Messen
Nach viel Vorarbeit und persönlichem Einsatz sollen Reben wachsen

In Messen macht sich Wirtesohn Samuel Graber auf, ein zusätzliches Standbein dem Restaurant zum Löwen zu sichern. Auf Landwirtschaftsland der Familie entsteht ein Rebberg mit 23 Aren. Im Frühling 2016 wird angepflanzt.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Madoussou Cherif und ihr Partner Samuel Graber wollen in Messen weitere Reben anpflanzen und einen lokalen Wein produzieren.

Madoussou Cherif und ihr Partner Samuel Graber wollen in Messen weitere Reben anpflanzen und einen lokalen Wein produzieren.

Hans Ulrich Muelchi

Der Hag-Acker, der künftige Rebberg, kam im Laufe der letzten Güterzusammenlegung in den Besitz der Familie Graber und liegt in der Landwirtschaftszone. Samuel Grabers Vorfahren bewiesen bereits eine Leidenschaft für die Rebe oder den Wein. Der Urgrossvater Ernst Schori nutzte als Letzter den Hag-Acker mit einer Apfelplantage und züchtete nebenbei Bienen. Der Urgrossvater hatte schon einen Bezug zur Weinproduktion. «In den Kellern des Restaurants verwandelte er Most aus dem Waadtland in Wein», berichtet Samuel Graber. Seine Grossmutter Elisabeth Graber pflanzte kurzerhand einige Chasselas-Trauben. Und sein Vater Andreas hatte die Idee, am Hang Reben anzupflanzen. «Er reichte früher schon ein Gesuch ein, auf dem Hag-Acker Reben zu pflanzen. Weil aber das Restaurant als Gewerbe- und nicht als Landwirtschaftsbetrieb galt, erhielt er die Bewilligungen nicht.»

Traumhafte Kombination

«Es ist mein grosser Traum, dass wir unser Land wieder nutzen können», sagt Samuel Graber. Nur wie. Das Landstück ist eher klein und war bisher mit Obstbäumen bestückt. Von seinem Vater liess sich Samuel Graber für den Rebbau begeistern. In Kombination mit dem Restaurant schien die Weinproduktion Potenzial zu haben. «Wir kochen sehr regional. Da passt ein eigener Wein bestens.»

Damit der Plan funktioniert und das Projekt eines Rebberges eine Chance haben soll, absolvierte der gelernte Koch eine dreijährige Ausbildung zum Winzer. Das war Vorgabe des Kantons und ein Teil des Puzzles, den Hag-Acker in einen Rebberg zu verwandeln. Als Fachmann mit Landwirtschaftsbetrieb darf er nun Reben auf dem Hag-Acker anpflanzen. «Inzwischen habe ich alle Bewilligungen vom Kanton. Die Weinproduktion wird als landwirtschaftlicher Nebenerwerb anerkannt.» Als landwirtschaftlicher Betrieb gilt das von seinen Eltern vor drei Jahren erworbene Gebäude, ein 1844 erbautes Weinhaus mit einer Weinhandlung, das im Dorf steht. Dieses ist mit vier Gewölbekellern, die miteinander verbunden sind, ausgestattet. «Dort im Weinhaus wollen wir die Trauben verarbeiten und Wein herstellen.»

Gemeinsam mit der Partnerin

Der 29-jährige Samuel Graber hat auch eine Rebbaufläche von rund zehn Aren Quadratmetern in Ligerz gepachtet. Seit einem Jahr bewirtschaftet er diese und bald kann er dort seine ersten Trauben (Pinot Noir) ernten. «Ein älteres Ehepaar, das oft bei uns im Gasthof speiste, wollte die Arbeit altershalber abgeben und hat mich angefragt.» Die Trauben von Ligerz will er in seinem Weinhaus verarbeiten. Mit seiner Partnerin Madoussou Cherif hat er auch im Rebberg eine grosse Unterstützung, die ihm bei der Arbeit hilft. Nächsten Frühling werden die 1600 Rebstöcke gepflanzt. Der grösste Teil ist ebenfalls die Traubensorte Pinot Noir, ein kleinerer Teil soll die Neuzüchtung Gamaret sein. Pro Rebstock rechnet Graber mit einer Flasche Wein Ertrag. «Ich will eher weniger Ertrag machen, dafür von besserer Qualität.»

Weitere Rebflächen in Aussicht

Wer Interesse hat, kann eine Rebstockpatenschaft, die über 5 Jahre läuft, erwerben. Es locken verschiedene Anlässe und die Aussicht, den Rebstock von der Pflanzung bis zum Ertrag mitzuverfolgen. Die Idee kam Samuel Graber, als er seinem 2013 geborenen Göttikind 16 Rebstöcke pflanzte, damit dieser an seinem 16. Geburtstag seine erste Flasche Wein von seinen Trauben erhalten wird. Graber will Patenschaften weiteren Interessierten anbieten.

Ein Verlustgeschäft soll die Winzerei nicht werden. «Im Gegenteil, es ist ein Nebenerwerb für mich und meine Partnerin.» Bereits hat er weiteres Land in Aussicht. Von einem Nachbarn könnte er nochmals 3000 Quadratmeter dazu-pachten. Und auch am Bielersee lockt ebenfalls eine zusätzliche Pacht.