Aeschi
Mitte August sollen Tagesstrukturen eingeführt werden

Trotz vieler negativer Voten hat eine klare Mehrheit der Stimmberechtigten in Aeschi einem Kredit von 42'000 Franken zugestimmt.

Rahel Meier
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Die Tagesstruktren sollen im Kirchgemeindehaus starten.

Die Tagesstruktren sollen im Kirchgemeindehaus starten.

Rahel Meier

Auffällig viele jüngere Menschen besuchten am Donnerstagabend die Gemeindeversammlung in Aeschi. Das Wort ergriffen aber vorwiegend Herren im Pensionsalter. Sie äusserten ihre Bedenken zu Traktandum 3 und den Aufbau von schulergänzenden Tagesstrukturen in der Gemeinde. Die Umsetzung erfolge überhastet, es würden keine Stauten und kein Betriebsreglement vorliegen, die Verpflegung für die Kinder am Mittagstisch erscheine problematisch, der Steuerzahler subventioniere hier Familien, «die sich offenbar jeden Luxus leisten wollen», und das Ganze werde zu einem «Fass ohne Boden». Einer der Anwesenden beschwor gar die «gute alte Zeit», in der die Frauen am Mittag noch zuhause am Herd standen und für die Familie kochten.

Der dritte Anlauf für die Einführung

Schon zwei Mal versuchte man in Aeschi schulergänzende Tagesstrukturen einzuführen. Jetzt möchten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Nägel mit Köpfen machen. In enger Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat wurde zuerst eine Bedarfsabklärung durchgeführt und danach ein Grobkonzept erarbeitet. Vorgeschlagen wird, dass ein Verein die Tagesstrukturen anbietet, und die Gemeinde das Angebot in einer Testphase von drei Jahren finanziell unterstützt. Für die Startphase soll die Betreuung im reformierten Kirchgemeindehaus angesiedelt werden. Aufgenommen werden Kinder ab dem 2. Kindergarten und zwar vor Schulbeginn am Morgen, dann am Mittagstisch und am Nachmittag bis 18 Uhr. «Wir starten nur, wenn wir genügen Anmeldungen haben», erklärte Manuela Witmer, die das Konzept vorstellte. In der Startphase heisse das, dass sich drei Kinder für ein Modul anmelden müssen. Erfahrungsgemäss sei der Start immer schwierig, und es sei deshalb auch schwer abzuschätzen, wie viel die Tagesstrukturen effektiv kosten. Man habe deshalb Annahmen getroffen und sei auf den Betrag von 42000 Franken gekommen. Die Eltern sollen einkommensabhängige Tarife zahlen. Man versuche zudem, diverse «Töpfchen» und Fonds von Bund und Kanton anzuzapfen und Subventionen zu erhalten. Schule und Sozialdienst seien ebenfalls miteinbezogen worden und würden den Aufbau der Tagesstrukturen befürworten. Angedacht sei zudem, dass der Mittagstisch auch für Senioren geöffnet werden soll.

Nach einem längeren Hin und her brach Daniel Luterbacher eine Lanze für die Tagesstrukturen und meinte, dass mit der diesjährigen Rechnung auch ein Betrag von 450'000 Franken für die Sanierung der Flurwege gesprochen werden soll. «Diese werden auch nicht von allen genutzt. Auch hier zahlen wir solidarisch mit unseren Steuergeldern.» Letztlich wurde der Antrag des Gemeinderates, ab Sommer 2020 Tagesstrukturen anzubieten und diese mindestens drei Jahre lang finanziell zu unterstützen, mit 62 gegen 12 Stimmen angenommen.

Das Budget 2020 wurde ohne Gegenstimmen genehmigt. Bei einem Aufwand von 13,662 Mio. Franken und einem Ertrag von 13,365 Mio. weist es einen Aufwandüberschuss von 297'408 Franken auf. Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 720500 Franken. Die beiden Investitionskredite für Sanierung/Umbau Bibliothek und Lehrerzimmer im Betrag von 190000 Franken und die Sanierung der Flurwege für 420000 Franken wurden ebenfalls genehmigt.

Wasser in Burgäschi ist belastet

Daniel Luterbacher informierte zudem über die Trinkwasserqualität in Burgäschi. Der Ortsteil bezieht sein Wasser aus einer Quelle im Steinhof. Messungen hätten ergeben, dass die Belastung mit Chlorothalonil den Grenzwert um das Neunfache überschreite. «Der Mensch müsste pro Tag rund 90 Liter Wasser trinken, damit eine Gefährdung der Gesundheit eintritt», meinte Luterbacher. Er selbst trinke das Wasser weiterhin. Trotzdem sei die Wasserversorgung gefordert, Lösungen zu suchen. Problematisch sei auch, dass man das Wasser nicht mit unbelastetem Wasser mischen könne.

Beim Traktandum Verschiedenes gab Gemeindepräsident Stefan Berger bekannt, dass Thomas Jordi definitiv per Ende Jahr demissionieren wird. Der Gemeinderat bestehe damit zurzeit nur aus vier Mitgliedern. Wie schon vor einem Jahr habe man die Ersatzgemeinderäte angefragt, ob sie nachrücken wollten. Alle drei hätten dies aber verneint. «Wir habend deshalb beschlossen, dass wir die Ersatzgemeinderäte aus ihrem Amt entlassen», so Berger. Im nächsten «Azeiger» werde man ein Inserat für die Suche nach neuen Gemeinderatsmitgliedern platzieren.