Turm in Halten

Museum entführt in Zeit der Hexen und Häftlimacher

Stiftungsratspräsident Beat Gattlen (l.) und Kurator Kurt Wüthrich vor dem Turm von Halten, dem markantesten Gebäude des Museumsensembles, zu dem auch historische Speicher aus dem Wasseramt gehören.

Stiftungsratspräsident Beat Gattlen (l.) und Kurator Kurt Wüthrich vor dem Turm von Halten, dem markantesten Gebäude des Museumsensembles, zu dem auch historische Speicher aus dem Wasseramt gehören.

Wohnung, Gefängnis, Handwerke der Vergangenheit – das alles findet man im Turm in Halten.

Das Heimatmuseum im Turm in Halten lässt wahrlich ganz andere Zeiten aufleben. Bereits das Strafregister, das an der Wand des Gefängnisses im Turm hängt, macht bewusst, dass man sich im Museum in einer ganz anderen Zeitepoche befindet: Vergehen wie Hexerei, Unzucht und Kirchenraub werden bestraft, den Verbrechern drohen Enthauptung, Verbrennung, Folter. Beat Gattlen, Stiftungsratpräsident des Museums, erzählt, dass das Turmgefängnis ihn immer am meisten beeindruckt. 

Kurator Kurt Wüthrich ist jedoch nicht ganz einverstanden und will das Museum nicht auf das Gefängnis reduzieren: «Die ganze Anlage an sich, das Ensemble aus Turm, Wiese und antiken Speichern gehört zusammen und macht es aus.» Man merkt dem stillen Mann an, dass ihm das Museum und die Geschichte dahinter sehr wichtig sind, obwohl er erst seit wenigen Jahren als Kurator fungiert. Er kennt jedes Detail aus der Geschichte des Turmes und ergänzt die Ausführung von Gattlen mit den nötigen historischen Details.

Arbeiten und Wohnen vor dreihundert Jahren

In den Speichern, sie stammen alle aus Wasserämter Gemeinden, die rund um den Turm platziert sind, sind Objekte aus dem Alltag von früher thematisch ausgestellt. Man findet Geräte zur Getreideverarbeitung, zum Wäschewaschen und aus verschiedenen Handwerken aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Der Speicher, der Gattlen am besten gefällt, ist jener des «Häftlimachers». Letzterer flickte zerbrochenes Geschirr mit kleinen Haken, quasi dem Vorläufer des Bostitchs. Heute würde niemand auch nur auf die Idee kommen, kaputte Teller reparieren zu lassen, früher war es ein eigenes Handwerk, staunt Gattlen.

Das Heimatmuseum gibt es seit 1962, der Turm selber ist schon viel älter: 1327 wurde er erbaut. Bis in die 1960er-Jahre war der Turm sogar noch bewohnt. In der Wohnung, mit Sichtluke ins Gefängnis, sind alte Einrichtungsobjekte ausgestellt. Geschirr, ein Kachelofen und ein Strohbett zeigen, wie früher gehaust wurde. «Leider ist in der Wohnung noch nicht alles ganz historisch korrekt eingerichtet», bedauert Wüthrich. Nach der geplanten Sanierung des Turmes in einigen Jahren werde dies aber geändert.

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