Zuchwil
Mit dem Grossvater auf der «Putschibahn»: Wie der Chilbi-Park bei den Besuchern ankommt

Als «zufriedenstellend» wird die Pop-up-Chilbi in Zuchwil von den Betreibern bezeichnet. Ein Augenschein vor Ort zeigt, dass vor allem Familien gerne hierherkommen.

Vanessa Simili
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Mit dem Grossvater auf der «Putschibahn»
4 Bilder
Hoch die Arme, und dann kann es losgehen mit dem Vergnügen.
Eine kleine Abkühlung tut auch auf dem Chilbiplatz gut.
Neuer Besitzer gesucht.

Mit dem Grossvater auf der «Putschibahn»

Bilder: Michel Lüthi

Die Begrüssung an der Kasse ist freundlich. Bettina Römer sitzt beim Eingang des Winterquartiers der Firma Bauer am Emmenweg 23. Sie ist die Partnerin von Schausteller Andreas Bauer, seit 17 Jahren hilft sie am Wochenende aus. Während der Woche führt sie ihr eigenes Hotel im Kanton Schwyz mit 80 Mitarbeitenden. Das Angebot hier sei explizit auf Familien ausgerichtet, ist von ihr zu erfahren. Bei ihnen komme die Chilbi auch gut an, weiss sie. «Viele kommen beim Hinausgehen an die Kasse und bedanken sich.» Der Inhaber Andreas Bauer steht unweit davon an der Achterbahn «Crazy Clown».

Er bedient die Bahn, begrüsst die Kinder und ihre Eltern beim Einsteigen. Die zehnjährige Antonia, Tochter seines Cousins, hilft ihm, die Bügel einrasten zu lassen. Sie seien «angenehm überrascht» über die Anzahl Besucher. «Wir haben auch Besucher aus dem Kanton Zug und aus dem Aargau», freut er sich.

Klar sei der Chilbi-Park kein Ersatz für die verlorenen Einnahmen dieser Saison und nicht vergleichbar mit dem Betrieb in einem normalen Jahr. Aber so seien sie immerhin beschäftigt und könnten wenigstens im Rahmen des Möglichen arbeiten. «Einen so langen Winter hatten wir noch nie.» Dass ihr Geschäft wetterabhängig ist, sei hingegen nichts Neues. «Es darf nicht zu heiss sein und nicht regnen», sagt er. Angenehm und leicht bewölkt, das sei das perfekte Chilbi-Wetter.

«Wollten den Kindern etwas Abwechslung bieten»

Ein paar Schritte weiter fährt ein Mann mit Schirmmütze, vermutlich gegen 80 Jahre alt, Autoscooter. Eine Familie hat sich ebenfalls je ein Gefährt geschnappt. Der Vater fährt kaugummikauend seitlich in den Scooter der Mutter, sie lacht, die Kinder kichern. Unweit davon sitzt die 78-jährige Sonja Zürcher aus Zuchwil. Sie ist mit ihrem Mann und den beiden Enkelkindern Jael, 11, und Luca, 5, hier. «Wir wohnen ganz nah, und wir wollten den Kindern etwas Abwechslung bieten», begründet sie ihren Besuch.

Es gefällt ihr gut, und sie werden noch ein weiteres Mal kommen, sagt sie. «Ich hatte nicht vor, die Rutschbahn runterzurutschen, aber zusammen mit meinem Cousin Luca habe ich es dann doch ausprobiert», erzählt die Sechstklässlerin. «Niagara» ist die längste transportierbare Rutsche der Schweiz, Kilian Stadler aus Hochdorf bei Luzern ist für den Aufbau, den Betrieb und den Unterhalt zuständig. Er ist beim Schausteller Zanolla als Vorarbeiter angestellt. Dass die Sicherheit der Kinder von seiner Arbeit abhängt, ist für ihn «eine Selbstverständlichkeit», wie er sagt.

Wie man es für die eigenen Kinder sicher haben möchte, so sei ihm die Sicherheit von anderen Kindern ebenso ein Anliegen. Man glaubt es ihm. Er und die Rutsche scheinen zusammenzugehören wie Deckel auf Topf. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes gemacht. Der Eindruck trügt nicht. «Mit 22 Jahren habe ich damit begonnen.» Inzwischen sind 27 Jahre vergangen. «Man hat es im Blut oder eben nicht.»

Die Schausteller kommen aus einer Zirkusfamilie

Vor der Schiessbude stehen zwei Flaschen mit Desinfektionsmittel. Dort, wie auch für die Konsumation an den Imbissständen, zahlt man separat. Alles andere ist im Eintritt inbegriffen. Anna Bauer, die Schwester von Andreas Bauer, zieht den Besuchenden das Gewehr auf. Sie macht das, seit sie 13 Jahre alt ist. «Ich habe damals meiner Tante geholfen.»

Ihr Vater sei ursprünglich aus dem Elsass, ihre Mutter aus Deutschland. «Sie war aus der Zirkusfamilie Kaiser, er aus der Zirkusfamilie Bauer», berichtet sie. Bis zu ihrem zwölften Lebensjahr wuchs Anna Bauer im Zirkus ihres Vaters auf. «1969 gab er das Zirkusleben auf und begann, als Schausteller zu arbeiten», erzählt sie. «Zuerst nur mit einem Karussell, später folgte eine Schiffschaukel.» Inzwischen ist die Familie mit Andreas Bauers Sohn Mike in der dritten Generation als Schausteller tätig.

Der Chilbi-Park ist noch bis 30. August geöffnet, bis am 16. August täglich von 12 bis 20 Uhr, danach jeweils Mi 14–18 Uhr, Sa 14–20 Uhr und So 12–20 Uhr.

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