Lüsslingen-Nennigkofen

Mit Haken und Ösen: So wehrt sich die AEK Energie AG gegen den Niedergang

Kann die AEK Energie AG mit ihrer Beschwerde die Konkurrenz bremsen? Und darf die Regio Energie Solothurn ihren Strom den Lüsslingern verkaufen?

Kann die AEK Energie AG mit ihrer Beschwerde die Konkurrenz bremsen? Und darf die Regio Energie Solothurn ihren Strom den Lüsslingern verkaufen?

Die AEK Energie AG und Regio Energie Solothurn kämpfen in Lüsslingen-Nennigkofen um ihre Pfründe.

Im Kampf zwischen der Regio Energie Solothurn und der AEK Energie AG hängt Letztere in den Seilen. So einfach und stark verkürzt präsentiert sich das Duell zwischen den beiden wichtigsten Stromanbietern in der Region.

Die AEK Energie AG hat einen Nachteil. Sie kämpft mit gebundenen Händen, denn der Mutterkonzern, die bernische BKW, schreibt einen (heute) im solothurnischen nicht marktkonformen Strompreis vor. Die AEK Energie AG wehrt sich nun mit Haken und Ösen gegen den Niedergang und ist bereit, den hohen Strompreis seinen Kunden, den Gemeinden, durch deren Netze AEK-Strom fliessen soll, mit diversen Zückerchen zu versüssen. Als Beispiel sei Gerlafingen erwähnt.

Die Gemeinde entschied sich für eine Pachtverlängerung zugunsten der AEK, was dem Stromlieferant ein Bonus in der Höhe von über einer halben Million Franken wert war. Auch in Kriegstetten war der AEK die Erneuerung der Pacht ein Bonus wert. Dort offerierte die AEK eine temporäre sogenannte Mehrpachtentschädigung von 0,8 Rappen pro Kilowattstunde. Andernorts will man aber nichts von diesen Geschenken wissen und schreibt die Pacht neu aus.

AEK greift zur Beschwerde

Auch in Lüsslingen-Nennigkofen wurde die Pacht neu ausgeschrieben, und zwar für das Netz in Lüsslingen. Die Regio Energie Solothurn machte das Rennen. Insider sprechen von einem Dominostein, der gefallen sei. Die AEK Energie AG fürchte, weitere Kunden zu verlieren. Nur so sei zu erklären, dass die AEK Energie AG Beschwerde eingelegt hat zum Beschluss des Gemeinderates vom 2. Juli, ab 2019 den Strom fürs Netz Lüsslingen mittels Verpachtung an die Regio Energie Solothurn zu beziehen.

Auf Anfrage wird der genaue Inhalt der Beschwerde nicht genannt. «Es handelt sich um ein laufendes Verfahren», so eine AEK-Sprecherin. Erklärt wird einzig, dass man Informationen habe, wonach das Vergabeverfahren der Gemeinde nicht korrekt abgelaufen sei.

Will die AEK aus einer fachlichen Unbedarftheit Profit schlagen? Gemeindepräsident Herbert Schluep möchte am liebsten auch nichts zu dieser Konfrontation sagen. «Es handelt sich um eine Submissionsklage», bleibt er kurz angebunden. «Die AEK ist offenbar der Meinung, dass wir nicht so entschieden hätten, wie es ausgeschrieben worden sei.» Was genau von der AEK Energie AG beim Verwaltungsgericht moniert wird, bleibt intransparent.

Weil mit der Beschwerde laut Mitteilung des Gemeinderats Lüsslingen-Nennigkofen auch die Zuschlagsempfängerin betroffen ist, drängt sich als mögliche Beschwerdeinhalt der Vorwurf einer Absprache zwischen Regio Energie Solothurn und dem Gemeinderat auf. Herbert Schlueps Antworten auf Fragen in diese Richtung bleiben vage. Und die Regio Energie Solothurn AG will nicht ein Wort zur Angelegenheit verlieren. «Wir sind nicht Partei», so eine Sprecherin. Auch die Frage, ob sie denn den Inhalt der Beschwerde kenne, wird mit: «Dazu kann ich nichts sagen», beantwortet.

«Falsche Zahlen»

Konkreter wird Herbert Schluep bei einer anderen Frage. Der Gemeinderat entschied, die Pacht auszuschreiben und holte Offerten ein. Die Auswertung von vier Angeboten grosser Versorger hätte am 25. April stattfinden sollen. Am 6. Juni erklärte aber der Gemeindepräsident, dass aufgrund von «falschen Zahlen in einer Auswertung» das Geschäft der erneuten Verpachtung des Stromnetzes im Dorfteil Lüsslingen verschoben wurde.

Heute beantwortet Gemeindepräsident Herbert Schluep die Frage, ob die Korrektur der «falschen Zahlen» einen Einfluss auf den Entscheid hatten, mit Ja. Die neuen Zahlen hätten sich positiv ausgewirkt für die Energie Regio Solothurn und negativ für die AEK.

Fällt der Dominostein?

Was im Verwaltungsgericht in dieser Sache juristisch verhandelt wird, ist das eine. Interessieren dürfte vor allem, zu welchem Resultat die Richter kommen. Erhält die AEK Energie AG recht, kann sie vielleicht verhindern, dass dieser eine Dominostein fällt und andere Dörfer dem Beispiel von Lüsslingen-Nennigkofen folgen.

Aber aktuell scheint die Region Energie Solothurn AG preislich im Vorteil zu sein. Bis die AEK Energie AG sich aus den Seilen retten kann, brauchts es wohl noch den einen oder anderen Bonus.

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