Strafverfahren

Nach 400 Anzeigen: Betreiber von Biber Travel werden zu milder Geldstrafe verurteilt

Das Pleite-Reisebüro in Biberist ist im Konkurs.

Das Pleite-Reisebüro in Biberist ist im Konkurs.

Die beiden Betreiber des Biberister Reisebüros Biber Travel werden zu einer milden Geldstrafe verurteilt. Die Schweizer hatten 2012 rund 400 Ferienreisende geprellt. Die Kunden erhielten trotz Bezahlung keine Reisedokumente.

Die Höhe der Geldstrafe werde nicht bekannt gegeben, erklärt Cony Zubler, Medienbeauftragte der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn. Nur so viel: Für den «Strohmann» beträgt die Strafe 40 Tagessätze und für den faktischen Geschäftsführer 130 Tage. 

Letztere sei höher, weil sich diese Person wegen zwei weiteren Delikten zu verantworten habe, die aber in keinem Zusammenhang zu den deliktischen Tätigkeiten im Reisebüro stünden, so Zubler weiter. 

Laut «TeleM1» beträgt die Busse für den Geschäftsführer 2600 Franken.

Beide Männer wurden wegen Unterlassung der Buchführung verurteilt. Die Strafbefehle sind noch nicht rechtskräftig. Das Verfahren wegen Misswirtschaft und Betrugs wird eingestellt, wie die Solothurner Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Dieser Tatverdacht habe sich nicht erhärtet.

Auf die Frage, warum der Vorwurf des Betrugs nicht weiter verfolgt worden sei, sagt Zubler: «Die Hürden dafür sind hoch. Wir haben den Vorwurf geprüft und sind aber zum Schluss gekommen, dass die Biber-Verantwortlichen nicht in betrügerischer Absicht gehandelt haben.»

Geprellte Kunden

Im September 2012 hatten erste Kunden Anzeige gegen das Reisebüro in Biberist erstattet. Sie machten geltend, Reisen bezahlt zu haben, welche vom Reisebüro anschliessend nie durchgeführt worden seien.

Bei der Kantonspolizei gingen knapp 400 Meldungen von potentiell Geschädigten aus der ganzen Schweiz ein. Auch eine Reiseschutzversicherung erstattete Anzeige. Am 11. Dezember 2012 wurde über das Reisebüro der Konkurs eröffnet. 

Den Forderungen von weit über 400 000 Franken standen Aktiven von 25 000 Franken gegenüber. Das reichte gerade aus, die Lohnausstände ehemaliger Angestellter zu decken.

Die Verantwortlichen des Reisebüros Biber waren Marcel Waldvogel, offizieller Besitzer und Geschäftsführer sowie Peter Weisskopf, der nach eigenen Aussagen als «starke Mann» das Reisebüro führte. Beide haben damals die Schuld am Zusammenbruch des Büros an die Mitarbeitenden und an die Reiseschutzversicherung TPA, welche die Kundengeldabsicherung kündigte, abgeschoben.

Die Staatsanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren gegen den 47-jährigen Geschäftsführer. Erste Ermittlungen zeigten gemäss Staatsanwaltschaft, dass es sich bei ihm lediglich um einen Strohmann handelte.

Keine Geschäftsbücher geführt

Faktischer Geschäftsführer war der 67-jährige Schweizer. Daher wurde auch gegen diesen Mann ein Verfahren eröffnet. Kurz nach Eingang der ersten Anzeigen führten die Strafverfolgungsbehörden mehrere Hausdurchsuchungen und Einvernahmen durch.

Sie sichteten im Laufe des Verfahrens zahlreiche Steuer-, Bank- und Konkursunterlagen. Die beiden Männer hätten während knapp eines Jahres bis zur Konkurseröffnung weder Geschäftsbücher noch eine Bilanz erstellt, hält die Staatsanwaltschaft fest. (fs/sda)

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