Ein E-Sport-Festival mit gegen 300 Teilnehmenden im beschaulichen Bucheggberg? Wieso nicht. «Die Mehrzweckhalle in Lüterkofen ist perfekt für unseren Anlass. Zudem kommen wir vom Organisationskomitee aus der Region», erklärt Daniel Moser (Präsident Verein Butterlan).

Er ist seit 2003 mit dabei und war bei allen 13 Austragungen der Butterlan dabei. «Der erste Anlass fand noch in Aetigkofen statt», erklärt er. Weil die Nachfrage schnell grösser wurde, reichte der Platz dort bald nicht mehr aus und man zügelte nach Lüterkofen.

Nicht nur ballern

Die Durchschnittsschweizerin denkt beim Stichwort Computerspiel in erster Linie an «Ballergames» in denen es vor allem darum geht, andere abzuschiessen. Das könne man so sehen, meinen Daniel Moser und Lauro Frei (IT-Verantwortlicher Verein Butterlan). Für sie sind Computerspiele aber etwas anderes. «Es gibt unglaublich viele verschiedene Spiele. Man kann sie einzeln spielen, gegeneinander, im Team. Es gibt Strategiespiele, Spiele, in denen man sich in die Spielfigur hineindenken muss, man muss sich gerne in einem Wettkampf messen, aber auch teamfähig sein.» Wichtig seien zudem die Motorik, Hand-Augen-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und Durchhaltevermögen, räumliches Orientierungsvermögen, Spielübersicht und Spielverständnis. Und dann wagen die beiden einen Vergleich: «Es ist wie eine Art Turnfest. Fussball, Landhockey und Basketball gleichzeitig.»

Und was wird an der Butterlan in Lüterkofen gespielt? Insgesamt finden elf verschiedene Turniere statt: Haupt- und Nebenturniere, die teilweise parallel zueinander gespielt werden. Eines der Spiele ist «Rocket Ligue». «Amüsant zum zusehen», meinen Moser und Frei. Zwei Dreierteams spielen gegeneinander. Ziel ist es mit einem Auto einen grossen Ball in ein Tor zu schiessen. «Das Spiel hat verschiedene Komponenten. Man muss im Team denken. Es gibt Verteidiger und Angreifer», so Moser. Um das Auto richtig steuern zu können sei eine gewisse Geschicklichkeit nötig, denn das Fahrzeug kann auch hüpfen. «Es ist ein Spiel, das sich sehr gut für Anfänger eignet.»

Fernsehen entdeckt E-Sports

«Counter-Strike» ist ein Spiel, wie es sich die Laien eher beim Begriff «Computerspiel» vorstellen. Die erste Version habe man schon vor 20 Jahren gespielt, seither sei es weiterentwickelt worden. Das Prinzip sei aber immer dasselbe. Ein Team mime Terroristen, deren Ziel es sei, eine Bombe zu legen. Das andere Team verkörpere Special Forces, die dies verhindern wollen. «Das Spiel ist sehr taktisch. Die Spieler im Team müssen sich gut absprechen und man muss die Karte, auf der gespielt wird, gut kennen.» Dass Counter-Strike tatsächlich eines der bekanntesten und beliebtesten Spiele weltweit ist zeigt auch, dass beispielsweise Prosieben Turniere , in denen es um Preisgelder bis zu 300'000 US-Dollar geht, live überträgt.

Nicht fehlen darf in Lüterkofen «Hearthstone». Es ist dem Kartenspiel «Magic» nachempfunden. Tatsächlich wird auch mit virtuellen Karten gespielt. Gefragt sei strategisches Denken, denn jede Karte hat einen bestimmten Wert. Allerdings brauche man auch ein wenig Glück, denn welche Karten man zugeteilt bekomme, kann man nicht voraussehen. «Die Karten können sich im Verlauf des Spiels entwickeln und haben plötzlich ganz verrückte Effekte.» Beliebt ist «Heartshstone», weil beim Turnier eine spezielle Karte kreiert werden darf, die jeder Teilnehmer als Souvenier heimnehmen kann.

Treues Stammpublikum

Wozu braucht es heute noch eine Lan-Party? Mit der modernen Technik wäre es ja problemlos möglich, von zu Hause aus gegeneinander zu spielen. «Das ist richtig. Die Lan-Partys entstanden, weil das Internet früher nicht schnell genug war, um die teilweise komplexen Spiele zu spielen. Bei einer Lan-Party verbinden sich die Teilnehmenden auch heute noch auf einem lokalen Netzwerk und spielen gegeneinander», erklären Daniel Moser und Lauro Frei.
«Fast die Hälfte der Teilnehmer kommt jedes Jahr zu uns an die Butterlan», so Moser.

Tatsächlich sind bereits drei Viertel der Plätze in der Halle belegt. Das OK versucht, den rund 300 Personen das möglichst optimale Umfeld zu bieten. Einerseits ist das ein stabil und reibungslos funktionierendes Netzwerk. Wichtig ist für Daniel Moser aber auch die Verpflegung. «Wir kochen selbst, mit Produkten aus der Region. Darauf legen wir grossen Wert.» Dem Verein Butterlan geht es nicht darum, ein möglichste spektakuläres Turnier auf die Beine zu stellen. «Wir möchten dass unsere Party nicht nur Wettkampf, sondern auch ein Fest für alle ist.»

So ist die Bar ausserhalb der Mehrzweckhalle auch für Nicht-Gamer geöffnet und wer möchte, kann sich vor Ort, ohne Anmeldung, selbst in einem Spiel versuchen. Eröffnet wird die Lan-Party zudem mit einem ganz gewöhnlichen Jass-Turnier. Mit Karten und Schiefertafeln. Zweimal wird zudem eine Band live aufspielen.

Rund 50 Helfer

«Wir sind nicht gewinnorientiert und können das Turnier so gestalten, wie wir das möchten.» Ein allfälliger Gewinn werde umgehend wieder in den Anlass – und dabei vor allem in die Technik – gesteckt. Die elf Vereinsmitglieder sind während des Turniers fast im Dauereinsatz. Jeder ist für einen Bereich zuständig, wird aber ebenso im Küchen- oder im Aufräumdienst eingesetzt. «Alle sollen zudem genügend Ruhepausen haben, damit sie vom Anlass selbst auch noch etwas mitbekommen.» Dazu kommen diverse freiwillige Helfer, ohne die die Butterlan nicht durchgeführt werden könnte.