Sommerführungen

Mit dem «Pro Buechibärg» das Limpachtal entdecken

Biologe Felix Leisser wusste Gross und Klein zu faszinieren.

Biologe Felix Leisser wusste Gross und Klein zu faszinieren.

Eine rund 80-köpfige Besucherschar bekam eine Sommerführung und erfuhr mehr über die laufenden Arbeiten zur Erhaltung des Limpachkanals, die Lebensweise des Bibers und dem Wengimoos als vielseitiger Lebensraum.

Das Wengimoos ist heute wieder so erhalten, wie es hier früher einmal aussah. Denn bis vor etwa 150 Jahren befand sich in der Talsenke eine durchgehend sumpfige Naturlandschaft, wie sie nach dem Rückzug der Gletscher zurückgeblieben war (vergleiche Ausgabe vom Donnerstag). Der Bucheggberg überragt das Limpachtal übrigens als dessen Seitenmoräne.

Grosse Teile der Landschaft wurden trockengelegt und mit steigender Bevölkerungszahl für die Landwirtschaft genutzt. Insbesondere unter dem Eindruck des Zweiten Weltkriegs und der «Anbauschlacht Wahlen» wurden auch im Limpachtal grössere Bereiche des für den Torfstich genutzten Flachmoors zum Anbau rekultiviert.

Moos steht unter Schutz

«Das Wengimoos als heutzutage geschütztes Ökosystem ist noch ein Restbestand der früheren Moor-Feuchtgebiete wie vor 150 Jahren», erläuterte Felix Leiser als Vertreter der Berner Gesellschaft für Vogelkunde- und Vogelschutz, das seit 1960/61 unter Naturschutz stehende Gebiet.

Seit 1959 waren durch diese private Initiative Geländeparzellen erworben worden, um den ursprünglichen Zustand zu erhalten, weil dort seltene Pflanzen, Singvögel, Insekten, Reptilien und Amphibien über einen wichtigen Lebensraum verfügen. Das 15 Hektaren umfassende, weitgehend verbuschte und teilverlandete und von Bruchwald umgebene Gelände links des Limpach erhielt wieder eine offene Wasserfläche und wurde damit als Wasservogelparadies erneuert.

Durch Abtragung von rund 45 Zentimetern der oberen Moor- und Pflanzenschichten wurden auf weiteren rund 5 Hektaren rechts des Limpachs 2014 drei flache Tümpel angelegt, deren Wasserstand der Grundwasserhöhe entspricht. Mit Freude kann beobachtet werden, welche Pflanzenvielfalt sich seither ansiedelt. Lokale Sumpfpflanzen wie Rohrkolben, Binsen, Blutweiderich wurden durch Ansaaten von Wildblumen ergänzt. Sogar der geschützte Wasserschierling kann bereits entdeckt werden. Auch der Kiebitz brütete hier. Leiser machte darauf aufmerksam, dass Weidensprösslinge und weiterer Jungwuchs im Uferbereich regelmässig entfernt werden müssen, weil der offene Charakter dieser Moorlandschaft zur Förderung von Biodiversität und Naturwerten erhalten bleiben soll. Offenbar bildet der verdichtete Uferweg längs des Limpach einen Riegel gegen den Abfluss des Teichwassers Richtung Kanal.

Biber nimmt sich seinen Platz

Der Biber befindet sich im Vormarsch und erobert von der Emme her hiesige Bachläufe. Gegenwärtig ist er im Spittelgraben, einem Limpachzufluss von Wengi her, heimisch. Wildhüter Romeo de Monaco stellte das liebenswürdige, bis zu 38 Kilo schwere und bis zu 90 Zentimeter lange Nagetier vor. Zur Einfettung dienen Drüsen im Afterbereich, deren Sekret der Biber über sein dichtes Fell verteilt. Er verfügt über nachwachsende Zähne, die ihm das Anfräsen und Fällen von Bäumen ermöglichen. Damit baut er Dämme, die den Wasserdurchfluss stauen und regulieren.

Die Paarungszeit findet von Januar bis März statt. Aber erst im dritten Lebensjahr verlassen die Jung-Biber die Familie, die gemeinsam in einem Uferbau mit mehreren Kammern und Röhren wohnt. Die Nachwuchszahl regelt sich laut Referent durch den Populationsdruck. «Der Biber nimmt sich seinen Platz, er ist nicht auf uns Menschen angewiesen», warnte der Wildhüter davor, Wildtiere in der Natur wie in einem «Disneyland» zu sehen.

Von Gräben durchzogen

Bis zum Bau des Limpachkanals ab 1939 durchzogen fünf wasserführende Gräben die Landschaft, in der bereits seit dem Ersten Weltkrieg Entwässerungen in Form von Drainagen, Güterzusammenlegungen und Wegebau stattgefunden hatten. Zu Geschichte und Wasserbaufragen informierten Hans Hauert als Vizepräsident des Gemeindeverbandes Limpachtal gemeinsam mit Wasserbauingenieur Peter Röthlisberger am dritten Informationsposten. Eine Renaturierung des 18 Kilometer langen Kanals, wie sie gegenwärtig an etlichen Wasserläufen angestrebt werde, sei hier nicht möglich.

Vielmehr seien die laufenden Erhaltungsleistungen auf Instandhaltung des mit Holzladenböden an der Sohle gesicherten Wasserlaufs ausgerichtet. Der Spittelgraben wird demnächst erneuert und auf eine mit Kies und Steinblöcken naturnah ausgestattete Breite von 22 Metern mit einem Wasserrückhaltebecken bei Rapperswil erweitert. «So wird bei starken Regenfällen das Wasser nicht so schnell aus den Seitentälern in den Limpach transportiert.»

Wasserqualität bewegt

Die Berichterstattung zur schlechten Wasserqualität im Limpach war vielen der Anwesenden sprichwörtlich an die Nieren gegangen. In seiner Begrüssung der 80 Beteiligten sah Beat Stähli, Präsident von «Pro Buechibärg», das Limpachtal nicht gerne an den Pranger gestellt. «Unsere Landwirtschaft hat eine wichtige Funktion in der Volksernährung.» Hiesige Landwirte würden nicht mehr Hilfsmittel benutzen als anderswo.

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