Die Geschichtsschreibung beginnt bei allen Musikvereinen gleich. Es trafen sich so und so viele Männer zum Musizieren. Die Zahlen unterschieden sich und an musizierende Frauen dachte man im 19. Jahrhundert noch kaum. Natürlich unterschieden sich auch die Jahre. Bei der Musikgesellschaft war es das Jahr 1865. Der Verein feiert also sein 150-Jahr-Jubiläum. Er ist damit einer der ältesten Musikvereine in der Region. Und es gibt ihn noch. Und spielen kann er knapp auch noch. Mithin ein Verdienst der vier mitspielenden Schüler, auf die der Vorstand zählen darf.

Am Jubiläumskonzert 1990 spielte die Musikgesellschaft mit 17 Musizierenden. So viele hat sie derzeit nicht. Aber seither hat sie trotzdem jeden Musiktag besucht. Sie war sogar zwei Mal an der Marschmusikparade des Solothurner Blasmusikverbandes wenn auch nicht allein. Einmal marschierte sie mit der Musikgesellschaft Lohn-Ammannsegg und einmal mit der Musikgesellschaft Derendingen. 1992 legte sie sich die fünfte Uniform zu. In den 25 Jahren seither hat sie den dritten Dirigenten.

2001 liess sie nach dem bisherigen Design eine neue, gestickte Fahne anfertigen. Ihre Devise ist nach wie vor «Musik im Dorf fürs Dorf». Aber diesmal mit einem so kleinen Bestand ein Jubiläumskonzert selber zu bestreiten, traut sich der Verein nicht zu. Nur ganz ohne Musik geht ja wohl an einem Musikjubiläum nichts. Zudem ist dasjenige der Musikgesellschaft nicht das einzige zu feiernde Jubiläum. Seit genau 400 Jahren steht nämlich – nicht nur sprichwörtlich – in Oberdorf auch die Kirche mitten im Dorf.

Gast aus Wimmis

Es gibt also mehr als einen Grund zu einem Festakt, und danach eine auswärtige Musik zu engagieren. Da mussten die Oberdörfer gar nicht so lange suchen. Zu ihrem Jubiläum schenkt die Musikgesellschaft der Bevölkerung ein Galakonzert der Burgfluh-Musikanten aus Wimmis. Diese stehen wie die Oberdörfer unter der Leitung von Walter von Kaenel.

Die Burgfluh-Musikanten wählten diesen Namen 1976 anstelle von Jägermusik. Gewachsen ist sie aus einer Kleinformation mit elf Musikanten der Musikgesellschaft Wimmis, die ab 1954 gelegentlich als Blaskapelle spielten. Für einen Anlass von Jägern wurde die inzwischen auf 13 Mitglieder angewachsene Formation engagiert. Deshalb nannte sie sich ab 1959 Jägermusik.

Die Blaskapelle fühlt sich dem böhmisch-mährischen Stil verpflichtet. Deshalb hat sie 1987 ihre Instrumentierung auf diesen Stil ausgerichtet. Die erste von inzwischen fünf Frauen ist 1996 dazugestossen. Alle ihre Mitglieder sind auch Mitglieder einer Musikgesellschaft. Für die Eröffnung des Festaktes und die Jubiläumsfeier hätte man gerne den befreundeten Nachbarn, die Musikgesellschaft Lommiswil, dabei gehabt, die an diesem Tag aber auswärts
konzertiert.