegen schon 2015 realisiert werden konnte», freute sich Jordi.

Direkt-Verbindung für Gerlafingen nach Bern  - Feierlichkeiten im Sonderzug

Feierlichkeiten im Sonderzug

Für behördliche Prozesse seien sechs Jahre eigentlich eine kurze Umsetzungsdauer, meint Philipp Hadorn. Die neue Verbindung mache Gerlafingen für Pendler noch attraktiver. Auch er selbst profitiere vom Nutzenzuwachs: «Gerade, wenn man im Zug noch Arbeiten erledigen möchte, ist es praktisch, nicht umsteigen zu müssen».

Wohnungen für Pendler und Studenten geplant

Den Umstand, für Pendler an Attraktivität gewonnen zu haben, werde man auch in der laufenden Ortsplanungsrevision berücksichtigen, erklärt Peter Jordi: «Das ist für uns eine grosse Hoffnung».

Das Bahnhofsquartier, das rund fünf Prozent des Gemeindeareals ausmacht, könnte man beispielsweise mit Wohnungen für bernorientierte Pendler und Studenten bebauen, so eine der Ideen.

Als einzigen Wermutstropfen erachtet der Gerlafinger Gemeindepräsident, dass mit dem neuen Fahrplan die Verbindung nach Zürich nun etwas schlechter sei, denn man müsse in Solothurn länger auf den Anschluss warten, als zuvor.

Sandra Steiner, Geschäftsführerin Bahnhofskiosk Gerlafingen, und Türkan Sönmez, Kiosk-Agenturleiterin Söni GmbH, zum Fahrplanwechsel

Sandra Steiner, Geschäftsführerin Bahnhofskiosk Gerlafingen, und Türkan Sönmez, Kiosk-Agenturleiterin Söni GmbH, zum Fahrplanwechsel

Eine Verbesserung gäbe es hingegen für Reisende aus Luterbach, die auf dem Weg nach Gerlafingen nun eine geringere Wartezeit in der Kantonshauptstadt hinzunehmen hätten, wie ein anwesendes Luterbacher Paar erfreut erklärt.

Ebenfalls wohlgestimmt durch die neue Verbindung ist Sandra Steiner, Geschäftsführerin des Gerlafinger Bahnhofkiosks: «Man erwartet durch diese Fahrplanänderung 20 Prozent mehr Reisende. Somit rechnen wir mit dementsprechend mehr Kunden». Profitieren konnte sie bereits vom Bahnhoffest: Zusammen mit ihrer Agenturleiterin Türkan Sönmez und deren Kindern bot sie den Gästen Bratwurst, Punsch und Bier, um die neuen Anschlüsse angemessen zu feiern.