Wenn sich die Swisscom rühmt, Testsieger beim «Netztest Schweiz 2016» zu sein, hat das auch mit einer Zuchwiler Hightech-Schmiede zu tun. Denn das deutsche PC- und Konsumentenmagazin «Chip», welches die Mobilfunknetze in der Schweiz unter die Lupe nahm, setzte für die Datenerfassung die Mobilfunkmesstechnik der SwissQual AG ein. «Wir können bis zu 16 Smartphones und die nötige Messtechnik in eine modifizierte Autodachbox einbauen», erklärt Firmenchef Hanspeter Bobst auf dem Betriebsrundgang. Die Box wird mit zusätzlicher Technik und Elektronik bestückt, um stabile Stromversorgung und Temperatur- und Umgebungsbedingungen für die Messgeräte zu garantieren. Auf Testfahrten könne der Kunde jeden Winkel der Schweiz abfahren und die Qualität von Mobilfunknetzen unterschiedlicher Betreiber messen. Die Messgeräte simulierten das Verhalten eines typischen Handynutzers, wie etwa das Telefonieren, das Surfen im Internet oder das Anschauen von Videos.

Das sogenannte Benchmarking – also das Vergleichen mit Konkurrenten – sei auch in Fussgängerbereichen, in Gebäuden oder in öffentlichen Verkehrsmitteln möglich. «Dazu haben wir tragbare Systeme entwickelt», so Bobst. Er zeigt als Beispiel einen Rucksack, vollgepackt mit handelsüblichen Smartphones, Mess-Software, Funkscanner, Akkus oder GPS-Empfänger. Neben dem Benchmarking kommt die Technologie bei der Fehlersuche im Netz und dessen Optimierung sowie bei der Qualitätsüberwachung zum Einsatz. Kunden sind primär internationale Mobilfunkbetreiber. Grösster Kunde sei Vodafone global.

Das Flair eines Start-up

Die in einem Ex-Sulzer-Bürogebäude im Riverside Business Park einquartierte Firma verströmt eine leicht chaotische Atmosphäre und erinnert an ein Start-up im Hightechbereich. Software- und Hardware-Ingenieure diskutieren stehend im riesigen Grossraumbüro oder sitzen vor zig Bildschirmen – sie forschen und tüfteln an Produkten zur Qualitätsmessung der Netzwerkinfrastruktur. Kaum bemerkt von der Öffentlichkeit ist dort eine veritable Denkschmiede am Werk. «Wir beschäftigen derzeit rund 100 Mitarbeitende. Rund 90 Prozent davon besitzen einen Bachelor- oder Masterabschluss», umschreibt Bobst die Qualität der Arbeitsplätze.

Dabei hat alles klein angefangen. Im Jahr 2000 haben vier ehemalige Ascom-Ingenieure den Schritt in die Eigenständigkeit gewagt. «Wir haben uns bei einem Fachkongress in Nizza getroffen und dabei ist die Idee für die Firmengründung entstanden», erinnert sich der 48-jährige Mitgründer und heutige Firmenleiter. Gestartet mit sieben Mitarbeitenden, sei man zur jetzigen Grösse gewachsen. Zwischenzeitlich gehörte SwissQual zum britischen Spirent-Konzern. 2012 hat dann das Münchner Technologieunternehmen Rohde & Schwarz die Zuchwiler Firma übernommen. «Das war ein Volltreffer und die Geschäfte laufen sehr gut.» Rohde & Schwarz sei ein Familienkonzern und nicht primär dem Quartalsdenken und den Ansprüchen der Aktionäre ausgeliefert. «Es bricht bei Problemen nicht gleich Panik aus.»

Verlagerung ist kein Thema

In Zuchwil ist die gesamte Forschung und Entwicklung der Soft- und Hardware angesiedelt. Produziert wird die Hardware bei der Firma Enics in Turgi, einem ABB-Spin-off, und in den Produktionsstätten der Mutterfirma an zwei Standorten in Deutschland. Eine Verlagerung der Denkschmiede nach München sei kein Thema. Man sei in einem Nischenmarkt tätig und die Produkte seien weniger preisgetrieben. «Viel wichtiger sind die Kompetenzen – und das Know-how dazu ist hier in Zuchwil», gibt sich Bobst selbstbewusst. Natürlich sei man mit dem Standort Schweiz und einem Exportanteil von über 95 Prozent auch von den Wechselkursen betroffen. «Aber wechselkursbedingte Preisanpassungen können wir vergessen.» Im Kampf gegen Weltkonzerne sei vorab Qualität gefragt. Deshalb müsse SwissQual innovativ, rasch und flexibel agieren. Denn der Mobilfunkmarkt sei fast ausschliesslich technologiegetrieben. Bislang sei das sehr gut gelungen. In den vergangenen Jahren sei man im Durchschnitt schneller als der globale Markt gewachsen und arbeite profitabel. Das Marktvolumen beziffert Bobst auf 500 Millionen Euro mit einer Wachstumsrate von 7 bis 10 Prozent.

Prestigeauftrag vom Cern

Wie gut die Zuchwiler im Markt verankert sind, zeige ein Prestigeauftrag des Forschungszentrums Cern in Genf, berichtet Bobst nicht ohne Stolz. SwissQual hat eine öffentliche Ausschreibung gewonnen und konnte dort in den mehr als 50 Kilometer langen Tunneln und unterirdischen Hallen Netzwerk-Messsonden installieren. Diese überwachen die Verfügbarkeit und die Qualität des Handyempfangs der Cern-Mitarbeitenden.