Trüber Tag, aber strahlende Gesichter. Nass vom Himmel, Wasser und Kies überall. Sogar auf den Tischen im Festzelt liegt Kies. Als Dekoration in Eierschachteln gefüllt. Im Grau drin stecken bunte, gebastelte Papierblumen von Flumenthaler Schulkindern.

«Es ist ein Freudentag für uns», sagte Martin Gutknecht von der Vigier Beton Mittelland AG an der Eröffnungsfeier der neuen Werkstrasse und des «Naturnahen Aareufers Flumenthal». Erich Wälti, ebenfalls von der Vigier Beton AG, freute sich vor den mehr als 200 Anwesenden: «Wir sind stolz auf das Vorzeigeprojekt.»

Nach 14 Jahren Vorgeschichte, davon 3 Jahre Bauzeit, steht die Strasse für den Abtransport aus der Kiesgrube unter Umfahrung des Siedlungsgebiets. Nach Widerständen und Skepsis. Mit Koppelung des Strassenbaus an eine Renaturierung des Aareufers wurde sie möglich.

Das Motto der Eröffnungsfeier am Samstag lautete: «Naturnahes Aareufer Flumenthal – Wirtschaft und Umwelt gehen Hand in Hand». Der Flumenthaler Gemeindepräsident Christoph Heiniger sprach von einem «aussergewöhnlichen Tag», einem «schon fast historischen Anlass». Das Projekt habe Optimierungen erfahren, auch durch die Mitwirkung der Bevölkerung.

«Es war lange Thema Nummer 1 im Dorf.» Man habe die Mitwirkenden als «Fantasten» bezeichnet. Zwischen der Dorfbevölkerung und der Vigier AG bestehe nun gegenseitiges Vertrauen. «Vor uns liegt eine durchweg erfreuliche Sache.»

Landammann Roland Fürst lobte die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure. Die «Quadratur des Kreises» sei gelungen, wofür es aber «mehr als bloss Zirkel und Lineal» benötigte. «Es geht nicht, dass einer allein befiehlt», so Fürst. «Hand in Hand» heisse auch, dass private und öffentliche Interessen zusammenkommen.

«Mit bloss einer Hand kann man keine Schuhe binden. Doch: Wer sich die Hände reicht, kann Brücken bauen.» Er strich hervor, dass der Kanton Solothurn gesicherte Rohstoffe wie den Kies brauche.

Es ist jetzt eine gute Ehe

Gutknecht stellte fest: «Ohne Demokratie läuft in der Schweiz nichts.» Er pries den gegenseitigen Respekt. Verglich das Verhältnis zur Gemeinde mit einer Ehe, wo auch mal «die Fetzen geflogen» sind. Es sei nun aber eine gute Ehe.

«Wir sind uns bewusst, dass unser Gewerbe oft Eingriff in die Natur bedeutet, deswegen braucht es von uns besondere Sensibilität.» Sie hätten mehr Mittel in die Hand genommen als sonst üblich für eine Kieswerk-Erschliessung. Er gab den Anwesenden die Möglichkeit, einen Namen für die Strasse vorzuschlagen.

Heiner Keller von der ANL, AG Natur und Landschaft in Aarau, der das Projekt von Anfang an begleitete, gab auf humorvolle Art Einblick in die Entstehungsgeschichte. Marco Vescovi, Präsident des Kantonalen Fischereiverbandes, würdigte: «Wir Umweltverbände wurden von Anfang an einbezogen.» Heute gälten viel strengere Vorschriften als früher.

Er erklärte die Naturgestaltung. Einer der beiden Teiche sei mehr für Amphibien. Der andere, der durch ein unterirdisches Rohr mit der Aare verbunden ist, sei das «Hinterwasser» der Aare, für Fische. Da kaltes Grundwasser diese Gewässer dominiere, profitierten Fische wie Forellen oder Äschen davon. «Es braucht aber noch zwei bis drei Jahre Geduld, bis es richtig überwachsen ist.»

Er erklärte, dass eine Voraussetzung für kieslaichende Fische geschaffen wurde. Da sei es wichtig, dass der Kies sich bewege, dass ein «Geschiebe» entstehe. Die Kiesbank aareseits des Projekts würde innert sieben Jahren von der Strömung mitgerissen worden sein. Früher habe es ohne Kraftwerke in der Aare eine stärkere Strömung gegeben, Geschiebe sei nicht an Mauern gestaut worden.

«Ein Gewinn an Lebensqualität»

Im Regen draussen wurde ein Band durchschnitten und so die Strasse eingeweiht. Ehrendamen befuhren in blumenbestückten Rädern die frisch asphaltierte Strasse. An Ständen konnte man sich eingehender informieren. Bei Kaffee oder Bratwurst wurde viel diskutiert. Jacqueline Fuchs, die nahe der neuen Strasse wohnt, findet das Projekt «super». «Ich höre die Lastwagen gar nicht.

Und sehe sie praktisch nicht, denn sie mussten die Strasse ja absenken.» Sabine Heiniger, Gattin des Flumenthaler Gemeindepräsidenten und «Ureinwohnerin Flumenthals», findet: «Es ist ein Gewinn an Lebensqualität». Sie sähen, dass nun schon mehr Leute die Plätzchen aufsuchten und in der Aare badeten.

Nicole Hirt, GLP-Politikerin und Präsidentin von Pro Natura Solothurn, ist zufrieden, natürlich sehe es «jetzt noch etwas trist aus», da auf dem Kies erst wenige Pflanzen seien. Auf dem parallelen Spazier- und Radweg kann man nun miterleben, wie sich eine interessante, schöne Auenlandschaft bildet.