Gemeindeversammlung

Mit einem Kompromiss Streit um Kunstrasen verhindert

Gemeindeversammlung genehmigt Kunstrasen und Steuersenkung

Gemeindeversammlung genehmigt Kunstrasen und Steuersenkung

Die Gemeindeversammlung genehmigt den Kunstrasen samt Beleuchtung für den FC Zuchwil. Die Kritik am Standort für das Klubhaus wurde mit einem Kompromiss aufgelöst. Mit dem Budget genehmigte die Versammlung zudem eine Steuersenkung.


Mit einem Runden Tisch vor der Gemeindeversammlung konnte Gemeindepräsident Stefan Hug eine gröbere Auseinandersetzung an dieser verhindern. Den Ersatz für das verlorene Paradies in der Widi in Form einer neuen Anlage beim Sportzentrum, inklusive eines Kunstrasens, hatten die Fussballer des FC Zuchwil (FCZ) mehr oder weniger akzeptieren können. An der letzten Gemeinderatssitzung, an der das Projekt besprochen wurde, tat sich aber ein Graben auf: Grund war der vorgesehene Standort des neuen Klubhauses am Rand der Anlage. Damals äusserte Gemeinderat Patrick Marti (SP) seinen Unmut darüber, dass kein Vertreter des FCZ in der Arbeitsgruppe, die die Anlage plante, Einsitz hatte und die Bedürfnisse der Fussballer einbringen konnte. Man habe nur auf die Bedürfnisse des Sportzentrums Rücksicht genommen. Die neue Anlage ist ja ein Teil des Sportzentrums, das die Anlage zusätzlich vermarkten soll, etwa für Trainingslager.

Am Runden Tisch hat man aber eine Lösung gefunden, mit der die Fussballer sich einverstanden erklären können. Der Kompromiss betrifft nicht den Standort des Klubhauses, sondern den vier Meter hohen Zaun, mit dem der Kunstrasen eingezäunt werden muss, um Tiere und Menschen davon abzuhalten, den Kunstrasen zu verdrecken oder zu beschädigen. «Wenn wir nicht wie in einem Affenkäfig durch ein Gitter auf die Spiele auf dem Kunstrasen schauen müssen, dann wäre das toll», sagte Finanzverwalter Mike Marti, Präsident des FC Zuchwil. Offenbar ist es laut Bauleiter Peter Baumann baulich machbar, Kunstrasenfeld und Klubhaus innerhalb des Zaunes zu platzieren. Es brauche einzig ein Hindernis zwischen Kunstrasen und Klubhaus-Vorplatz, damit der Plastikrasen nicht gleich sofort betreten werden kann.

Einlenken der Klubvertreter

Den Fussballern wäre es lieber gewesen, wenn das Klubhaus zwischen dem bestehenden Fussballfeld und dem neuen Kunstrasenfeld hätte platziert werden können. Dagegen spreche aber der zu hohe Aufwand, wie Marti den 92 Stimmberechtigten im Lindensaal erklärte. Grund ist eine Abwasserleitung grösseren Kalibers, die genau dort zur Aare führt. «Bei einem Kostenvergleich würde diese Variante höchstwahrscheinlich wegfallen», zeigte er sich einsichtig. Der FCZ habe deswegen auch nicht für die Gemeindeversammlung mobilisiert.

Dennoch kam aus der Versammlung der Antrag auf Rückweisung. Ein Einwohner zeigte sich beunruhigt wegen möglicher Folgekosten. Der Kunstrasen komme im Unterhalt teurer als ein Naturrasenfeld. Er argumentierte aber mit Zahlen aus dem Jahr 2004, was einen Vergleich erschwerte. Laut Peter Baumann wird der Unterhalt des Kunstrasenfeld auf 25 000 bis 30 000 Franken pro Jahr veranschlagt. Die Unterhaltskosten für die Naturrasenfelder in der Widi liegen aktuell bei 35 000 Franken.

Der Kompromiss und das Einlenken des FCZ haben aber den Weg für das Geschäft geebnet. Mit grossem Mehr genehmigten die Anwesenden den Kunstrasen, der 1,9 Mio. Franken kostet. Zusätzlich wird die Beleuchtung mit 225 000 Franken veranschlagt. Finanziert wird der Plastikrasen mit einem Teil des Geldes, das der Verkauf der Widi einbrachte. Der Baustart soll im nächsten Juni erfolgen.

Steuersenkung um drei Prozente

Diese Investition ist aber nicht die einzig grössere der Gemeinde im nächsten Jahr. Über 12,6 Mio. Franken netto werden in Bauten gesteckt. Der grösste Brocken ist das neue Freiluftbecken, an dem aktuell schon heftig gebaut wird. Mit diesem Betrag ist man weit über dem Zielwert von 4 Mio. Franken Nettoinvestitionen pro Jahr.

Dieser Zielwert wurde aber am Anfang der Gemeindeversammlung korrigiert. Im Zusammenhang mit dem 2011 von der Gemeindeversammlung beschlossenen Postulat Max Karli wurden vier Zielwerte definiert, um die damalige Schieflage der Gemeindekasse zu verbessern. Eine davon sind ebendiese maximal 4 Mio. Franken Nettoinvestition. Ein Wert, der in den Budgets beinahe nie eingehalten werden konnte, oft wegen den Investitionen im Sportzentrum. Andererseits folgten darauf meist grosse Erträge in den Rechnungen, und die Investitionen konnten mit eigenem Geld bezahlt werden, so Marti.

Diese positiven Rechnungen der letzten Jahren haben auch andere Begehren aufkommen lassen: beispielsweise die nach einer Steuersenkung. Der Gemeinderat beantragte eine solche um 3 Prozente auf 122 Steuerprozente. Gemeindepräsident Stefan Hug will nicht von einer nachhaltigen Steuersenkung reden und teilte das Fazit eines Einwohners, der sagte: «Wir haben keine verlässlichen Zahlen für eine Steuersenkung.» Aber er sei trotzdem für eine Senkung, so Hug, «weil wir so oft am Ende gute Rechnungen ausweisen konnten. Und Ja, wenn sich die Lage verschlechtern würde, müssen wir in einem Jahr halt wieder rauf mit den Steuern.» Für dieses Jahr sei er aber zuversichtlich, sprudeln doch die Einnahmen bereits wieder über den Erwartungen, sprich über dem Budget 2018. Auch mit der Steuersenkung prognostiziert das Budget 2019 einen Ertragsüberschuss von 281 600 Franken. Die Gemeindeversammlung genehmigte das Budget mit grossem Mehr.

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