Lüsslingen-Nennigkofen
Mit Bedauern zur Kenntnis genommen: Nach 13 Jahren kommt das Aus für das Cornfield Openair-Hotel

Eine strengere Auslegung der Regeln durch das Amt für Raumplanung verhindert, dass Erika Bader Schluep und Herbert Schluep das Maishotel weiterführen können.

Rahel Meier
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2013: Erika Bader Schluep und Herbert Schluep bei der Saisoneröffnung des Maishotels.

2013: Erika Bader Schluep und Herbert Schluep bei der Saisoneröffnung des Maishotels.

Hanspeter Bärtschi

Nach 13 Jahren ist Schluss. Das "Cornfield Openair-Hotel" in Nennigkofen wird nicht mehr eröffnet. Das Maishotel wurde in all diesen Jahren von Herbert Schluep und Erika Bader Schluep mit viel Engagement geführt. Im Jahr 2015 wurde zum letzten Mal eine Betriebsbewilligung für fünf Jahre erteilt. Darum wurde dieses Jahr wieder ein Gesuch für die Jahre 2020 bis 2024 gestellt. Nachdem das Amt für Raumplanung die Bauherrschaft dazu aufforderte, das Baugesuch zu überarbeiten, wurde es aber zurückgezogen. Spielverderber ist das Raumplanungsgesetz (RPG) und Art. 24b. Darin geht es um nichtlandwirtschaftliche Betriebe ausserhalb der Bauzonen.

Geschäftsführer einsetzen geht nicht mehr

Als das Maishotel zum ersten Mal bei der grossen Scheune im Oberfeld eröffnet wurde, war Herbert Schluep noch Landwirt mit einem eigenem Betrieb. In der Zwischenzeit hat er diesen vollständig übergeben. Schon im Jahr 2015 dauerte es länger, bis die Bewilligung für das Maishotel durch die kantonalen Behörden ausgestellt wurde. Damals brauchte es eine zweite Ausschreibung des Baugesuches. Als Bauherrschaft wurden die neuen Besitzer des Hofes aufgeführt. Erika Bader Schluep und Herbert Schluep wurden als Geschäftsführer des Cornfield Openair genannt. Dies wurde damals noch so akzeptiert. «Das Amt für Raumplanung hat uns nun aber darauf aufmerksam gemacht, dass diese Lösung heute nicht mehr möglich ist», erklärt Herbert Schluep auf Anfrage. «Das Maishotel gilt als landwirtschaftlicher Nebenbetrieb und muss zwingend von den Bewirtschaftern selbst geführt werden», so Schluep. Es dürfte zwar Personal angestellt werden, die Hauptarbeit müsse aber von der Bewirtschafterfamilie erbracht werden. Die Arbeit an Geschäftsführer zu übergeben sei nicht möglich. Als problematisch werde zudem auch das Beizli angesehen, das jeweils in der Scheune betrieben wurde. «Ohne die Gastronomie kann das Maishotel aber nicht kostendeckend geführt werden», so Schluep deutlich.

Bis zu 900 Übernachtungen

Für das Maishotel wurden jedes Jahr rund 60 Aren Mais angepflanzt. Sobald der Mais eine gewisse Höhe hatte, wurden die Zimmer und Gänge aus dem Mais geschnitten. Damit gingen rund zehn Aren verloren. Der restliche Mais wurde im Herbst jeweils ganz normal geerntet, zu Silofutter verarbeitet und an die heimischen Kühe verfüttert.

Das Maishotel bestand in den letzten Jahren jeweils aus 14 Zimmern mit 20 Betten. Die Gäste schliefen zwar in einem Bett, aber auf einer Matratze aus Strohballen. Die Wände bestanden aus Maispflanzen, als Dach wurde jeweils ein Zelt aufgespannt, vor den Mücken schützten Hanfpflanzen.

In einem kleinen Beizli, das in der Scheune eingerichtet wurde, wurde den Gästen jeweils das Frühstück serviert. Zudem wurde das Beizli in der Saison von Mitte Juni bis Ende August samstags und sonntags auch für die Allgemeinheit geöffnet. Neben der Scheune wurde jeweils eine zentrale WC- und Waschanlage eingerichtet. Das ist einer der Gründe, wieso es für das temporäre Hotel mitten in der Landwirtschaftszone ein Baugesuch braucht. Bei einem starken Gewitter konnten die Hotelgäste zudem jederzeit in der Scheune Zuflucht suchen.

In den besten Jahren übernachteten rund 900 Personen im Maishotel.

Schaler Nachgeschmack bleibt trotzdem

«Das Gesetz ist klar und das Amt für Raumplanung hat entschieden», meint Schluep. Der Entscheid hinterlasse trotzdem einen schalen Nachgeschmack. «Gerade in Zeiten in denen es originelle Initiativen von Kleinunternehmern braucht, wäre es schön, wenn mit Bürokratie nicht nur verhindert, sondern auch mitgeholfen würde, kreative Lösungen zu finden», meinen Schlueps. «Wir haben die Arbeit im Maishotel gerne gemacht und wir hatten auch viele tolle Begegnungen mit Gästen aus dem In und Ausland», so Erika BaderSchluep.

Die beiden haben in der Zwischenzeit auch auf der Homepage des Cornfield Openair kommuniziert, dass der Betrieb nicht mehr geöffnet wird. Im Bucheggberg wird der Entschied mit Bedauern zur Kenntnis genommen. Denn auch die Einheimischen haben das Beizli im Maishotel im Sommer gerne genutzt.

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