Rüttenen

Natelantenne mitten im Wohngebiet? «Wir kämpfen dagegen»

Swiscom will in Rüttenen eine neue 5G-Natelantenne bauen.

Die Rüttener Bevölkerung will keine Antenne mitten im Wohngebiet. Swisscom hatte einen schweren Stand an der Informationsveranstaltung.

«Hier in Rüttenen gehen wir respektvoll miteinander um.» Gemeindepräsident Gilbert Studer machte gleich zu Beginn der Informationsveranstaltung zur geplanten Mobilfunkanlage an der Hauptstrasse klar, dass er keine ausfälligen Bemerkungen tolerieren werde. Schon seit Tagen wurde im Dorf heftig über die Antenne diskutiert. Eine Homepage mit dem Titel «Stop 5G in Rüttenen» zeigt auf, wer einspracheberechtigt ist.

Zudem soll «zu gegebener Zeit» eine vorbereitete Einsprache zum Download bereitgestellt werden. Auch eine Unterschriftensammlung gegen den Bau der Antenne ist gestartet und bereits von 180 Personen unterschrieben worden. Studers Worte waren allerdings unnötig. Obwohl die meisten der knapp 80 Anwesenden gekommen waren, um das Baugesuch zu bekämpfen, blieben alle Redner sachlich.

Gemeinde stellt keinen Standort zur Verfügung

Studer machte zu Beginn der Veranstaltung auch klar, dass die Gemeinde bereits vor einem Jahr von Swisscom angefragt wurde, ob sie einen Bauplatz für die Antenne zur Verfügung stellen könnte. «Wir haben da klar kommuniziert, dass wir kein Interesse haben.» Swisscom habe deshalb nach einem anderen Standort gesucht.

Das Baugesuch für die Antenne sei bereits Ende Juni eingereicht worden. «Für uns war klar, dass wir dieses nicht so kurz vor den Sommerferien publizieren. Zudem haben wir verlangt, dass vor der öffentlichen Auflage eine Informationsveranstaltung durchgeführt wird.» Wenn das Baugesuch aufgelegt werde, bestehe die Möglichkeit einzusprechen. Der Gemeinderat werde sich in seiner Oktober-Sitzung ebenfalls mit der Antenne befassen.

Datenmengen haben zugenommen

Als Erstes informierte Martin Stocker (Fachstelle Elektrosmog, Amt für Umwelt) über die gesetzlichen Vorgaben. Er zeigte dabei auf, dass 5G grundsätzlich nichts komplett Neues sei. «Man kann 5G aufschalten, ohne die Grenzwerte zu verändern.» Zusätzliche Sendeanlagen seien nicht wegen der neuen Generation Geräte nötig, sondern wegen der Datenmengen, die sich jährlich verdoppeln würden. Beinahe 90 Prozent der Belastung durch elektromagnetische Strahlung sei selbst verursacht und könnten deshalb auch verhindert werden, wenn man sich dementsprechend benehme.

«Wir müssen heute neue Antennen bauen, damit das Mobilfunknetz auch morgen noch funktioniert», erklärte Urs Indermühle (Swisscom). Pro Jahr baue Swisscom 300 neue Antennen. In dieser Zahl sind allerdings auch die Umbauten eingeschlossen. Die Antenne, die in Rüttenen geplant ist, werde vorwiegend für die Kunden in der Gemeinde gebaut. Die Karte zeige, dass es in der Gemeinde Funklöcher gebe. Swisscom sei bemüht, diese zu füllen. Die Sendeleistung der neuen Anlage werde nur gering sein, da die Grenzwerte eingehalten werden müssten. Rund 17 Prozent der Sendleistung werde für 3G vorgesehen, 75 Prozent für 4G und nur gerade 7 Prozent werden für 5G freigegeben.

Die Einwohner sind sehr skeptisch

«Wir wohnen direkt neben der projektierten Antenne. Wir denken nicht, dass der Bau dort vernünftig ist und werden bis zum höchstrichterlichen Entscheid dagegen kämpfen.» Hansruedi Haefeli erhielt spontan Applaus für sein Votum. Auch andere Einwohner äusserten sich skeptisch. «Gibt es ein Konzept in Rüttenen, wo Antennen erstellt werden können? Was, wenn weitere Anbieter kommen», wollte Nadia Wullschleger wissen. Und Ueli von Wartburg fragte sich, wer die Einhaltung der Grenzwerte überprüft. «Kommen die Behörden vorbei und messen, wenn ich das verlange?»

Laut der Gegner in Rüttenen, können alle Einwohner in diesem Perimeter Einsprache gegen die Natelantenne machen.

Perimeter

Laut der Gegner in Rüttenen, können alle Einwohner in diesem Perimeter Einsprache gegen die Natelantenne machen.

Es sei offensichtlich, dass die 5G-Technologie in Rüttenen nicht erwünscht sei. «Interessiert es die Swisscom überhaupt, was ihre Kunden zur neuen Antenne sagen», wollte eine weitere Einwohnerin wissen. Bemängelt wurde zudem, dass zwar eine neue Antenne gebaut wird, diese aber in Oberrüttenen nicht für besseren Empfang sorge.

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