Coronakrise

Nachbarschaftshilfe in den Hoek-Gemeinden: Solidarität wird jetzt gelebt

Etienne Gasche, der Gemeindepräsident von Oekingen, glaubt, die Solidarität könne trotz der gegenwärtigen Lage ein wichtiger Impuls für die Zukunft sein.

Etienne Gasche, der Gemeindepräsident von Oekingen, glaubt, die Solidarität könne trotz der gegenwärtigen Lage ein wichtiger Impuls für die Zukunft sein.

Halten, Oekingen und Kriegstetten rücken nicht nur in der Coronakrise näher zusammen. Die Gemeindepräsidenten

Die drei Gemeindepräsidenten Beat Gattlen (Halten), Etienne Gasche (Oekingen) und Simon Wiedmer (Kriegstetten) entwickelten unter dem Eindruck der augenblicklichen Gesundheitsbedrohung vor allem für ältere Menschen gemeinsam die Idee, eine institutionalisierte Nachbarschaftshilfe anzubieten. Mit der Koordination betrauten sie Alice Roth, die Präsidentin des jungen Familienvereins Hoek. Im letzten Jahr gegründet, umfasst der Familienverein bereits 30 Familien. Umgerechnet auf Personen handelt es sich um rund 100 Erwachsene und Kinder.

Der eigentliche Zweck des Vereins besteht laut der Präsidentin darin, Familien vielfältige Unterstützung anzubieten, die drei Gemeinden mit familienfreundlichen Anlässen zu beleben und für Gross und Klein saisonale Treffen zu ermöglichen. Doch wegen der Coronakrise sind die kommenden Veranstaltungen abgesagt. Vorerst besteht das Angebot des Familienvereins nun in Einkaufshilfe. Roth hat die neue Aufgabe gerne übernommen. Sie führt mit Jugendlichen zusammen eine Whatsapp-Gruppe und ist Ansprechperson für Menschen, die Hilfe benötigen. Telefonisch nimmt sie die Einkaufslisten samt Sonderwünschen auf und gibt sie an Gruppenmitglieder weiter. Das Geld für die Einkäufe, die vor die Türe der Besteller gebracht werden, finanzieren die Gemeinden vor. Später werden die Beträge den Nutzniessern der Einkaufshilfe unkompliziert durch ihre Wohnsitzgemeinde in Rechnung gestellt. Immer wieder höre sie am Telefon, dass die dankbaren Empfänger der Einkäufe sich mit irgendeiner Gegenleistung revanchieren möchten.

Nachfrage nach Hilfe ist noch bescheiden

«Gegenwärtig machen nur sieben Haushalte von dieser spezifischen Nachbarschaftshilfe Gebrauch», hofft Roth auf weiteren Zuspruch. Offenbar muss der Gedanke, sich helfen zu lassen, wieder neu erlernt werden. Was Alice Roth aber besonders freut, ist die Nachfrage weiterer Gemeindeangehöriger, die sich bereitwillig in den Dienst der guten Sache stellen wollen. So möchten einzelne Freiwillige einsame Personen mittels Telefonanruf begleiten und vielleicht dadurch aufmuntern. Andere würden sich gerne in vielfältiger Unterstützung – sogar auch während der Nacht – einbringen.

Gründung Projektrat muss verschoben werden

Die Gemeindepräsidien sind dankbar, dass die Nachbarschaftshilfe rasch in die Tat umgesetzt wurde. «Wir stimmen uns alle drei Tage ab – auch mit anderen Gemeinden im Wasseramt.» Aus aktuellem Anlass mussten die drei Präsidenten die für den 8. April geplante Gründung des sechsköpfigen Projektrates verschieben. Dieser Projektrat soll die Grundlagen für ein Vorgehenskonzept zu Möglichkeiten der vertieften Zusammenarbeit aufgleisen, an dessen Ende als Fernziel die Fusion der drei Gemeinden stehen könnte. «Der Projektrat soll uns die Herausforderungen auf den verschiedenen Ebenen aufzeigen», so Gattlen. Keineswegs werde man zu allem Ja und Amen sagen – «ebenso wie unsere Partner auch nicht».

Aber Wille und Motivation, ein Zusammengehen eingehend zu prüfen, sei auch in den drei Gemeinderäten vorhanden. Wiedmer ist zuversichtlich, dass der Projektrat alle Felder dieser möglichen Gemeinsamkeit genau betrachten und für alle drei Gemeinden die beste Lösung finden wird. «Seit Beginn dieser Legislatur arbeiten wir harmonisch zusammen.» Etienne Gasche ergänzt: «Diese Solidarität kann trotz gegenwärtig bedrückender Lage ein wichtiger Impuls für die Zukunft sein.»

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