Eigeninitiative
Mit Hartnäckigkeit das Ziel erreicht: Kriegstetten ist endlich im Besitz eines Defibrillators

Kriegstetten hat es Richard Heiniger zu verdanken, dass in der Gemeinde nun ein Defibrillator für Notfälle zur Verfügung steht.

Urs Byland
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Simon Linder (links) und Richard Heiniger haben in einer privaten Initiative den ersten Defibrillator in Kriegstetten aufgestellt.

Simon Linder (links) und Richard Heiniger haben in einer privaten Initiative den ersten Defibrillator in Kriegstetten aufgestellt.

Solothurner Zeitung

Kriegstetten hat einen zentral angebrachten Defibrillator erhalten, der Tag und Nacht öffentlich zugänglich ist. Die Gemeinde verdankt dies nicht etwa den Gemeindebehörden, sondern der Hartnäckigkeit eines ihrer Mitbürger. Richard Heiniger bemüht sich schon seit bald zwei Jahren um einen Defibrillator in Kriegstetten. Seine damalige Anfrage an den Gemeinderat wurde abschlägig beantwortet. Man könne den Defibrillator bei der Mehrzweckhalle in Halten mitbenutzen. «Zudem haben wir im Dorf noch einen Arzt», ergänzt Gemeindepräsident Simon Wiedmer auf Nachfrage.

Richard Heiniger wollte aber nicht länger Zeit verstreichen lassen. «Einen Defibrillator im Nachbarort zu holen, dauert zu lange, und Notfälle halten sich nicht an Öffnungszeiten von Arztpraxen.» Der als First Responder ausgebildete Heiniger liess aber nicht locker und überlegte sich, wen er für die Sache begeistern könnte. Er wandte sich an die Baloise Bank Soba und fragte an, ob die Bank einen Defibrillator finanzieren und diesen beim Bancomaten ihrer Filiale in Kriegstetten anbringen würde. Ein weiterer Vorteil von Heinigers Idee ist, dass im gleichen Gebäude auch noch die Spitex Wasseramt untergebracht. Er fand in Simon Linder, Leiter Niederlassungen Kriegstetten/Derendingen, den richtigen Mann.

«Andere Gemeinden geben Vollgas»

Am 6. Dezember konnte Richard Heiniger seinen First-Responder-Kollegen mitteilen, dass Linder begeistert von seiner freiwilligen Arbeit sei und viel Verständnis für sein Anliegen zeige. Der Bankleiter wolle gleich mehrere Filialen mit Defibrillatoren ausrüsten. Im Zusammenhang mit einem Umbau des Eingangsbereichs der Filiale Kriegstetten wurde kürzlich der Defibrillator draussen neben dem Bancomaten installiert. In einem Schreiben gratuliert der Präsident des Vereins der Berner First Responder Richard Heiniger zu diesem Erfolg und ergänzt: «Ich staune immer wieder, wie in den Gemeinden das Thema überhaupt nicht auf dem Radar ist, obwohl es eigentlich zur öffentlichen Sicherheit gehört und andere Gemeinden Vollgas geben.» In Thun, nennt er ein Beispiel, konnten in zwei Jahren die Anzahl der öffentlichen Defibrillatoren von zwei auf 25 gesteigert werden.

«Wir hätten das Thema sicher nochmals aufgenommen, wenn der Druck etwa vom Bund oder vom Kanton grösser geworden wäre», sagt Simon Wiedmer. Kriegstettens Gemeindepräsident ist jetzt aber auch glücklich, dass in seiner Gemeinde ein Defibrillator zur Verfügung steht.

First Responder

Bei Herzinfarkten und Schlaganfällen zählt jede Minute. Um lebensrettende Sofortmassnahmen vor dem Eintreffen der professionellen Rettungskräfte einzuleiten, wurden vor allem im Kanton Tessin und im Kanton Bern First Responder ausgebildet. Seit einiger Zeit wird das Konzept auch im Kanton Solothurn umgesetzt. Die Notrufzentralen senden die Ambulanz und können zusätzlich noch einen Alarm an die First Responder auslösen, da diese oftmals schon vor Ort sind und rascher als das Ambulanzteam eingreifen können. Sie unterstützen falls gewünscht nach dem Eintreffen der Ambulanz zusätzlich. First Responder arbeiten ehrenamtlich und bezahlen meistens auch ihre Aus- und Weiterbildungen zur Erlangung und zum Erhalt des Zertifikates und andere Fortbildungen. «Es fehlt aber oft noch an öffentlich zugänglichen, automatisierten externen Defibrillatoren, auch Laiendefibrillator oder kurz Laiendefi genannt», erklärt Richard Heiniger.