Zuchwil
Neubau geplant: Das «Kijuzu» erhält ein Baby

Der Gemeinderat Zuchwil gibt grünes Licht für den Planungskredit eines zweiten Zentrums Kind und Jugend.

Urs Byland
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Auf dem Gelände des Robinsonspielplatzes, nahe den Wohnüberbauungen an der Amselstrasse, soll ein weiteres Zentrum für Kind und Jugend gebaut werden.

Auf dem Gelände des Robinsonspielplatzes, nahe den Wohnüberbauungen an der Amselstrasse, soll ein weiteres Zentrum für Kind und Jugend gebaut werden.

Urs Byland

Die Gegenstimmen im Gemeinderat gegen einen Ableger des Zentrums Kind und Jugend (Kijuzu) waren verhalten. Wie sollte man auch etwas dagegen haben, wenn die Gemeinde auf Wachstumskurs ist, im Norden aktuell (Amselstrasse) und künftig (Riverside) neue Wohnungen entstehen und damit Nachwuchs zu erwarten ist, der dann eben ausserschulisch und -familiär betreut werden soll.

«Es gilt zu bedenken, ob das Angebot nicht ein Bedürfnis schafft», warf Carlo Rüsics (SVP) ein. Er denke, Zuchwil bürde sich mit dieser Investition – die Rede ist von 2,5 Mio. Franken für einen Pavillonbau – auf ungesunde Art und Weise zu viel auf, sprach er die hohen laufenden Investitionsausgaben der Gemeinde an. Für Thomas Rüeger (FDP) sind die zu erwartenden Kosten nicht ausschlaggebend. «Es gibt keinen grösseren Leuchtturm für Zuchwil als das Kijuzu», erklärte er mit Überzeugung. Es sei eine Investition in die Zukunft, nicht nur für Migrationsfamilien, sondern auch für Doppelverdienerfamilien.

Die Vollkostenzahler nicht verlieren

Auf Letztere zielte auch Regine Unold Jäggi (SP): «Die Gesellschaft verändert sich, viele Leute wählen Zuchwil zum Wohnort, weil wir hier dieses tolle Angebot haben.» Sie wolle den Investitionsdruck nicht ausblenden, aber: «Das heutige Angebot reicht jetzt nicht mehr aus.» Stephan Hug, Präsident der Stiftung Kijuzu, doppelt nach. «Wir müssen bereits im September interessierte Eltern auf eine Warteliste nehmen. Stand heute sind 13 Kinder auf der Liste.» Es seien dann eben gerade die Vollkostenzahler, also die Gutverdiener, die ihr Kind anderswo unterbringen und deshalb Zuchwil verloren gehen würden.

Kritische Fragen stellte Patrick Marti (SP). Von den sieben evaluierten Standorten für eine zusätzliche Anlage mit Platz für schulergänzende Betreuung, Mittagstisch, Kinderkrippe und Vorkindergarten kamen zwei in die engere Auswahl. Man einigte sich in der Arbeitsgruppe auf das gemeindeeigene Areal des Robinsonspielplatzes am Spatzenweg. Marti wollte nun wissen, warum man nicht die andere Variante, das Klubhaus des FC Zuchwil in der Widi, ausgewählt hat. «Ist es nicht günstiger, wenn das Gebäude bereits vorhanden ist? Der Robinsonspielplatz ist die beste Variante für die Stiftung. Ist es aber auch die beste für uns?»

Die Klubhaus-Variante sei auch gerechnet worden und verursache mit einem Umbau ähnlich hohe Kosten, erklärte Stephan Hug. Der Vorteil beim Robinsonspielplatz sei die ideale Umgebung am Widiwaldrand und die Erschliessung. Diese könnte über die südwestliche Ecke des Sportzentrum-Parkplatz erfolgen.

Auch Daniel Grolimund (CVP) votierte für den Ableger im Norden Zuchwils. «Es ist Teil unserer Strategie, höherwertigen Wohnraum zu schaffen. Deshalb ist das Projekt berechtigt.» Er wolle nicht schwarzmalen, wie Rüsics, der gar vor einer Steuererhöhung warnte. «Im Gegenteil kann ich mir eher eine Steuersenkung vorstellen.» Wenn die Gemeinde ihre Strategie konsequent verfolge.

Der Gemeinderat genehmigte die Planungskosten von 200 000 Franken mit 9 Ja- gegen 2 Nein-Stimmen. Der Zeitplan sieht einen Bezug im Sommer 2021 vor.

Papier oder Computer? – Grundsatz wird geklärt

Meist ist die Demission eines Behördenmitglieds eine Formalie. Wegzug, familiäre Gründe oder anderes sind ausschlaggebend. Auch Ursula Wyss’ Demission als Ersatzmitglied der Geschäftsprüfungskommission wäre abgewinkt worden, hätte sich nicht Carlo Rüsics für seine Parteikollegin gewehrt. Sie habe keinen Computer und wolle die Unterlagen auf Papier. «Der Zwang, auf elektronischem Weg kommunizieren zu müssen, ist eine Diskriminierung», so Rüsics. Wyss würde gerne weiterarbeiten, wenn sie die Unterlagen auf Papier erhält. Was mit dem Demissionsschreiben nicht ersichtlich war: Hinter den Kulissen muss in dieser Sache ein reger Mailverkehr gelaufen sein. So würden sich weitere SVP-Kommissionsmitglieder aus diesem Grund eine Demission überlegen. Und Gemeindepräsident Stefan Hug (SP) habe Mails erhalten, die unter die Gürtellinie zielten. Daniel Grolimund ärgerte sich, dass diese Geschichte überhaupt traktandiert wurde. «Das hätte man einvernehmlich klären können.» Hug wies darauf hin, dass die Praxis vom Gemeinderat entschieden wurde. Am Ende nahm er das Geschäft zurück. Die Sache soll im Grundsatz geklärt werden.

Wechsel zu Regio Energie Solothurn

Für den Wechsel des Energiebezugs von der AEK zur Regio Energie Solothurn musste der Gemeinderat noch das ausgehandelte Vertragswerk verabschieden. Dabei wurde eines klar: Der Wechsel war im Gemeinderat umstritten. Rückzugsgefechte bestimmten die Diskussion um die Paragrafen. Die SVP monierte, dass die Regio weniger ökologischen Strom anbiete als die AEK.

Die FDP wollte erst später entscheiden. Inwieweit deren Haltung dadurch geprägt war, das Parteikollege Bruno Ziegler AEK-Partner ist, wissen die Götter. Alle Argumente der Kritiker fanden aber auch Gegenargumente. Am Ende stimmte der Rat mit 6 zu 5 Stimmen für das Vertragswerk. Unklar bleibt allerdings, ob Zuchwil die Zähler übernehmen soll. Der dafür auszugebende Betrag müsste von der Gemeindeversammlung beschlossen werden, was man aber eher scheut.