Gerlafingen

Minigolf, ein Spiel für Präzisionsfans – am 3. und 5. Juni messen sich die Besten

Andreas Schneider lässt sich beim konzentrierten Spiel nicht von anderen Spielern und Zuschauern ablenken.

Andreas Schneider lässt sich beim konzentrierten Spiel nicht von anderen Spielern und Zuschauern ablenken.

Am 3. und 5. Juni findet die die Schweizer Minigolf-Mannschaftsmeisterschaft in Gerlafingen statt. Eine Sportart die höchste Konzentration und Kondition erfordert.

«Der Unterschied zwischen Hobby-Minigolf und Minigolf auf höchster Stufe liegt im Material. Wenn man Fussball mit einer Kartonschachtel spielen würde, wäre ein präzises Spiel auch nicht möglich.» Mit diesen Worten umschreibt Fritz Rickli, Präsident des Minigolf-Clubs Eichholz Gerlafingen, den Unterschied zwischen Plausch und Leistungssport in seiner Vorzugssportart. Für den Leistungssportler stehen mehrere 10 000 verschiedene Bälle zur Verfügung, während der Pläuschler mit dem Kassenhäuschen-Ball vorlieb nehmen muss.

Wie viele dieser hoch entwickelten Spezialbälle zwischen dem 3. und 5. Juni 2016 auf der Minigolf-Anlage beim Schwimmbad Eichholz in Gerlafingen zur Anwendung kommen, kann nicht gesagt werden. Über dieses Wochenende erkürt die Schweizer Minigolf-Elite im Wasseramt ihre Mannschafts-Landesmeister bei den Damen und bei den Herren in der Nationalliga A. Bei den Damen sind es sechs Dreier-Teams, während bei den Herren sieben Sechser-Equipen Gastgeber und Organisator Eichholz Gerlafingen an der Titelverteidigung hindern wollen.

Siegreiche Solothurner

Interessant ist, dass seit 2003 ausser viermal Bronze für den MC Burgdorf, 2011 sowie von 2013 bis 2015 die je 13 Männer-Gold- und Silber-Medaillen sowie neun Bronze-Auszeichnungen in den Kanton Solothurn gingen – nebst Eichholz (13 Medaillen) an Olten (13) und Neuendorf (9). Letztes Jahr in Effretikon konnten die Eichhölzler die Serie von sieben aufeinanderfolgenden Titeln des MC Olten brechen und die Eisenbahnstädter auf den Silber-Platz verweisen. Olten ist ein Zusammenzug von Spitzenspielern aus allen Landesteilen mit zwei österreichischen Leihspielern aus dem Vorarlberg. Die Wasserämter setzen hingegen auf eigene Kräfte. Aus den eigenen Junioren sind Kai Lödding, Andreas Schneider und Angelo Friedli in die Mannschaft um die Routiniers und Topspieler Samuel Hofer und Raphael Wietlisbach hinein gewachsen. Trotzdem schreiben die Organisatoren im Festführer: «Sicher aber sind die Dreitannenstädter der erklärte Favorit».

Spitzen-Minigolf ist bedingt kein Altherrensport. Der 66-jährige Rickli, 2011 Schweizer Seniorenmeister, sagt: «Minigolf kann bis ins hohe Alter gespielt werden und schön ist, dass dieser Sport generationenübergreifend ist.» Als Beispiel führt er den MC Berner-Falken an, der 2013 sogar mit drei Generationen aus der Familie Zuberbühler antrat und auch dieses Jahr den Ligaerhalt schaffen will. Dies ist ohne Nachteil möglich, da technische Abläufe wesentliche Elemente dieses Spiels sind.

Die Jungen fehlen

Weil die heute gefragte «Action» fehlt, ist Minigolf für die Jungen nicht sehr interessant. Für sie ist es zu statisch. Bewegung und körperlicher Einsatz fehlen, obwohl hohe Konzentration und Kondition wesentlich sind. Zudem ist der direkte Vergleich mit den Mitspielenden nicht möglich. «Der Nachwuchs fehlt überall und so sind seit den Hochzeiten in den 80er-Jahren die ausgegebenen Lizenzen auf einen Drittel zurückgegangen», bedauert Rickli. «Die Veränderung der Gesellschaft merken auch wir, die Jungen legen sich nicht mehr fest und wollen sich nicht binden lassen», ergänzt das Ehrenmitglied des Schweizer Verbandes «swiss minigolf» und von Eichholz. Der Betrieb einer eigenen Minigolf-Schule beim Gewinner des diesjährigen kantonalen Sportpreises musste deshalb eingefroren werden.

Konzentration und Wissen

Da nützt auch nichts, wenn Minigolf jedermann kennt. «Wer hat das nicht schon gespielt?», so die rhetorische Frage Ricklis. Dann sind wir wieder bei den Unterschieden: Plausch am Feierabend, Wochenende oder in den Ferien. «Minigolf verlangt eine hohe Präzision. Der Einsatz des richtigen Materials muss eingeschätzt werden und die Präparierung der Bälle bezüglich der Temperatur ist wichtig, so hat jede Mannschaft ihren Wärmekoffer dabei», erklärt der erfahrene Vereinspräsident.

Man müsse sich auf jeder Bahn herantasten, denn es spiele eine wichtige Rolle, ob morgens um 8 Uhr oder am Nachmittag bei starkem Sonnenschein gespielt werde, da könne auf der gleichen Bahn nicht der gleiche Ball eingesetzt werden, so Rickli. Deshalb ist Minigolf als Spitzensport sehr trainingsintensiv und verlangt viel Wissen ebenfalls bezüglich Beschaffenheit und Konstruktionen der Anlagen. «Hier löst sich Minigolf vom Familienspass», sagt der in Bellach wohnende gebürtige Stadtsolothurner. Und er fügt an: «Spitzenspieler können Ferien vergessen!». Deshalb sind die 14 Finalisten seit April periodisch in Gerlafingen anzutreffen. International wird es noch anspruchsvoller, wenn die europäischen Meisterschaften in Finnland oder Portugal stattfinden. «Dies ist auch ein Grund, der viele Junge abhält», schiebt Rickli nach.

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