Wasseramt/Koppigen
Nach Bank-Skandal: «Wollen als Bank Untere Emme das Vertrauen wieder aufbauen»

Die Generalversammlung der Raiffeisenbank Untere Emme liess sich über die Vorgänge bei Raiffeisen Schweiz informieren und lehnte die Verzinsung der Anteilscheine von 4 auf 6 Prozent ab.

Gundi Klemm
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KEYSTONE/GAETAN BALLY

Einen klugen Informations-Schachzug zugunsten von Transparenz unternahm Felix Schibli (Biberist), der später überzeugend wiedergewählte Verwaltungsratspräsident der Raiffeisenbank Untere Emme. In seiner Stellungnahme zur Versammlungseröffnung in Koppigen ging er kurz auf die schweizweit bekannten Ereignisse am Hauptsitz in St. Gallen und rund um die Strafverfolgung gegen Pierin Vinzenz ein.

Auch Raiffeisen Schweiz habe sich dem gegen Vinzenz erhobenen Strafantrag «ungetreue Geschäftsbesorgung» angeschlossen und strebe mit der Wahl von Pascal Gantenbein in den Vorstand eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge an, die allesamt in der Vergangenheit angesiedelt seien. «Wir bedauern diese Vorkommnisse sehr, wollen aber als Bank Untere Emme das Vertrauen mit unserer guten Arbeit wieder aufbauen», bekräftigte Schibli. Denn das Kerngeschäft in den fünf Banksitzen Recherswil, Biberist, Gerlafingen, Utzenstorf und Koppigen sei vom Geschehen am Hauptsitz nicht betroffen.

«So gut wie möglich»

Leider gebe es aber keine Rosen ohne Dornen. «Bei uns hier hat sich die Raiffeisen-Idee weiterentwickelt», ging er auf strategische Fragen der Raiffeisenbank Untere Emme ein, die vor einem Jahr aus der Fusion der beiden Genossenschaftsbanken Biberist und Recherswil-Gerlafingen-Koppigen entstanden war. Man werde den Fokus stärker auf Vermögensverwaltung und Finanzdienstleistungen für Gewerbetreibende legen und wolle führend in der Eigenheimfinanzierung bleiben. «Wir wollen nicht so gross, sondern so gut wie möglich sein», unterstrich Felix Schibli die Nähe zur Kundschaft im Gebiet von zwei Kantonen.

«Gut aufgestellt»

Marcel Zollinger stellte als Vorsitzender der Bankleitung den 1124 Versammlungsbeteiligten die Geschäftszahlen der Genossenschaftsbank vor, die ihre Erträge mehrheitlich im Zinswesen erwirtschaftet. Wegen der anhaltenden Tiefzinspolitik sank der Jahresgewinn 2017 um 5.7 Prozent auf insgesamt 1,3 Mio. Franken. Demgegenüber steht ein Wachstum im Hypothekargeschäft auf fast 700 Mio., dies bei kleinen Wertberichtigungen in der Höhe von 227 000 Franken. Auch die Kundengelder nahmen um 1.9 Prozent auf 718,2 Mio. Franken zu. Der Geschäftsaufwand liegt nach der Fusion bei 6,67 Mio. statt 6,89 Mio. Franken im Vorjahr. Die Bilanzsumme umfasst 829,4 Mio. und das Eigenkapital beträgt 28,5 Mio. Franken. «Wir sind gut aufgestellt», lautete Zollingers Urteil.

Verzinsung Anteilscheine

Edmund Heri (Biberist), eines der fast 11 000 Genossenschaftsmitglieder im Geschäftskreis Untere Emme, stellte und begründete den Antrag, die bisherige Verzinsung der Anteilscheine von jetzt 4 auf 6 Prozent – wie vor der Fusion bei Raiffeisen Biberist – zu erhöhen. Mit ausführlichem Argumentarium vor allem bezüglich der wichtigen Eigenkapitalquote bei 800 Mio. Fremdkapital (Felix Schibli), der Genossenschaft als «Selbsthilfeorganisation» (Urs Zeltner) und der Erhaltung der Bankdienstleistungen vor Ort ( Biberister Gemeindepräsident Stefan Hug) entschied sich das Plenum mit 554 zu 482 Stimmen für die Beibehaltung von 4 Prozent Verzinsung für Anteilscheine im Gesamtbetrag von 423 387 Franken. 883 724 Franken als Gewinnanteil stärken das Eigenkapital.

Bestätigt im Verwaltungsrat wurden durch einstimmige Wahl Thomas Wullimann, Isabel Oesch, Stefanie Humm, Beat Kiener und Stefan Juchli. Für langjährige Mitarbeit von 10 und mehr Jahren wurde unter sieben Geehrten Renate Schläfli für ihr 30-jähriges Engagement gewürdigt.