Lohn-Ammannsegg
Neue Besitzer kündigten die Pacht – im Frühling müssen Nussbaumers ihr Paradies verlassen

Im März 2018 ist Schluss mit Landwirtschaft im Paradieshof in Lohn-Ammannsegg. Bauer Jakob Nussbaumer hat die Kündigung für seine Pacht erhalten. Was mit dem Hof passiert ist unklar.

Rahel Meier
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Im Paradieshof in Lohn-Ammannsegg ist bald Schluss mit Landwirtschaft. Zu Besuch im September 2017.
13 Bilder
Der Innenhof
Direkt neben dem Hof liegen die Obstplantagen.
Plaketten am Stall
Jakob Nussbaumer kennt seine Kühe bestens.
Die Kälber kommen sofort, wenn sich Nussbaumer nähert.
Zeugen vergangener Zeiten.
Der Hühnerstall
Nussbaumer hat eben erst zwei junge Güggel gekauft.
Jakob Nussbaumer vor seinem Hofladen, in dem es nur Produkte aus eigener Produktion zu kaufen gibt.
Das Fahrsilo und im Hintergrund die Obstbäume.
Im Paradieshof in Lohn-Ammannsegg ist bald Schluss mit Landwirtschaft
Die Familie verkauft direkt im Hofladen

Im Paradieshof in Lohn-Ammannsegg ist bald Schluss mit Landwirtschaft. Zu Besuch im September 2017.

Rahel Meier

Seit der «Chästag» in Solothurn stattfand, werden Unterschriften gesammelt zugunsten des Paradieshofes in Lohn-Ammanns- egg. Pächter Jakob Nussbaumer muss den Hof nach 35 Jahren verlassen.

Viele Einwohnerinnen und Einwohner aus Lohn-Ammannsegg und seine Kundschaft im Hofladen bedauern dies und tun dies nun mit einer Unterschrift kund. «Die Unterschrift ist unverbindlich und dient lediglich als ein Zeichen, dass uns der Verlust nicht egal ist», steht auf dem Flugblatt, das zum Unterschriftenbogen gehört.

Ein schweizweit bekannter Züchter

Der Paradieshof ist wahrscheinlich über 100 Jahre alt und wurde immer wieder erweitert. Nussbaumer ist sich bewusst, dass die Rendite für die Besitzer wohl nicht riesig ist. «Aber ich habe meine Pachtbeträge immer pünktlich bezahlt. Zum Paradieshof gehören 13 Hektaren Land. Nussbaumer konnte weiteres Land dazupachten und bewirtschaftet heute 37 Hektaren.

Dazu gehört auch eine Weide im Jura, wo seine Rinder gesömmert werden. In seinem Stall in Lohn-Ammannsegg stehen 18 bis 20 Milchkühe, zurzeit hat er sieben Kälber. Dazu kommen rund 60 Hühner. Seine Rinder werden schweizweit als Zuchttiere eingesetzt. Zudem betreibt Nussbaumer Ackerbau und er baut Zuckerrüben, Kartoffeln, Mais, Raps, Wintergerste und Weizen an. Daneben betreibt er Obstbau. Weiter ist er auch Saatzüchter. (rm)

Nussbaumer hat übrigens bereits zehn volle Bögen zurückerhalten. Dass Jakob Nussbaumer Bauer wird, war schon immer klar. Er wuchs in Schönenwerd auf einem Bauernhof auf, den seine Eltern von der Familie Bally gepachtet hatten. 1977 pachtete er dann zusammen mit seiner Frau Therese einen Hof in Recherswil.

Kurz darauf wurde dieser verkauft und 1982 fand Nussbaumer sein Paradies in Lohn-Ammannsegg. Der Paradieshof gehörte damals Franz Hammer aus Solothurn. Auch der Sandmatthof in Feldbrunnen-St. Niklaus und der Mattenhof in Kammersrohr waren in Hammers Hand. Auf Letzterem hatte Nussbaumer seinerzeit gar ein Lehrjahr verbracht.

Jakob Nussbaumer übernahm den Hof als Pächter. «Mein Vorgänger war als Arbeiter mit Lohn angestellt.» Nussbaumer konnte damals die 13 Kühe, die im Stall standen, und den grössten Teil des Inventars von Franz Hammer kaufen. Hammer besuchte den Hof und die Familie, unterdessen hatten Jakob und Therese vier Kinder, fast wöchentlich. «Er interessierte sich für alles und war in landwirtschaftlichen Fragen sehr kompetent.»

1995 ging es mit der Gesundheit von Franz Hammer langsam bergab. Und bald musste er auch die Besuche auf dem Paradieshof einstellen. «Unsere Kinder waren zu dieser Zeit zwischen sieben und 17 Jahre alt und wir hatten nicht Geld im Überfluss. Darum trauten wir uns damals auch nicht, zu fragen, wie es mit dem Paradieshof weitergehen soll», erinnert sich Nussbaumer zurück.

Im Jahr 2000 starb Franz Hammer. Der Betrieb auf dem Paradieshof ging weiterhin seinen gewohnten Gang. Jakob Nussbaumer zahlte halbjährlich seine Pacht und investierte in den Hof. Über 60 Hochstamm-Obstbäume, darunter auch Pro-Specie-Rara-Sorten, deren Früchte er unter anderem in seinem Hofladen verkauft, hat er in dieser Zeit angepflanzt. Im Jahr 2004 meldete sich dann die neue Besitzerin des Hofes bei Nussbaumers.

An einem Samstagnachmittag im Januar kam die Erbin auf den Paradieshof. «Sie sah sich um, stellte Fragen und ging bald wieder. Nachdem ich die beiden verabschiedet hatte, ging ich zurück ins Haus und fand meine Frau weinend in der Küche vor», erinnert sich Jakob Nussbaumer. «Die bringt dich um den Hof», sagte sie damals zu ihm.

2011 kam die Kündigung

2007 verstarb Therese Nussbaumer nach längerer Krankheit. Ihre Prophezeiung aber, die bewahrheitete sich. Im Jahr 2011 bekam Nussbaumer aus heiterem Himmel die Kündigung für die Pacht des Hofes. «Damals war ich 59-jährig. Vor Gericht konnte ich eine Fristerstreckung bis März 2018 erwirken. Mehr war nicht möglich.» Letzten Frühling fragten Jakob und sein Sohn Lukas Nussbauer, der ebenfalls gelernter Landwirt ist, ob es möglich wäre den Paradieshof zu kaufen. «Die Antwort war sehr kurz und sie hiess ‹nein›», so Nussbaumer.

Was mit dem Hof geschieht ist nicht klar

Was die Eigentümerin mit dem Paradieshof möchte, ist unklar. Auf Anfrage erklärte sie, dass die Kündigung rechtskräftig sei und sie sich nicht weiter dazu äussern möchte. Gerüchten zufolge, sollen Wohnungen erstellt werden.
Der Paradieshof liegt in der Landwirtschaftszone. Mit dem räumlichen Leitbild der Gemeinde Lohn-Ammannsegg, das im Jahr 2012 genehmigt wurde, ist festgelegt worden, dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen weiterhin erhalten werden sollen. Auch die Hofstattzonen und die Hochstammbäume sollen erhalten bleiben.
«Der Gemeinderat ist daran, die Ortsplanung wieder anzustossen, nachdem wir uns längere Zeit mit dem Gebiet rund um den Bahnhof beschäftigt haben», erklärt Rolf Bischoff (Präsident Baukommission) auf Anfrage. In der Gemeinde gebe es innerhalb der Bauzone noch einige Flächen, die nicht überbaut sind. Dass der Paradieshof als Bauzone ausgeschieden werde, sei deshalb eher unwahrscheinlich. Auch im Hinblick auf das neue Raumplanungsgesetz.

Nahe des Hofes führt zudem ein Wildtierkorridor von nationaler Bedeutung durch. (rm)

«Ich kann nicht begreifen, wieso man die Pacht für einen Betrieb kündigt, der gut läuft, und für den ein Nachfolger vorhanden ist.» Nussbaumer weiss nicht, was mit dem Paradieshof geschieht. «Im Dorf kursieren allerlei Gerüchte. Mir haben die Besitzer nie konkret gesagt, was sie vorhaben. Es war bloss von einem ‹Projekt› die Rede.»

Was passiert mit den Obstbäumen?

32 Lehrlinge hat Nussbaumer ausgebildet. Damit ist jetzt Schluss. Ausser einer langjährigen Angestellten, die auch im Haus hilft, hat er nur noch Taglöhner auf dem Hof. «Ich muss für nächstes Jahr nicht mehr ansäen und habe auch sonst weniger zu tun.»

Am meisten reuen Nussbaumer die Hochstammbäume. Wenn diese nicht mehr gepflegt werden, dann tragen sie auch keine Früchte mehr. Während sechs Wochen konnte er heuer Zwetschgen verkaufen. Und auch seine Kirschen sind weitherum bekannt. «Diese Jahr konnte ich sogar nach Baselland liefern, weil dort fast die ganze Ernte im März erfroren ist.»

Was er mit dem Inventar und den Maschinen macht, weiss er noch nicht. «Die neue Eigentümerin soll es, soweit möglich, rückkaufen. Schliesslich habe ich es seinerzeit auch von ihrem Vater gekauft.»