Deitingen/Messen
Mit dieser Maschine wird das aus den Tropen eingeschleppte Erdmandelgras bekämpft

Ein Versuch mit einer Spezialmaschine aus Italien zeigt Erfolg im Kampf gegen das aus den Tropen eingeschleppte Erdmandelgras.

Rahel Meier
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Die Dampffräse wird per GPS gesteuert und der erwärmte Boden mit einer Folie abgedeckt.

Die Dampffräse wird per GPS gesteuert und der erwärmte Boden mit einer Folie abgedeckt.

Hanspeter Bärtschi

Das Erdmandelgras, ein invasiver Neophyt, verbreitet sich auch im Kanton Solothurn. «Wir sind zum Glück noch nicht so stark betroffen wie der Kanton Bern», erklärt Martina Jenzer (Abteilung Pflanzenschutz, Wallierhof). Bauernverband und Wallierhof möchten deshalb die Zahl der Befallsfälle möglichst konstant tief halten und die weitere Verbreitung verunmöglichen. Das wiederum ist nicht so einfach, denn Pflanzenschutzmittel haben auf grosse Cyperus-Pflanzen keine ausreichende Wirkung.

Diesen August wurde in Deitingen und in Messen eine neue Methode zur Erdmandelgrasbekämpfung ausprobiert. Die Testflächen zeigen, dass die eingesetzte Dampffräse, eine Maschine, die in Italien entwickelt und dort im Bio-Gemüsebau in Treibhäusern genutzt wird, einen grossen Teil des Unkrautes vernichtet hat. Ob alle Knöllchen des Erdmandelgrases auch rund 15 Zentimeter unter der Oberfläche abgetötet wurden, wird sich erst nächsten Frühling zeigen. Denn die Pflanze verschwindet an der Oberfläche, sobald der erste Frost kommt.

Dampf verhindert das Keimen

Die Dampffräse hat eine Arbeitsbreite von 150 Zentimetern und wird per GPS gesteuert. Mit dem Dampf wird der Boden im zu bearbeitenden Bereich erhitzt, zusätzlich wird Branntkalk zugegeben, sodass der Boden auf rund 70 Grad erhitzt wird. Damit werden Unkrautsamen – oder die Knöllchen der Erdmandel – ähnlich wie in einem Backofen «niedergegart» und keimunfähig. Die Idee erscheint logisch. Ganz so einfach ist der Einsatz der italienischen Maschine aber nicht. «Es muss trocken sein, wenn die Dampffräse eingesetzt wird», erklärt Martina Jenzer.

Die Fläche links wurde mit Dampf behandelt und zeigt sich einen Monat später unkrautfrei. Rechts wächst immer noch Erdmandelgras.

Die Fläche links wurde mit Dampf behandelt und zeigt sich einen Monat später unkrautfrei. Rechts wächst immer noch Erdmandelgras.

Zur Verfügung gestellt

Zudem muss der Oberboden der zu behandelnden Fläche aufgelockert werden, damit der Dampf gleichmässig im Boden verteilt wird. Nach der Behandlung mit dem Dampf wird der Boden mit einer schwarzen Folie abgedeckt, damit die Temperatur möglichst lange möglichst hoch gehalten werden kann. Das Gerät hat zudem eine maximale Tagesleistung von 20 Aren. «Das ist zu wenig, um einen grossflächigen Befall zu eliminieren», so Jenzer. Für kleinere Flächen sei die Maschine aber durchaus geeignet.

Eingeschleppt aus den Tropen

Die Erdmandel (Cyperus esculentus), auch als Tigernuss bekannt, ist eine Pflanzenart der Gattung Zypergräser (Cyperus) in der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae), die Wuchshöhen von bis zu 60 Zentimetern erreicht. Sie ist in den Tropen und Subtropen bis nach Nordamerika beheimatet. Das Erdmandelgras vermehrt sich durch Knöllchen, die im Boden auch bei –10 Grad überleben. Eine Pflanze kann bis zu 700 Knöllchen ausbilden. Pro Knöllchen können wiederum bis zu fünf Triebe ausschlagen. Da sich rund 90 Prozent der Knöllchen in der oberen Bodenschicht befinden, werden sie mit Erde an Fahrzeugen, mit Übernahme belasteter Erde oder mit Wurzelfrüchten wie Kartoffeln oder Zuckerrüben aus verseuchten Feldern verschleppt. (rm/mgt)

Aktuell sei die Sanierung mit Dampf die einzige Möglichkeit, die Mandelknöllchen in einem Arbeitsgang zu bekämpfen. Mechanische Verfahren und die Einarbeitung von Dual Gold, einem Maisherbizid, mit dem das Erdmandelgras bisher vorwiegend bekämpft wird, haben nur einen Effekt auf die aufgelaufenen oder gekeimten Mandeln. Die Sanierung einer befallenen Fläche dauert deshalb meist mehrere Jahre.

Erfolg bringt dabei auch, eine Fruchtfolge mit hohem Anteil an Mais und Getreide zu wählen. In diesen Pflanzen gedeiht das Erdmandelgras weniger gut. Werden Kartoffeln, Zuckerrüben, Wurzelgemüse oder Sonnenblumen angesät, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Erdmandelgras sich verbreitet, grösser.

Kein Konflikt mit Bodenschutz

Problemlos ist die Behandlung mit Dampf auch für die Bodenlebewesen. Bei trockenen Bedingungen und heissen Temperaturen sind die Regenwürmer in tieferen Bodenschichten. Da die Maschine nur bei diesen Verhältnissen eingesetzt werden kann, entsteht kein Zielkonflikt mit dem Bodenschutz.

Die Sanierung mit Dampf ist aber nicht ganz günstig. Je höher der Tongehalt des Bodens, desto höher muss die Temperatur des Dampfes sein. Die Kosten liegen je nach Boden bei 100 bis 200 Franken pro Aare. «Das ist ein weiterer Grund, wieso die Methode bei grossflächigem Befall nicht infrage kommt», so Jenzer bedauernd.

Martina Jenzer ist Mitglied einer Projektgruppe, in der Vertreter aus der ganzen Schweiz Einsitz genommen haben. Das Ziel ist es, herauszufinden, wie die Verbreitung des Erdmandelgrases gestoppt werden kann. Im Kanton Solothurn möchte man auf die Methode der Dampffräse setzen. «Der Bauernverband und der Wallierhof helfen mit, eine Dampffräse zu entwickeln, die an einen Traktor angehängt werden kann.» Da im Kanton Solothurn vor allem kleinere Flächen befallen seien, könne damit schon viel erreicht werden.

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