Lohn-Ammannsegg

Mit dem Kinderbuch «Pippo» will sie den Tieren eine Stimme geben

Vanessa Mangold Fluri (41) ist Mutter von drei Kindern, betreibt eine Reitschule und hat ein Kinderbuch geschrieben, das nicht nur für Kinder interessant ist. Das Buch soll laut Mangold Fluri ein Weckruf sein und den Leuten begreiflich machen, dass es wichtig ist hinzusehen und Dinge zu überdenken.

Praktisch seit sie auf der Welt ist, faszinieren Vanessa Mangold Fluri Pferde und Ponys. Einer ihrer ersten Sätze sei «Nessa hoppa hoppa» gewesen und habe so viel wie «Vanessa will reiten» bedeutet. «Pferde sind unglaublich ehrliche, authentische und sanfte Tiere. Das gefällt mir besonders an ihnen.» Ihre Pferde seien für sie wie Familienmitglieder, erklärt sie. Diese sind auf einem Hof oberhalb von Lüsslingen zu Hause. Sie leben in einer Herde, haben grosse Koppeln und Aussicht auf den Jura. In Lüsslingen betreibt Mangold Fluri zusammen mit ihrer Kollegin Denise Dahinden eine Reitschule. Die beiden haben sich durch die gemeinsame Leidenschaft für Pferde kennen gelernt und später beschlossen, zusammen die Reitschule «Hufschlag» zu gründen.

Pädagogisch wertvoll

Diese unterscheidet sich stark von anderen Reitschulen, denn sie basiert auf einer in Deutschland entwickelten Art des Reitens, genannt Hippolini. «Dabei geht es nicht nur darum, die Kinder auf ein Pferd zu setzen und es reiten zu lassen», erklärt Mangold Fluri. Hinter Hippolini stecke viel mehr. «Die Kinder lernen mit den Tieren alters- und artgerecht umzugehen und sie zu lesen, mit ihnen zu kommunizieren.» Es gehe darum, ein gesundes Bewusstsein für das Lebewesen Pony – und darüber hinaus auch für alle anderen Lebewesen – zu erhalten. «Wir haben die Reitschule gegründet, weil wir sonst nirgends eine Reitschule für unsere Kinder gefunden haben, die uns entsprach.» Hippolini-Reitschulen gebe es in der Schweiz nur wenige. «Mich überzeugte das Prinzip des Hippolini-Reitens, weil es nicht nur um die Kinder, sondern auch um die Ponys und Pferde geht.» Ausserdem sei es pädagogisch sehr wertvoll. «Die Kinder lernen dabei unglaublich viel.» Im Rahmen ihrer Hippolini-Ausbildung hat Mangold Fluri als Abschlussarbeit ein Buch geschrieben, um so das Hippolini-Konzept auch in der Schweiz zu verbreiten. Gleichzeitig soll die Geschichte aber auch eine Botschaft sein.

Mushu alias Pippo

Verschiedenste Pferde tummeln sich auf den Weiden in Lüsslingen, gross und klein, schwarz und braun, eine bunt gemischte Herde. Ein weisses Pony ist auch darunter. Es sieht aus wie jenes auf dem Buchdeckel von Mangold Fluris Buch. «Das ist Mushu», stellt die Reitlehrerin den weissen Racker vor. «Seine Geschichte erzähle ich leicht abgeändert in meinem Buch.» Mushu sei zwar klein, habe aber ein grosses Herz und dies, obwohl er keine leichte Vergangenheit hatte. «Ich gehe davon aus, dass er früher in einem Zirkus oder etwas Ähnlichem gehalten wurde und als Reitpony diente, das den ganzen Tag lang Kinder auf dem Rücken tragen musste.» Übernommen hat sie ihn von einem Pferdehändler, der ihn zum Schlachter bringen wollte. «Ein Pony braucht Artgenossen und eine artgerechte Haltung, ausserdem einen ausgeglichenen Alltag mit Arbeit und Freizeit, damit es körperlich und psychisch gesund bleibt.»

«Pippo hat Glück, denn Liebe allein reicht nicht» ist der Titel des Buches, das Mangold Fluri geschrieben hat. Die berührende und nachdenklich machende Geschichte von Mushu alias Pippo ist zudem liebevoll illustriert. «Das Buch soll ein Weckruf sein und den Leuten begreiflich machen, dass es wichtig ist hinzusehen und Dinge zu überdenken.» Man solle sich darüber Gedanken machen, wie es den Pferden und Ponys in der Reitschule der eigenen Kinder gehe und sich überlegen, was es für ein Pony bedeutet, im Zirkus den ganzen Tag Kinder auf dem Rücken zu tragen. «Ich will den Tieren mit meinem Buch eine Stimme geben. Nicht nur den Ponys, allen Tieren.» Und genau deshalb ist ihr Buch nicht nur ein Kinderbuch, sondern auch eines für Erwachsene.

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