Schneeräumung

Mit dem Schneepflug lässt sich nicht viel verdienen

Der grosse Schneepflug bleibt in Selzach auch weiterhin drinnen stehen.

Der grosse Schneepflug bleibt in Selzach auch weiterhin drinnen stehen.

Eine kleine Umfrage zeigt es: In den letzten Jahren mussten Landwirte nur selten zum Pflügen ausrücken.

Wenn es schneit, dann erscheinen sie aus dem Nichts und sind plötzlich überall, die Traktoren mit den Schneepflügen. Aber wie schaffen es die Einwohnergemeinden, dass sowohl im hügeligen Bucheggberg, dem flachen Wasseramt und dem Leberberg mit seinen steilen Jurahöhen die Strassen immer befahrbar sind?

In diesem Winter hat es in der Region erst einmal heftig bis ins Flachland geschneit. Die paar wenigen Flocken, die gestern Dienstag ihren Weg bis in die Region fanden, waren schnell wieder verschwunden. Aber der Winterdienst ist überall auf Pikett und immer für einen Einsatz bereit. Der Blick in die Werkhöfe in Messen, Recherswil und Selzach verrät: Die Gemeinden geben für die Schneeräumung jedes Jahr pro Person im Schnitt nur etwa einen Fünfliber aus. Oft spannen die engagierten Bauern den Schneepflug also vor allem aus gutem Willen vor ihre Traktoren.

Steile Strassen bedeuten auch mehr Aufwand

Mit beinahe 20 Quadratkilometern gehört Selzach zu den grossen Gemeinden der Region. Die Hasenmatt ist mit 1445 Metern über Meer zudem der höchste Punkt des Kantons und auch die Kinder vom Berghof Althüsli müssen im Winter in die Schule können. Trotzdem fällt der für den Winterdienst reservierte Budgetposten mit 30000 Franken moderat aus. «Bei uns stehen alle vier Angestellten des Werkhofs bereit, Ersatzleute brauchen wir momentan keine», erklärt Bruno Meister, der Chef des Selzacher Werkhofs.

«Beim ‹Althüsli› haben wir eine spezielle Situation», erklärt Karin Elsässer von der Gemeindeverwaltung die Situation beim Berghof. «Hier muss der Pächter die Schneeräumung selber machen. Dabei wird er finanziell sowohl durch die beiden Einwohnergemeinden als auch durch die beiden Bürgergemeinden von Selzach und Lommiswil unterstützt. Zudem leistet die Althüsli-Berggemeinde als Besitzerin einen finanziellen Anteil an den Winterdienst.»

Es gibt so etwas wie einen «Ferienbatzen»

Auch die Fläche der Einwohnergemeinde Messen, zu der seit der Fusion im Jahr 2010 bekanntlich auch Balm, Brunnenthal und Oberramsern gehören, ist mit fast 12 Quadratkilometern recht gross. Es kommen rund 125 Personen auf jeden Quadratkilometer, fast gleich wie in Selzach. «Wir haben ein ausgedehntes Strassennetz, sind aber recht zurückhaltend mit dem Schneeräumen», sagt Michael Kohler, der Chef des Werkhofs zur Ausgangslage in Messen. Bei Schneefall kann er jeweils auf zwei Bauern und eine Privatperson zählen. «Salzen kann aber nur das Fahrzeug der Gemeinde. Im Bucheggberg lebt man nahe an der Natur, da akzeptieren die Leute auch, dass wir nicht alle Strassen schwarzräumen können. Wir salzen nur die Trottoirs und die gefährlichen Hanglagen.» An den sonnigen Lagen löse sich das Problem meistens von alleine.

Die Zurückhaltung bei der Schneeräumung habe zur Folge, dass der vorgesehene Budgetposten von 15000 Franken seit Jahren jeweils nur zur Hälfte aufgebraucht wird, sagt Kohler. «Die drei externen Schneeräumer, die auf Pikett sind, bekommen ein kleines Fixum und die Einsätze werden pro Stunde bezahlt. Viel verdienen kann man also nicht, ich bezeichne diese Entschädigung deshalb als einen Ferienbatzen.»

Arbeitsaufteilung ist klar geregelt

In Recherswil, das mit knapp 3,4 Quadratkilometern zu den flächenmässig kleineren Dörfern gehört, leben pro Quadratkilometer rund 600 Personen, was in etwa dem Wasserämter Durchschnitt entspricht. Dass hier 8000 Franken im Budget ausreichen, erklärt sich leicht mit der Geografie: Es gibt keine nennenswerten Steigungen. Hier räumen zwei Bauern die Gemeindestrassen, während der Werkhof für die Trottoirs und die Dorfplätze zuständig ist. «Unser Winterdienst ist grundsätzlich salzlos, ausser wenn es gefährlich wird. Fällt bei uns zum Beispiel Eisregen, dann streuen wir Salz, um die Unfallgefahr zu verkleinern», beschreibt Werkhofchef Uwe Schöll die Situation in seinem Dorf. «Zu verdienen gab es mit dem Winterdienst in den vergangenen Jahren nicht viel. Unsere Bauern haben eigentlich genug zu tun. Ich denke, die sind ganz froh, wenn sie nicht so oft zum Schneeräumen raus müssen. Der finanziellen Zustupf aus dem Winterdienst ist für sie nicht überlebenswichtig.»

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