Biberist
Nach 100 Jahren beschreitet der Verein für Pilzkunde neue Pfade

Der Biberister Verein für Pilzkunde besteht seit 100 Jahren und erfreut alle zwei Jahre mit seiner Ausstellung und den passenden Gerichten.

Agnes Portmann-Leupi
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Die Pilzausstellung zeigt die Pilze jeweils so, wie sie auch echt im Wald anzutreffen sind.

Die Pilzausstellung zeigt die Pilze jeweils so, wie sie auch echt im Wald anzutreffen sind.

apb

Im Verein für Pilzkunde ist es mit dem Nachwuchs nicht rosig bestellt. Das Interesse an den Pilzen hat Dominik Tanner vor drei Jahren in den Verein geführt. Seit zwei Jahren hat er das Präsidium inne. «Wir suchen nach einer neuen Organisationsform», informiert er. Der Verein zähle zwar knapp 50 Mitglieder, aber das Vereinsleben finde mit ungefähr einem Dutzend Aktiver statt. Die Pilzausstellung etwa wäre ohne externe Hilfe nicht mehr durchführbar. Deswegen werde im Januar eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen. «Unser zentrales Anliegen ist es, das Wissen über die Pilze weiterzugeben», sagt der Präsident. Neue Mitglieder seien hauptsächlich im Bekanntenkreis und an Pilzkontrollen auszumachen.

Als eine frühzeitige Mitgliederwerbung bei Buben und Mädchen könnte sich Kurt Rohners spezielles Angebot an Schulen erweisen. Ausgerüstet mit Anschauungsmaterial und Skizzen zum Ausmalen besucht er die Schulklassen. Den Anschauungsunterricht mit den Schülern direkt im Wald – immer begleitet von seiner Ehefrau Lydia – beschreibt der ehemalige Präsident als besonders spannend. «Die Kinder lernen so, genau hinzusehen, was sehr wichtig ist.» Kürzlich habe jeder Schüler einen einzigen Pilz fotografiert und später beschrieben. Äusserst interessant seien die Ergebnisse gewesen, blickt Kurt Rohner begeistert zurück.

Verhinderung von Vergiftungen

18 Interessierte gründeten am 19. Mai 1917 im Restaurant Eintracht, der heutigen «Post», den Biberister Verein für Pilzkunde. Nach Basel, Bern, Burgdorf und Solothurn war Biberist der fünfte Verein schweizweit. Seine Ziele sind Schutz der Pilzflora, Förderung der Pilzkunde und Unterstützung der wissenschaftlichen Pilzforschung, aber auch Verhinderung von Vergiftungen sowie das Verwerten der Pilze. Dabei sollen auch Freundschaft und Geselligkeit nicht zu kurz kommen. Noch im Gründungsjahr fand im ehemaligen Hotel Bahnhof die erste Ausstellung mit 141 Pilzarten statt. Als viel Geld galt damals der Reingewinn von 76.15 Franken. Zwei Jahre später wurde der schweizerische Dachverband für Pilzkunde gegründet, wobei Biberist massgeblich an der Gründung beteiligt war.

Pilze auf Zahnstochern

Noch heute lädt der Verein für Pilzkunde alle zwei Jahre zur Ausstellung ein. Eine Unmenge Pilze präsentieren sich jeweils in Grüppchen auf einem Moosbeet und auf Zahnstochern aufgesteckt. Speisepilze, tödlich giftige Pilze oder total geschützte Arten mit glänzenden, klebrigen, glatten, glanzlosen, schuppigen Oberflächen. Neben dem Staunen ob der Vielfalt der Pilze dürfen sich die Besucher jeweils auch über die herrlichen Gerichte freuen: Pilzsuppe mit Nuss, Pilzpastetchen, Eierschwamm-Gulasch. Ehrensache ist es für die Mitglieder, im Herbst einen Teil der Pilze dafür zu sammeln.

Von Ende August bis November ist Hochsaison im Verein. Jeden Dienstag finden im Egelmoos-Pintli Bestimmungsabende statt. Dann heisst es für die Vereinsmitglieder – ausgerüstet mit hellen Lampen, Sackmessern, Leuchtlupen, Mikroskopen und Sachbüchern – riechen, tasten, degustieren, ohne schlucken, versteht sich. Allein im Jahr 2015 wurden von den mitgebrachten Exemplaren 127 Pilzarten bestimmt.

«Squamanita schreieri»

Das 1917 protokollierte, Namensverzeichnis und der Speisewert der Pilze entsprachen teilweise nicht den heutigen Angaben. So ist zu lesen, dass Perl- und Pantherpilze nach Abziehen der Haut vortreffliche Speisepilze seien. Seit geraumer Zeit weiss man, dass der Perl roh giftig ist und dem Panther mintunter die stärksten Vergiftungen nachgewiesen werden.

Zu Ehren des ersten Präsidenten Leo Schreier – ganze 22 Jahre war er in seinem Amt – wurde im Jahr 1935 sogar ein Pilz benannt. Ein gefundenes Exemplar liess sich damals nirgends einordnen. Diverse Mykologen wurden konsultiert. Schliesslich erhielt der Pilz als Gelber Schuppenwulstling den Namen «Squamanita schreieri».

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