Deitingen
Nachbarn verhinderten Schweineverhaltung, jetzt stinken ihnen auch die Legehennen

Ein Landwirtschaftsbetrieb mitten im Dorf kann immer wieder zu Problemen mit der Nachbarschaft führen. Ein Beispiel dafür ist der Hof von Daniel Stüdi in Deitingen.

Urs Byland
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Daniel Stüdi vor dem Gebäude, in dem er Schweine hielt. Das Bild entstand kurz nach dem Bundesgerichts-Entscheid 2014. Hanspeter Bärtschi

Daniel Stüdi vor dem Gebäude, in dem er Schweine hielt. Das Bild entstand kurz nach dem Bundesgerichts-Entscheid 2014. Hanspeter Bärtschi

Hanspeter Bärtschi

Unvergessen bleibt der Konflikt rund um die Schweinehaltung. 2008 wurde die amtlich bewilligte Schweinhaltung in einem Gebäude von Daniel Stüdi verboten. Die Geruchsabstände zum nahen Wohngebiet waren nicht eingehalten. Der Rechtsstreit nach der Schliessung zog sich über Jahre. In letzter Instanz entschied das Bundesgericht, dass Stüdi statt der geforderten 670'000 Franken Schadenersatz nur 210'000 Franken erhält.

Seit 2008 dient das Gebäude nicht seinem eigentlichen Zweck, sondern als Lagerraum. Nun hat Landwirt Daniel Stüdi einen neuen Anlauf unternommen, das Gebäude einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Im April 2016 wird ein Baugesuch publiziert unter dem allgemein gehaltenen Titel «Umstrukturierung Landwirtschaftsbetrieb». Diese Ankündigung hat die sensible Nachbarschaft des Bauernbetriebes an der Bahnhofstrasse alarmiert. Sie hatte seinerzeit mit ihren Beschwerden die Schweinehaltung verhindert und dafür einiges Geld in die Finger genommen. Die Rede ist von 20'000 Franken.

Und nun ein neues Baugesuch: «Es wurde einzig als Veränderung des Betriebes ausgeschrieben. Als wir die Unterlagen einsahen, waren wir nicht wenig überrascht», erklärt ein Anwohner. Geplant sei eine Hühnerfarm. Daniel Stüdi entgegnet. «Das ist keine Farm, sondern korrekt ein Betrieb mit Legehennenhaltung.» Dazu werde ein Teil des Gebäudes verwendet, das seinerzeit als Schweinestall diente.

Mit der Legehennenhaltung würden 1384 Hühner gehalten. Die Anzahl richtet sich nach Stallungssystem und Fläche. Das sind etwas mehr als 13 Grossvieheinheiten. Sie ersetzen die bisherigen 25 Grossvieheinheiten des Landwirtschaftsbetriebes. Daniel Stüdi hielt Milchkühe und Legehennen.

«Hühner stinken schlimmer»

Nun melden sich die Anrainer erneut. «Es ist ein Blödsinn, mitten im Dorf 1400 Hühner halten zu wollen», so der Anwohner. Hühner seien in Sachen Gestank noch schlimmer als Schweine, sagt er weiter und verweist an Maria Nesti, die als Sprecherin die 14 Anwohner vertritt. Gemeinsam haben sie eine Beschwerde gegen das Vorhaben von Landwirt Stüdi eingereicht.

«Vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen ist alles auf der Seite des Landwirtes», sagt Anwohnerin Maria Nesti. Die Geruchsabstände können eingehalten werden, obwohl der Bauernhof in einem Wohnquartier liegt. Der Kamin mit der gereinigten Abluft liege 42 Meter von der nächsten Bauzone entfernt. Vorgeschrieben seien 35 Meter.

Die Beschwerden hatten denn auch keine Chance, gutgeheissen zu werden. Kantons- und Gemeindebehörden haben diese abgewiesen, so Deitingens Bauverwalter Markus Schwarzenbach.

«Hier nicht bekannte Gefahren»

Die Anwohner lassen sich aber von der Bewilligung durch die Behörden nicht abhalten. Sie habe sich im Internet informiert, so Maria Nesti. Dort werde auf weitere Gefahren hingewiesen, welche «im Kanton nicht bekannt sind und deshalb auch nicht beachtet werden». Deshalb hätten sich die 14 Parteien entschlossen, die Einsprache ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen.

In ihren Recherchen habe Nesti herausgefunden, dass es sehr wohl die Gesundheit gefährdende Punkte gebe. So könne durch den Kot der Tiere im Boden Ammoniak gebildet werden, das ins Grundwasser gelangen kann. Sie befürchte zudem eine Übertragung von Erregern durch Emissionen in der Luft. «Ich sage immer: Es muss zuerst etwas passieren, bevor gehandelt wird» und verweist auf die Gefahr von Atemwegserkrankungen.

Schlechte Karten

Der Weiterzug der Beschwerden sei wahrscheinlich aber sinnlos, glaubt Nesti, und wird mit der Stellungnahme des Bau- und Justizdepartements zuhanden des Verwaltungsgerichtes darin bestärkt. Diese wurde den Beschwerdeführern im laufenden Verfahren zugestellt. Darin wird die Einsprache abgelehnt mit Verweis auf die Verfügung vom November 2016 zu den Einsprachen, sowie Ergänzungen. So habe eine Berechnung der Abstände dem Baugesuch beigelegen, die korrekt abgefasst worden sei.

Die Mindestabstände würden eingehalten. Es seien Emissionen vermindernde Vorhaben vorgesehen, die schon anderswo im Kanton angewendet würden. Zudem sei im Kanton kein Fall einer Erkrankung durch die Hühnerhaltung bekannt. Als erste würden sich zudem die Betreiber der Legehennenhaltung dieser Gefahr aussetzen, was diese ja auch nicht wollten.

Daniel Stüdi will das Verfahren abwarten und die Sache nicht in der Öffentlichkeit breittreten. Er sagt einzig: «Wir sind in der landwirtschaftlichen Zone und haben alle Richtlinien und Normen eingehalten, weshalb uns auch eine Baubewilligung erteilt wurde.»