Biezwil

Nachbarn fördern die Natur und das Dorfleben

Werner und Verena Isch, Gabi Siegenthaler und Herbert Nagl (von links) setzen sich für Dorf und Natur ein.

Werner und Verena Isch, Gabi Siegenthaler und Herbert Nagl (von links) setzen sich für Dorf und Natur ein.

Die Gruppe «Biezwiesel» – eine Hommage an das in Biezwil auch schon gesehenen Wiesel – fördern die Biodiversität und die Dorfgemeinschaft.

Sie sind Nachbarn und haben ein Ziel: die Vielfalt der Natur fördern. Und sie leben im beschaulichen Biezwil, in dem das Dorfleben etwas Anstoss gebrauchen könnte. Weshalb nicht beides, Natur und Aktivierung des Dorflebens verbinden? Gabi Siegenthaler, ihr Partner Herbert Nagl und das Ehepaar Verena und Werner Isch haben auf privater Basis die Gruppe «Biezwiesel» – eine Hommage an das in Biezwil auch schon gesehenen Wiesel – ins Leben gerufen. Sie fördern die Biodiversität und die Dorfgemeinschaft.

Die Förderung der Naturvielfalt (Biodiversität) hat einen Grund. «Unsere Landschaft sieht ziemlich ausgeräumt aus», sagt der gebürtige Oberösterreicher Herbert Nagl, der seit 45 Jahren in der Schweiz lebt. «Besonders auf der Nordseite des Dorfes, wo wir letztes Jahr anfingen und eine Hecke pflanzten.

Dort war es sehr, sehr karg.» Die anderen Initianten nennen weitere Gründe, die Gruppe «Biezwiesel» zu lancieren. «Wir wollen etwas für die Natur machen. Ich habe ein Foto vom Dorf aus dem Jahr 1960. Man könnte meinen, das Dorf liegt in einem Wald wegen den vielen Hochstammbäumen, die es damals noch gab», erklärt Werner Isch. Der Frühpensionär ist nebenamtlicher Gemeindeschreiber. Heute wirke das Dorf leer. «Da wurde alles weggeräumt, damit unsere Bauern mit ihren Traktoren gut arbeiten können.»

Dorfleben bereichern

Mit der Initiative soll auch das Dorfleben bereichert werden. «Wir haben nichts mehr, wo man sich begegnen kann, keine Post und keinen Dorfladen», sagt Werner Isch. Die wenigen Vereine seien nicht jedermanns Sache. «Biezwiesel» soll in die Lücke springen und Begegnungen ermöglichen.

Im letzten Jahr wurden drei Anlässe jeweils an einem Samstagmorgen durchgeführt. «Aktionstage», wie sie Gabi Siegenthaler nennt. «Wir haben eine bestehende Hecke gepflegt, die seit Jahren nicht angerührt wurde, und insgesamt 260 neue Sträucher gepflanzt», so Siegenthaler. Die Hecke ist nun 300 Meter lang und drei Meter breit und bietet Platz für unzählige Tiere. «Es hat Vögel, Rehe, Füchse, Dachse und anderes mehr», berichtet Werner Isch. Geplant ist eine weitere grössere Hecke inklusive eines Biotops, wiederum auf Bürgerland. Der Kontakt könnte für Isch nicht direkter sein. Er ist nicht nur Gemeindeschreiber, sondern auch Bürgerschreiber.

«Die sollen etwas machen»

«Am Stammtisch hört man dann oft, man sollte etwas machen, oder noch schlimmer, die sollten etwas machen», ergänzt Herbert Nagl. Er, seine Partnerin und die Ischs wollten etwas tun. Die Idee mit den Aktionstagen haben sie Tscheppach abgeschaut. Dort hat sich eine Gruppe gefunden, die für die Gemeinde Waldarbeiten wie Aufräumen oder Wegunterhalt erledigt. «Unser Grundgedanke geht in eine andere Richtung. Wir wollen etwas für die Natur schaffen.» Nagl und Werner Isch haben einen Kurs absolviert und dort von anderen Gemeinden erfahren. Das Beispiel Hindelbank hat sie beeindruckt. Sie berichten von renaturierten Bachläufen und einer selber gestalteten, ehemaligen Kiesgrube. «Das hat unseren Ehrgeiz schon angestachelt.»

Die vier träumen davon, die Aktionstage zum dörflichen Treffpunkt werden zu lassen, an dem auch das Gemüt nicht zu kurz kommen soll. Etwa bei einer Suppe, gekocht von Gabi Siegenthaler, die in Bern als Eventmanagerin arbeitet. «Man muss die Leute abholen. Es soll ihnen wohl sein, sie sollen nicht nur ‹chrampfen› müssen, sie sollen auch Freude empfinden», erklärt sie.

Die Gemeinde ist mit dabei

Am letzten Aktionstag im November half eine Schulklasse mit. «Solche Naturerfahrungen sind für die Schüler wertvoll», so Gabi Siegenthaler. «Die Hecke ist ein langfristiges Projekt. Die Schüler können beobachten, was aus ihrer Arbeit wird.»

Die Gemeinde ist mit auf den Zug gesprungen und leistet einen Beitrag an «Biezwiesel». Aber der Weg ist noch weit und harzig. An den ersten beiden Aktionstagen kam jeweils nur ein Dutzend Personen, am dritten waren es mit der Schulklasse 50 Personen. Werner Isch wünscht sich weiteren Zulauf. «Es ist schwierig, die Leute hier abzuholen. Wir sind ein Dorf von Pendlern. Hier wird geschlafen, gearbeitet wird auswärts.» Ende April folgt der nächste Aktionstag.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1