Halten

Nachbarn drohten wegen Guggenlärm mit Klage – jetzt muss eine Wand her

Die volle Dröhnung: An der diesjährigen Street Gugge Party in Kriegstetten störte sich niemand ab den «Baukis» – ganz im Gegenteil.

Die volle Dröhnung: An der diesjährigen Street Gugge Party in Kriegstetten störte sich niemand ab den «Baukis» – ganz im Gegenteil.

Die Guggenmusik «Baukebieger» ist zu laut. Um die Nachbarn vor Lärm zu schützen und eine Klage abzuwenden, muss die Gemeinde Halten für 15'000 Franken eine Wand hochziehen. Eine nicht ganz unpolemische Betrachtung eines Wohlstandsproblems.

Nun ist es amtlich geprüft: Die «Baukebieger», oder «Baukis», wie die Guggenmusik verniedlichend genannt wird, sind zu laut. Um den Krach festzustellen, hat das kantonale Amt für Umwelt extra eine Lärmmessstation aufgestellt. Und zwar im ersten Stock eines Hauses, das an das Probelokal der Gugge in Halten grenzt. Was die Eigentümer der Liegenschaft schon lange vermutet haben, steht nun schwarz auf weiss: Die gesetzlichen Lärmschutzgrenzen werden überschritten. Da drohten die Nachbarn mit einer Klage.

Mit einer einfachen Lösung wollte der Gemeinderat das Problem aus der Welt schaffen. Die «Baukis» verzichten auf ihre sonntäglichen Proben, die Nachbarn geben Ruhe. Doch einfache Lösungen scheint es in diesem Streit um ein wasserämtisches Kulturerbe nicht zu geben. Und so erteilte die Gemeindeversammlung von Halten dem Sonntagsverbot vor einem Jahr eine Abfuhr. Weil die Stimmbevölkerung aber auch von einer hässlichen Lärmschutzwand nichts wissen wollte, schepperten Pauken, Sousaphone und Posaunen am Ruhetag weiterhin in Richtung lärmgeplagte Anwohner. Diese zogen umgehend vor Gericht.

Eigentlich will sie gar niemand

Und so musste Eduard Gerber, Gemeindepräsident von Halten, der versammelten Gemeinde am Mittwoch «dringend dazu raten», eine hochzuziehen. Obwohl das niemand will. Zwei Meter hoch und leicht U-förmig soll die Verunzierung werden, gezogen entlang der breiten Fensterfront des Proberaumes im Untergeschoss der Mehrzweckhalle.

Die Investitionen von 15'000 Franken gehen grösstenteils zulasten der Steuerzahler. Die «Baukis» werden nicht belangt. Weder zahlen sie einen Beitrag an die Wand noch für die Benützung des Probelokals. Wasserämter Kulturerbe halt. Immerhin zeigen sich die belästigten Nachbarn grosszügig und stupfen 3000 Franken dazu.

Die Baukebieger Kriegstetten am Schränz-On 2015

Sie sind laut: Die Baukebieger Kriegstetten am Schränz-On 2015

Das wurde vor Gericht so vereinbart, wobei Amtsgerichtspräsident Ueli Kölliker klar zum Schallschutz geraten habe. Ein Versammlungsteilnehmer bezweifelte am Mittwoch, ob dieser wirklich nützt. Leicht gereizt entgegnete Gerber, dass ein Fachmann die Wirkung versichert habe. Dieser Expertenmeinung müsse man vertrauen können.

Kein Frieden ohne Wand

«Die Klage ist auf dem Tisch», mahnte Eduard Gerber. Er warnte vor einem ärgerlichen, kostspieligen und zeitaufwändigen Prozess. Den man überdies wohl verlieren würde, weil die Gugge über die Stränge schlage und das Gesetz ritze. Auch von einer erneuten Bitte an die «Baukis», doch einen anderen Probetag zu suchen, wollte Gerber nichts wissen. Die Gemeindeversammlung habe ihnen den Sonntag zugestanden und solle sich gefälligst an diesen Beschluss halten.

Die «Baukebieger» mit «Kids in America», 2017

Die «Baukebieger» mit «Kids in America», 2017

Befürchtungen, dass der Kellerraum wegen der schattenspendenden Lärmschutzwand noch feuchter wird oder die Warnung vor einem Präjudiz, das weitere Leistungen der Gemeinde nach sich ziehen werde, stiessen auf kein Musikgehör. Selbst von einer besseren Belüftung des muffigen Raumes inklusive Schallisolation will die finanziell gut gebettete Gemeinde nichts wissen. Zu teuer. Der Kredit passierte komfortabel mit 32 gegen 16 Stimmen. Und so wird in Halten schon bald eine Wand hochgezogen. Damit wieder Frieden einkehrt im Wasserämter Dorf.

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