Raiffeisenbank Biberist
Negativzinsen sind für Privatkunden kein Thema

Die Genossenschafter der Raiffeisenbank Biberist beharren auf sechs Prozent Verzinsung der Anteilscheine.

Agnes Portmann-Leupi
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Die Verwaltungsratspräsidenten und Bankleiter der fusionswilligen Raiffeisenbanken Biberist und Recherswil-Gerlafingen-Koppigen (v.l.): Felix Schibli, Daniel Mayr, Marcel Zollinger und Markus Wieland.

Die Verwaltungsratspräsidenten und Bankleiter der fusionswilligen Raiffeisenbanken Biberist und Recherswil-Gerlafingen-Koppigen (v.l.): Felix Schibli, Daniel Mayr, Marcel Zollinger und Markus Wieland.

Agnes Portmann-Leupi

«Wir kommen wegen des Gemütlichen, des Geselligen.» Eindeutig äusserten unzählige Genossenschafter ihre Beweggründe, an der Generalversammlung der Raiffeisenbank Biberist in der Biberena teilzunehmen.

Die Musikgesellschaft Lohn-Ammannsegg gestaltete den Auftakt. Vorfreude vermischte sich mit der Freude am guten Ergebnis im Geschäftsjahr 2015, das erneut ein Wachstum bei den Hypothekarausleihungen wie auch bei den Kundengeldern verzeichnet.

Verwaltungsratspräsident Felix Schibli bekräftigte: «Das Ergebnis bestätigt, dass wir in einem anspruchsvollen Marktumfeld auf dem richtigen Weg sind.»

Für das laufende Geschäftsjahr aber erwarte die Bank wegen der Margenverengung im Zinsgeschäft, der Haupteinnahmequelle, ein verhaltenes Ergebnis. Felix Schibli betonte, dass Negativzinsen bei den Privatkunden kein Thema seien, bei Grosskunden jedoch sei die Bank dazu gezwungen. «Wichtig sind dem Verwaltungsrat bei Vergaben von Krediten eine vorsichtige Risikopolitik und eine langfristig sichere Refinanzierung», bekräftigte er.

Starke Position bei Hypotheken

Laut Bankleiter Daniel Mayr verzeichnet die Raiffeisenbank Biberist 3639 Genossenschaftsmitglieder, davon 129 Neueintritte. «Diese Zahl ist ein klarer Vertrauensbeweis für unsere nachhaltige Geschäftspolitik», sagte er und präsentierte die erfreulichen Zahlen.

Die Bilanzsumme erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 7,9 Mio. (3,5 Prozent) auf 236,5 Mio. Franken. Auch im Hypothekargeschäft konnte die Bank mit einem Wachstum von 4,5 Prozent ihre Position behaupten. So stiegen die gesamten Kundenausleihungen um 3,9 Prozent auf 205,8 Mio. Franken.

Demgegenüber erhöhten sich die Kundengelder um 4,1 Prozent auf 205,2 Mio. Franken. Der Nettoerfolg aus dem Zinsengeschäft stieg trotz des tiefen Marktzinsniveaus um 4,4 Prozent auf 2,7 Mio. Franken. Der Jahresgewinn liegt mit 456 368 Franken um 8,9 Prozent tiefer als im Vorjahr. Er wird in Anbetracht der Kostensteigerungen im Sach- und Personalaufwand als solide eingestuft.

Das Eigenkapital beläuft sich auf 6,97 Mio. Franken. Einstimmig genehmigten die anwesenden Genossenschafter die Jahresrechnung.

Kein 1.-April-Scherz

Mit der Einstimmigkeit aber war es mit dem Antrag des Verwaltungsrates vorbei, die Verzinsung der Anteilscheine von 6 auf 4 Prozent zu senken. Dies, um das Eigenkapital langfristig zu stärken. Für den einzelnen betrage der Unterschied gerade mal einen Café Crème, rechnete der Verwaltungsratspräsident vor. Edmund Heri stellte den Antrag auf Beibehalten der 6 Prozent. «Als ich die Zahlen im Geschäftsbericht las, dachte ich an einen 1.-April-Scherz», sagte er. Mit ihren Anteilscheinen hätten die Besitzer Anrecht auf einen Teil des Erfolgs. Es gebe absolut keinen Grund, um die Gewinnbeteiligung herabzusetzen. Die 433 anwesenden Genossenschaftsmitglieder stimmten grossmehrheitlich dem Antrag von Edmund Heri zu.

Schibli informierte über die bevorstehende Fusion mit der Raiffeisenbank Recherswil-Gerlafingen-Koppigen. Gründe dafür seien der rasante Strukturwandel, veränderte Kundenbedürfnisse, gesetzliche Auflagen und Kostendruck. Biberist steige in einer Position der eigenen Stärke in den Prozess ein. Am kommenden 15. November werde orientiert und an der Generalversammlung vom 31. März 2017 falle der Entscheid. Er beteuerte, dass die Bank in Biberist bestehen bleibe und allen Mitarbeitenden eine Stelle angeboten werde.