Lüsslingen-Nennigkofen
«Mit Sicherheit eine angespannte Situation»: Käferplage im nächsten Jahr ist absehbar

An der 59. Generalversammlung des Waldwirtschaftsverbandes Bucheggberg im «Bellevue» bereitete die Käfer- und Pilzplage viele Sorgen.

Urs Byland
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Sensibilisierung für den Wald: Im Sommer gingen Kinder mit Lea Kammer im Rahmen des Ferienpasses auf Käferpirsch.

Sensibilisierung für den Wald: Im Sommer gingen Kinder mit Lea Kammer im Rahmen des Ferienpasses auf Käferpirsch.

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Wenn sich die Waldbesitzer im Bucheggberg jährlich zur Generalversammlung ihres Verbandes treffen, steht die Marktübersicht im Vordergrund. Denn der Verband befindet sich in «ruhigem Fahrwasser», wie der Präsident Fritz Andres in seinem Jahresbericht erklärt. Konkret stehen keine grossen Strukturveränderungen an. Als der Verband gegründet wurde, pflanzte man gemeinsam Fichten, um den Wald aufzuforsten. Heute machen die Mitglieder das Waldwirtschaftsverbandes Bucheggberg vor allem Öffentlichkeitsarbeit für den Wald. Der Verband organisiert die Generalversammlung, jährlich eine Sommerexkursion und einen Vortrag.

Doch zurück zur Marktübersicht von Mark Hunninghaus, Betriebsleiter des Forstbetriebs Bucheggberg. Er berichtet den 45 anwesenden Stimmberechtigten sowie den gut 20 Gästen von einer weiteren Verschlechterung für den Holzabsatz wegen der Schliessung der Papierfabrik Utzenstorf. Als grösster Abnehmer von Industrieholz bleibe noch der Spanplattenhersteller Krono. Obwohl der Markt mit Industrieholz stark eingeschränkt ist und der Verkaufspreis pro Kubikmeter gering ist, warnt Hunninghaus: «Wir wollen diesen Markt aufrechterhalten und verhindern, dass Verträge mit ausländischen Anbietern von Industrieholz abgeschlossen werden.» Was einmal weg sei, könne kaum zurückgeholt werden.

Eschenpilz und Käferplage

Die Preise für Nadelstammholz liegen bei 85 bis 90 Franken pro Kubikmeter, und beim Laubstammholz habe er gute Kanäle für den Absatz ins Ausland, sagt Mark Hunninghaus. Eiche wird gut bezahlt, Buche und Esche erzielen annehmbare Preise.

Aber gerade bei der Esche mache aktuell der Eschenpilz grosse Sorgen. Der Ausschuss betrage 30 Prozent. Es sei fünf vor zwölf. Wer nicht in diesem Winter die Eschenwälder beholze, müsse mit einem Totalausfall rechnen. Gleichzeitig warnt Hunninghaus wegen Sicherheitsproblemen: «Das habe ich noch nie erlebt. Wir schlagen eine Esche und fünf fallen mit zu Boden.» Es sei ihm zurzeit beim Fällen der Eschen nicht wohl.

Auch die Käferproblematik werde im kommenden Jahr zum Thema. 2017 wurden 1500 Kubikmeter Käferholz geschlagen. Eine grosse Trockenheit befördere das Ausbreiten des Borkenkäfers. 2017 wurden bisher 604 Millimeter Niederschlag gemessen – gegenüber 1150 Millimeter im Vorjahr. «Das kann bis Ende Dezember nicht aufgeholt werden und wird nächstes Jahr mit Sicherheit zu einer angespannten Käfersituation führen.» Fichten sollen deshalb periodisch kontrolliert und nötigenfalls ausgeholzt werden.

Projekt bringt Geld in die Region

Mark Hunninghaus, der sich zum Umweltfachmann weiterbildete, wirbt weiter für ein Projekt des Forstbetriebs zur Lebensraumaufwertung und Vernetzung im Bucheggberg. Der Lebensraum für Wiesel, Amphibien, Reptilien und Libellen soll erweitert werden. Mit dem Projekt könnten Gelder in der Höhe von 400'000 Franken im Bucheggberg gebunden werden. Zielarten sind Unken und Kröte, die mit Tümpeln und kleinen Weihern angelockt werden, sowie Reptilien und Wiesel, die mit Massnahmen wie Ast- und Steinhaufen, Hecken und abgestuften Waldrändern optimalen Lebensraum erhalten.

Ueli Stebler, ehemaliger Kreisförster, ergänzt: «Das Projekt benötigt einen bescheidenen finanziellen Anteil aus der Region, bringt aber viele öffentliche Gelder, die man abholen muss.» Einstimmig genehmigte der Verband einen Beitrag von 10'000 Franken aus dem Jubiläumsfonds verteilt auf die nächsten vier Jahre.

Das Jahresthema 2018 lautet «Kraftort Wald»

Neben einem Vortrag von Thomas Studer aus Selzach, Kantonsrat und Förster im Leberberg, zu den Akteuren in der regionalen Wertschöpfungskette Wald und Holz, wurden weitere Versammlungstraktanden behandelt. Der Verband umfasst 114 Mitglieder, zwei Ehrenmitglieder und 20 Gemeinden und Bürgergemeinden. Präsident Fritz Andres verlängert auf Wunsch seine Amtszeit um ein Jahr, bis sich seine Nachfolge mit dem neuen Vorstand eingearbeitet hat. Im Verband sind aber nicht alle Waldbesitzer im Bucheggberg vereint, wie die Zahlen des Forstbetriebes Bucheggberg zeigen. Dieser betreut vollumfänglich 1270 Hektaren öffentlichen Wald sowie hoheitlich weitere 51 Hektaren (Lüsslingen). Dazu kommen 602 Hektaren Privatwald mit 586 Privatwaldbesitzern.

Patrick von Däniken, Geschäftsführer des kantonalen Verbandes Bürgergemeinden und Waldeigentümer, erzählte vom Jahresthema 2018 «Kraftort Wald», das mit einer Sonderschau an der Solothurner Herbstmesse ihren Höhepunkt erreichen wird.

Verabschiedet wurden Hans Stuber, seit 1997 Beisitzer im Vorstand, und
Urs Hueter, seit 2009 Beisitzer im Vorstand. (uby)