Biberist
Neu Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg; Der Berg und die Vielfalt der Malerei

Im Schlösschen Vorder-Bleichenberg, Biberist, zeigen 50 Kunstschaffende facettenreiche Bergwelten. Die Ausstellung ist noch bis zum 10. November zu sehen.

Eva Buhrfeind
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Bergwelten, eingefangen von 50 Künstlerinnen und Künstler, sind im Schlösschen zu sehen.

Bergwelten, eingefangen von 50 Künstlerinnen und Künstler, sind im Schlösschen zu sehen.

Hanspeter Bärtschi

Der Berg ist als Genre in der Kunst bis heute ein Faszinosum. Sinnbild stiller Erhabenheit, entrückter Natur, unendlicher Sehnsuchtsort, wandelbar durch Metamorphosen in Stimmungen von Farbe, Licht und Schatten, Wirklichkeit und Gefühl. Seit dem ausgehenden 18., vor allem seit Beginn des 19. Jahrhunderts ein beliebtes Sujet der Landschaftsmalerei, trug die Alpenmalerei so zum alpenländischen Tourismus bei: Caspar Wolf, Pionier der Hochgebirgsmalerei, der Westschweizer Alexandre Calame, auch ein Meister der Alpenlandschaft, der grosse Beachtung über die Grenzen fand. Und natürlich Ferdinand Hodler, der mit Beginn des 20. Jahrhunderts die erratische Präsenz, das ferne Mysterium des Berges aus dem naturnahen oder idealisierten Realismus in die Moderne führte.

Seitdem hat sich das Bild des Berges, die malerische Intention erweitert und weiter entwickelt. Es sind meist persönlich Erlebtes und Erfahrenes, die treue Freude an der Bergwelt, der Reiz, diese wandelreiche Natur immer neu – auch im Bewährten – zu interpretieren, die die Kunstschaffenden inspiriert. Um dieser künstlerischen Haltung einen Rahmen zu geben, wurde im Juli 1988 in Interlaken die Gilde Schweizer Bergmaler GSBM gegründet. Die Aufnahmekriterien durch eine Jury garantieren den professionellen Anspruch der inzwischen rund 70 Mitglieder, unter denen akademisch ausgebildete Kunstschaffende ebenso vertreten sind wie künstlerisch etablierte Autodidakten. Alle Bildsprachen sind vertreten: Realismus, Naturalismus, Expressives, Zeichnung, Abstraktes, Objekte, neben Malerei auch druckgrafische Techniken.

Regelmässig jurierte Ausstellungen

Regelmässig werden Ausstellungen mit einem spezifischen Thema durchgeführt. In der Ausschreibung werden maximale Bildanzahl (bis fünf Werke pro Künstler) und Bildgrösse bestimmt. Für die definitive Auswahl ist dann eine Jury verantwortlich. Für diese Ausstellung im Schlösschen Vorder-Bleichenberg wurden von den 50 Kunstschaffenden 200 Arbeiten eingereicht, von denen nun 99 Werke (1 bis 4 Werke pro Person) ausgewählt wurden und von Thomas Seilnacht und Fredy Schaffner mit Bedacht und thematisch konzipiert präsentiert werden.

Das Thema dieser Ausstellung «Der Berg im Wandel der Zeit» führt zu einer spannenden Reise durch die Kunst vielfältiger weltanschaulicher und malerischer Begrifflichkeiten und Geschichten. Ja, der Berg im Wandel der Zeit lässt sich mannigfaltig und individuell interpretieren und lesen: Gletscher, die verschwinden und in der malerischen Darstellung greifbar bleiben, karstige wie auch romantische Naturen schneebedeckter Bergketten, elegant schwingende Gletscher, die Idyllen heiler Welten, das Monumentale und Unverrückbare. Der Klimawandel, der im Permafrost seine Spuren hinterlässt; auf geologische Zeichen und Strukturen konzentrierte klimatische Erosionen, die zur bildhaften Vision werden. Der Berg zeigt sich facettenreich im Wandel jahres- oder tageszeitlicher Atmosphären, als expressive Komposition, als feinst mit Bleistift gezeichnete Versteinerungen, die auf Urzeiten verweisen.

Hinweis

Bis 10. November. Geöffnet: Mi + Do 16–19 Uhr, Sa +So 14–18 Uhr. Matinée-Konzert: Sonntag, 3. November, 11 Uhr mit Michael Steiner, Violine und Robert Flury, Klavier.

Der abgestorbene Baum wird zum Kaktus

Unmittelbare Ausblicke in Bergwelten inszenieren sich zu rätselhaft erlebten Eindrücken oder als süffisante Betrachtung des Klimawandels, wenn sich der abgestorbene Baum am Rand des sandigen Gletschers zum Kaktus verwandelt. Dafür taucht der Mensch selten auf, höchstens als Bergsteiger oder sinnbildhaft. Erfreulich ist, dass die Malerinnen und Maler in ihren Werken authentisch bleiben, auch wenn sich durchaus künstlerische Bildzitate und -anleihen erkennen lassen. Der Wandel der Zeiten zeigt sich auch als Wandel malerischer Grundhaltungen, alles hat seinen Platz: das Bewährte, das Moderne, das Originelle, oder die junge Generation mit eigenwilligem Lego-Gebirgsszenarium.

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