Zuchwil

«Musikcampus» hat das verflixte dritte Jahr gemeistert

Ein Ensemble mit jungen Schülerinnen und Schülern beim Proben.

Ein Ensemble mit jungen Schülerinnen und Schülern beim Proben.

Der «Musikcampus» in Zuchwil hilft den Schulkindern, in einer schwierigen Phase am Instrument zu bleiben.

«Wir haben festgestellt, dass etliche Kinder im ‹verflixten› dritten Jahr die Lust am Instrumentalunterricht verlieren», berichtet Musikschulleiter Heinz Schoenenberger. Im Rahmen einer Umfrage unter Eltern und Lehrkräften stellte sich heraus, dass an diesen Abgängen nicht nur andere Interessen, sondern häufig die Belastungen durch einen sehr vollen Stundenplan mit schuld sind. Rückmeldungen zeigten ausserdem, dass ein neuer Anreiz geschaffen werden müsste, um den Wunsch dieser Altersstufe – gemeinsam etwas zu machen – zu unterstützen.

Nicht durch mehr Unterricht, sondern durch Ensemblespiel in der zweiten, innerhalb der Klasse vorgesehenen Sing- und Musikstunde. Rund 75 Jugendliche der 4., 5. und 6. Klassen haben sich für die Ensemble-Lektion im Campus-Angebot entschieden. Die restlichen Jugendlichen der Klassengemeinschaft nehmen weiterhin an der durch die Klassenlehrkraft gestalteten Musikstunde teil. 

Geradezu herzerfrischend verlief der Probenbesuch im 16-köpfigen Instrumental-Team der Klassen 4 a und b unter der Leitung von Musikpädagogin Liora Heppner im Pisoni-Schulhaus. Intensiv geübt wurde mit Streichern, Gitarren, Klavier und Schlagzeug am Eröffnungsstück für das bevorstehende Konzert. Beim nächsten Ensemble-Treffen kommen dann noch die Bläser hinzu. Trotz aller Ernsthaftigkeit kam der Spass in dieser Stunde auch nicht zu kurz. «Das Instrumentalspiel tut unseren Kindern kognitiv und erst recht emotional gut», urteilt die in Zuchwil seit acht Jahren tätige Lehrerin für Violine und Bratsche.

Ganzheitliche Erziehung

Vielfache Studien zeigen, dass Jugendliche durch ihre vermehrte Beschäftigung mit Musik ein deutliches Plus in ihrem intellektuellen Werdegang und in ihrer Konzentrationsfähigkeit sowie ein höheres Mass an Sozialkompetenz – besonders in der Ensemblearbeit – entwickeln. Denn schliesslich gilt es, Rücksicht zu nehmen auf das unterschiedliche Leistungsvermögen der Alterskollegen.

Nach dieser zweijährigen Campus-Versuchsphase ist in Zuchwil immer öfter zu hören, dass dieses Projekt weitergeführt werden sollte und auch die oberen Klassen umfassen müsste. Schoenenberger hat gemeinsam mit Instrumentallehrer und Orchesterdirigent Michael Vescovi, der als künstlerischer Leiter dieses Projektes fungiert, bereits ein Ressourcen-orientiertes Konzept bis in die 9. Klasse zusammengestellt. Der Gemeinderat Zuchwil wird sich mit der Frage der Weiterführung an einer kommenden Sitzung beschäftigen.

Viel Goodwill in der Gemeinde

Am nächsten Mittwoch um 19 Uhr spielen nun in der katholischen Kirche Schülerinnen und Schüler der 4. bis 6. Klassen Primarschule, die im zweijährig durchgeführten Provisorium «Musikcampus» mitwirken. Im letzten Jahr bereits traten im Konzert «Pausenplatz» 200 Kinder und 80 jugendliche Instrumentalisten auf und zeigten, was mit dem «Musikcampus» zu erreichen ist. Träger dafür sind die Lehrkräfte von Musik- und Primarschule.

Der Musikschulleiter, der den Campus gemeinsam mit Schuldirektor Stephan Hug initiierte, hebt den in Zuchwil «vorbildlichen Willen der Behörden» hervor. Denn schon vor Jahren verabredete der Gemeinderat als Legislaturziel, dass mindestens 50 Prozent der örtlichen Schuljugend ein Instrument erlernen sollen. «Dieses Ziel ist erreicht», würdigt Heinz Schoenenberger den guten musikalischen Nährboden der Gemeinde. Denn Zuchwil wendet erhebliche Finanzen dafür auf, dass der Instrumental- und Gesangsunterricht der gegenwärtig 282 Musikschulschülerinnen und -schüler mit einer Jahresgebühr von 480 Franken für Familien tragbar bleibt.

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