Zukunft
Nach emotionaler Diskussion über Fusion ist klar: Lüterswil-Gächliwil geht auf Brautsuche

Heftige Diskussionen um die Zukunft des Dorfes prägten die Gemeindeversammlung von Lüterswil-Gächliwil.

Gundi Klemm
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Die Zukunft von Lüterswil-Gächliwil ist eng verwoben mit der Spar- und Leihkasse Bucheggberg (rechts).

Die Zukunft von Lüterswil-Gächliwil ist eng verwoben mit der Spar- und Leihkasse Bucheggberg (rechts).

Hanspeter Bärtschi

Diesmal geriet der Voranschlag 2021 an der von 54 Stimmberechtigten (ein Sechstel der Bevölkerung) besuchten Budgetgemeindeversammlung fast zur Nebensache. Denn der Abend war dominiert von der Diskussion um die Motion der FDP. Sie bezweckt die Prüfung der Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform und die Aufnahme von Fusionsverhandlungen mit Nachbargemeinden.

Erstunterzeichner der Motion ist Eduard Lysser. Er legte die Gründe für diese Motion dar. Die Reform der Unternehmenssteuerrevision, die auch im Doppeldorf mit 54,3 Prozent angenommen wurde, führe dazu, dass die Steuern juristischer Personen jährlich um 30 Prozent einbrechen. In Lüterswil betrifft dies mit 20 Prozent des gesamten Steuervolumens hauptsächlich die Spar- und Leihkasse Bucheggberg. Ein Ausgleich sei, so Lysser, kaum möglich. Deshalb befürchte er Steuererhöhungen im Umfang von mehr als 6 Prozent, die vor allem natürliche Personen treffen. Unternehmungen könnten ihren Geschäftssitz schnell verlegen.

Vor allem durch ein befristetes Kaufrecht in Lüterswil könne die Bank tatsächlich die Standortfrage jetzt neu beurteilen wollen. Hier hakte Zweitunterzeichner und früherer Ammann Erwin Mollet ein, der mit Nachdruck bestätigte, dass die Bank bereits einen neuen Standort suche und ihren Verbleib ultimativ davon abhängig mache, dass die Gemeinde bald die Fusion mit einer finanzkräftigen Kommune anstrebe. Gemeinderätin Carmen Pfister und Gemeindepräsidentin Silvia Stöckli, die von Kontakten mit der Bank berichtete, erklärten: «Die Bank hat sich von der Wegzugsabsicht distanziert.»

Temperamentvoll, aber doch sachlich

Die Diskussionsbeiträge aus dem Plenum umfassten ein weites Gebiet. Von «sich nicht von der Bank unter Druck setzen lassen» zu «besseres Marketing für die Gemeinde mit ihrem hohen Wohnwert, um Zuzug zu ermöglichen» bis hin zu Hans Stöckli, den die zahlreichen Vorwürfe an den Gemeinderat im Vorwort zur Motion störten.

Angeblich scheitere der Rat an der Komplexität der Aufgaben, schiebe Reformen auf die lange Bank und lasse ein Auseinanderdriften von Behörden und Bevölkerung zu. «Mich stören diese Anschuldigungen, denn alle Verantwortlichen geben ihr Bestes», sagte Stöckli, der die Suche nach einem Fusionspartner jedoch unterstützt.

Auch der Drittunterzeichner Hanspeter Liechti bekräftigte, dass wohl niemand den Gemeinderat «abschiessen» wolle. Immer wieder – so ein weiteres Votum – sei die Gemeinde auf der Suche nach Mitarbeitenden im Nebenamt, ... «das wir nach bestem Wissen für ein Butterbrot erfüllen», ergänzte Gemeinderat Cyrill Schildknecht emotional mit der Bitte um Würdigung der im Rat geleisteten Arbeit.

Es sei einfach der Zeitmangel, hiess es im Saal, der ein engagiertes Mitschaffen verhindere. In seinem Schlusswort forderte Motionär Lysser dazu auf, im Dorf künftig vieles professioneller im Sinne der Zukunft der Gemeinde zu gestalten.

Fusion oder eine Fusion light?

Bei 4 Gegenstimmen und 2 Enthaltungen erklärte die Versammlung die Motion grossmehrheitlich als erheblich. Damit wird der Gemeinderat baldmöglichst auf die Suche nach einem Partner gehen, «der bereit ist, mit uns zu fusionieren». Carmen Pfister könnte sich aber auch eine «Fusion light» vorstellen, in der gewisse Aufgaben ausgelagert oder regional gelöst werden könnten. Gemeinsam wurde überlegt, ob nicht ein Ausschuss berufen werden solle, um die Prüfung von Möglichkeiten zu unterstützen und die öffentliche Berichterstattung sicher zu stellen.

Die Gemeindepräsidentin gab zu bedenken, dass vor einem solchen Fusionsschritt eigentlich die gesamte Dorfbevölkerung befragt werden solle. Das Ziel aller gemeinsamen Bemühungen bestehe nun darin, eine Vorlage für eine künftige – sicher nicht die nächste – Gemeindeversammlung auszuarbeiten.

Minus im Budget 2021

Kurt Burkhalter präsentierte sein letztes Budget. Er wurde herzlichst verabschiedet. Die Erfolgsrechnung 2021 schliesst bei einem Aufwand von 1,94 Mio. Franken mit einem Aufwandüberschuss von 170610 Franken, der vom Eigenkapital in Höhe von rund 1 Mio. Franken getragen wird. Keine Änderungen gibt es bei den Gebühren und auch nicht bei der Steueranlage mit 120 Prozent für natürliche und 115 Prozent für juristische Personen. Keine neuen Kosten sieht die Investitionsrechnung vor, weil Verpflichtungskredite aus Vorjahren bestehen. (gku)