Anderthalb Jahre sind es her seit dem Unfall in der Schlackengrube der Stahl Gerlafingen AG. Am 12. Juli 2014, morgens um vier Uhr, flogen nach einem ohrenbetäubenden Knall in der Stahl Gerlafingen AG glühend heisse Gesteinsbrocken in Richtung Schachen durch die Luft.

Dies wegen des hohen Wasserspiegels der Emme. Wasser drang in die Schlackengrube ein und liess die glühende Schlacke verpuffen. Autos und Häuser wurden beschädigt, Personen blieben glücklicherweise unversehrt.

Nun wurde das Baugesuch der Stahl Gerlafingen AG für die im Sommer angekündigte neue Lösung «Clean Pit» eingereicht. Sie bringe eine wesentliche Verbesserung des ganzen Prozesses. Geplant sind zwei Vorumbauten und, einer Herzoperation gleich, ein Hauptumbau mit Verlegen von rund 300 Rohrleitungen und Kabeln.

Erste Abkühlung in der Halle

Künftig wird die Schlacke nicht mehr mit Kübeln aus dem Stahlwerk transportiert. Die Schlacke läuft direkt im Stahlwerk in zwei Schlackenbeete von 5 mal 4 Metern geleert.

Von dort wird sie in bereits erstarrter Form mit Radlader, Bagger und Gelenklastwagen zur Abkühlung in ein Zwischenlager gebracht. Dazu wird die heutige Schlackengrube in eine Lager- und Abkühlbox umgebaut.

In der 64 Meter langen Kühlbox mit vier 16 Meter langen Bereichen wird jeweils ein Bereich zirka einen Tag lang mit erstarrter Ofen- und Pfannenschlacke gefüllt. Nach 24 Stunden Kühlung an der Luft, wird ein Bereich mit Sprinklern auf Umgebungstemperatur abgekühlt. Der nachfolgende Brech- und Siebvorgang bleibt bestehen.

Vorteile dieser Variante seien in erster Linie die Eliminierung der Verpuffungsgefahr, erzeugt durch Kontakt von flüssiger Schlacke mit Wasserlachen. Es wird nur noch feste Schlacke aus den Stahlwerkhallen geführt.

Der Aufwand und der Lärm zum Brechen der Schlacke in der Brechanlage wird viel kleiner, weil die abgekühlte Schlacke poröser ist und keine grösseren Brocken mehr enthält.

Mit dieser neuen Schlackenwirtschaft werde die Verpuffungsgefahr eliminiert, weil nur noch feste Schlacke aus den Stahlwerkhallen geführt wird, versprechen die Betreiber. Der Bau erfolgt in drei Etappen, wenn im Werk die Maschinen ruhen.

Im Dezember 2016 werden die ersten Vorbereitungsarbeiten durchgeführt. Ein Jahr danach sollen Leitungen und Kabel verlegt werden. Und im Dezember 2018 werden Schlackenbeete und Kühlbox gebaut.

Insgesamt will Stahl Gerlafingen über 4,5 Millionen Franken investieren. Ein stolzer Betrag angesichts der wirtschaftlichen Probleme wegen der Eurowährung.

Herr Daniel Aebli, ist die Verpuffungsgefahr nun gänzlich gebannt? Daniel Aebli: Die Sofortmassnahmen zur Verhinderung von Verpuffungen wurden alle umgesetzt: Einrichten von Grundwassermessstellen durch ein Geologieunternehmen mit einem Ampelwarnsystem für das Grundwasser. Anpassen und Schulen der Arbeitsanweisungen, vermehrte Kontrollen durch die Verantwortlichen. Mit der Umstellung auf das neue Verfahren in der Giesshalle mit dem aufliegenden Projekt wird die Sicherheit nochmals erhöht werden können. Aus unserer Sicht wurde das zurzeit Mögliche getan. Beim Einnebeln für die Staubbindung kommt Wasser zum Einsatz. Ist das nicht gefährlich? Nein. Das Wasser wird nur zu einem bestimmten Zeitpunkt des Prozesses eingesetzt. Erhöht sich nun die Gefahr für die Arbeiter wegen Schlackenspritzer bei den Schlackenbeeten in den Hallen? Die Arbeiten werden von Fahrzeugen aus durch speziell geschultes Personal ausgeführt. Es handelt sich dabei um ein in vielen Stahlwerken übliches Verfahren nach dem Stand der Technik. Selbstverständlich darf sich niemand ungeschützt in diesem Bereich aufhalten. Die Suva und das Arbeitsinspektorat sind bei den Projektarbeiten einbezogen worden. Ebenso wurden externe Gutachten für den Gesamtprozess verlangt. Warum müssen derart viele Leitungen gelegt werden? Es geht dabei vor allem um die Energieversorgung. Diese verläuft in Kabelrohren unter der Schlackengrube durch. Diese Leitungen müssen nach oben verlegt werden, da die Schlackengrube vertieft und verstärkt werden muss und trotzdem die Leitungen jederzeit zugänglich sein müssen. Diese Arbeiten sind sehr aufwendig und lassen keine Fehlertoleranz zu. Der Bau erstreckt sich über drei Jahre. Weshalb können Sie nur jeweils im Dezember bauen? Aufgrund des Marktes haben wir entschieden, keinen Sommerstillstand mehr durchzuführen. Früher nahmen die Auslieferungen im Sommer stark ab. Das ist nicht mehr der Fall. Die Auslieferungen sind auch im Sommer hoch. Wir haben deshalb den Weihnachtsstillstand ausgedehnt, anstelle zwei Stillstände durchzuführen. Sie investieren 4,5 Millionen Franken in die Sicherheit. Schaffen Sie das aus eigenen Kräften? Wir haben das Projekt in unsere Investitionsplanung aufgenommen und werden alles dafür tun, unseren Verpflichtungen nachzukommen. Interview: Urs Byland

Nachgefragt bei Daniel Aebli, Geschäftsleiter der Stahl Gerlafingen AG

Herr Daniel Aebli, ist die Verpuffungsgefahr nun gänzlich gebannt? Daniel Aebli: Die Sofortmassnahmen zur Verhinderung von Verpuffungen wurden alle umgesetzt: Einrichten von Grundwassermessstellen durch ein Geologieunternehmen mit einem Ampelwarnsystem für das Grundwasser. Anpassen und Schulen der Arbeitsanweisungen, vermehrte Kontrollen durch die Verantwortlichen. Mit der Umstellung auf das neue Verfahren in der Giesshalle mit dem aufliegenden Projekt wird die Sicherheit nochmals erhöht werden können. Aus unserer Sicht wurde das zurzeit Mögliche getan. Beim Einnebeln für die Staubbindung kommt Wasser zum Einsatz. Ist das nicht gefährlich? Nein. Das Wasser wird nur zu einem bestimmten Zeitpunkt des Prozesses eingesetzt. Erhöht sich nun die Gefahr für die Arbeiter wegen Schlackenspritzer bei den Schlackenbeeten in den Hallen? Die Arbeiten werden von Fahrzeugen aus durch speziell geschultes Personal ausgeführt. Es handelt sich dabei um ein in vielen Stahlwerken übliches Verfahren nach dem Stand der Technik. Selbstverständlich darf sich niemand ungeschützt in diesem Bereich aufhalten. Die Suva und das Arbeitsinspektorat sind bei den Projektarbeiten einbezogen worden. Ebenso wurden externe Gutachten für den Gesamtprozess verlangt. Warum müssen derart viele Leitungen gelegt werden? Es geht dabei vor allem um die Energieversorgung. Diese verläuft in Kabelrohren unter der Schlackengrube durch. Diese Leitungen müssen nach oben verlegt werden, da die Schlackengrube vertieft und verstärkt werden muss und trotzdem die Leitungen jederzeit zugänglich sein müssen. Diese Arbeiten sind sehr aufwendig und lassen keine Fehlertoleranz zu. Der Bau erstreckt sich über drei Jahre. Weshalb können Sie nur jeweils im Dezember bauen? Aufgrund des Marktes haben wir entschieden, keinen Sommerstillstand mehr durchzuführen. Früher nahmen die Auslieferungen im Sommer stark ab. Das ist nicht mehr der Fall. Die Auslieferungen sind auch im Sommer hoch. Wir haben deshalb den Weihnachtsstillstand ausgedehnt, anstelle zwei Stillstände durchzuführen. Sie investieren 4,5 Millionen Franken in die Sicherheit. Schaffen Sie das aus eigenen Kräften? Wir haben das Projekt in unsere Investitionsplanung aufgenommen und werden alles dafür tun, unseren Verpflichtungen nachzukommen. Interview: Urs Byland