Oberdorf

Nach 110 Jahren: Der Samariterverein Oberdorf löst sich auf

Nelly Jeker, Marianne Odermatt und Marlise Rothenbühler (v. l.) vom Vereinsvorstand.

Nelly Jeker, Marianne Odermatt und Marlise Rothenbühler (v. l.) vom Vereinsvorstand.

Nach 110 Jahren Wirken für die Allgemeinheit wurde das Ende des Vereins beschlossen und das Vereinsvermögen verteilt.

Anstelle eines Gönnerbriefes konnte nach 110 Jahren Existenz des Samaritervereins Oberdorf nur noch ein Dankesschreiben versendet werden. Der Verein wurde aufgelöst. Zu Spitzenzeiten in der jüngeren Vereinsgeschichte während der Achtzigerjahre hatte der Verein zwischen dreissig und vierzig aktive Mitglieder, weiss die Präsidentin, Marianne Odermatt, zu berichten.

Noch weiter zurück sah die Nachfrage beim Samariterverein Oberdorf ganz anders aus. Aus einem historischen Protokollheft aus der Zwischenkriegszeit geht beispielsweise hervor, dass allein an einer ordentlichen Mitgliederversammlung vom 24. April 1927 fünfzehn Neumitglieder aufgenommen wurden. An derselben Versammlung wurde beschlossen, 20 Samariterabzeichen für Neumitglieder zu bestellen.
Doch zurück in die Gegenwart: am vergangenen 8. November musste anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung mit noch acht aktiven Mitgliedern die Auflösung beschlossen werden. Von den acht Mitgliedern gehören fünf dem Vorstand an.

Gestiegene Anforderungen und fehlender Nachwuchs

Die Anforderungen an die Samariterinnen und Samariter für den Postendienst seien gestiegen, so Odermatt. Hauptgrund für die Auflösung sei aber der fehlende Nachwuchs. «Der Samariterverein hat nicht mehr denselben Stellenwert wie früher», fügt Odermatt an.

Noch bis in die Achtzigerjahre waren die Samaritervereine in den Dörfern sehr präsent und sorgten für unverzichtbare Dienstleistungen bei Anlässen und Feiern, so auch in Oberdorf. Marlise Rothenbühler erzählt, dass unter anderem an der Schule die Kinder mit erster Hilfe an verschiedenen Posten etwas vertraut gemacht worden seien. «Wir waren mit dem Samariterverein auch immer an den Schulolympiaden präsent», so Rothenbühler weiter. Sie ist seit 2003 Ehrenmitglied.

Als vereinsältestes Aktivmitglied verweist Nelly Jeker darauf, dass gewisse Angebote, die früher nur über den Samariterverein liefen, heute auch bei anderen Anbietern abrufbar seien. Beispielsweise der Nothilfekurs für die Autoprüfung, so Jeker weiter. Nelly Jeker wurde im Verein 1953 aktiv, ist seit 1954 Mitglied und seit 1979 Ehrenmitglied.

Noch in diesem Jahr war der Samariterverein Oberdorf mit Unterstützung von umliegenden Samaritervereinen für den Weissensteinlauf zuständig. Nach 28 Jahren fällt diese Dienstleistung mit Samariterposten vonseiten Oberdorfs im nächsten Jahr erstmals weg. Der Samariterverein Rüttenen übernimmt die Organisation der Postendienste.

Vermögen geht an soziale Einrichtungen

Auch an der über die Region hinaus bekannten «Oberdörfer Chilbi» war der Samariterverein Oberdorf jeweils mit einem Samariterposten integriert, bei dem auch gleichzeitig eine Kaffeestube betrieben wurde. Oberdorf verliert zudem durch die Auflösung zusätzlich noch das Krankenmobilienmagazin.
Der Vereinsvorstand hat beschlossen, mit der Liquidation des Samaritervereins das vorhandene Vereinsvermögen an insgesamt zwölf soziale Einrichtungen zu spenden.

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