Die Katze schaut in die Runde. Irgendwie ist zu spüren, dass ihr etwas nicht behagt. Aber Terry Spillmann, Gemeindepräsident von Kammersrohr, kann nicht auch noch auf die Befindlichkeit der Katze Rücksicht nehmen.

Er hat schon genug damit zu tun, die richtigen Worte zur Zukunft der Kleinstgemeinde zu finden. Die acht erschienenen Stimmberechtigten sitzen im Gemeindehaus, das normalerweise als Privatwohnung dient. Aber im Mietvertrag ist festgehalten, dass die Kammersrohrer sich zweimal, bei Bedarf auch öfters, im grossen Zimmer des Gemeindehauses, normalerweise eine Stube, treffen dürfen. Sofa, Stühle und Tisch wurden ordentlich zurechtgerückt.

Fernseher und sonstige Inneneinrichtungsgegenstände zieren den Versammlungsraum. Gemeindepräsident und Gemeindeschreiberin Alissa Vessaz sitzen gegenüber den Stimmberechtigten und führen durch die Versammlung. Praktisch ist zudem, dass mit den Gastgebern bereits zwei Stimmberechtigte jeweils auf sicher anwesend sind.

Alleingang ernsthaft erwägen

Zurück zur Zukunft von Kammersrohr: Eigentlich sei alles für eine Fusion aufgegleist gewesen. Im Oktober hätte die Abstimmung stattfinden sollen und die Kammersrohrerinnen sowie Kammersrohrer hätten auswählen dürfen, welcher Gemeinde aus der Auswahl von Feldbrunnen, Günsberg und Hubersdorf sie sich anzuschliessen gedenken. Gab der Kanton vorher grünes Licht, so habe er angesichts der Abstimmung eine Kehrtwende gemacht.

Ein Dreiervorschlag sei gesetzlich nicht vorgesehen, begründete der Kanton. Der dreiköpfige Gemeinderat liebäugle seither wieder mit der Idee, eigenständig zu bleiben. «Der Gemeinderat ist der Meinung, es gibt Lösungen. Ein Alleingang ist nicht ausgeschlossen, wir wollen das wieder ernsthaft erwägen», so Spillmann. Nun werde geschaut, was machbar ist. Er selber werde als Gemeindepräsident Ende Legislatur aufhören. «Ich will der Gemeinde weiterhin helfen. Aber wir brauchen eine Nachfolge.»

Jede und jeder in der Gemeinde sei aufgefordert, mitzuhelfen und Chargen zu besetzen. «Es braucht die Bereitschaft von Leuten, Funktionen zu übernehmen.» Unabhängig sei man zwar klein, aber beweglich. Zusammen mit einer anderen Gemeinde sei man nur noch ein Mosaiksteinchen.

Nochmals tiefer Steuersatz

Nicht angerührt werden muss im kommenden Jahr der Steuersatz von 60 Prozent. Das Budget sei ein Glücksfall, warnt aber Terry Spillmann. Denn einerseits sind die Bildungskosten tiefer, weil Kammersrohr aktuell keine Primarschüler an die Gemeinsame Schule Unterleberberg entsendet. «Das ist natürlich kein Glücksfall, ein Dorf braucht Kinder.»

Andererseits erhält die Gemeinde einen Beitrag aus dem kantonalen Finanz- und Lastenausgleich. «Das wird sich aber ändern. Noch profitieren wir davon, nur einen Viertel des Finanzausgleiches leisten zu müssen.» Zusammen mit den weiteren Ausgleichszahlungen führt das für 2016 zu einem Plus. «Wir müssen den Steuersatz wahrscheinlich von Jahr zu Jahr betrachten. Es kann sich blitzschnell ändern», so Spillmann.

Nach der Versammlung offeriert das Gastgeberpaar Glühwein. Es lebt erst seit einem Jahr in dieser Gemeindewohnung mit dem Spezialarrangement. Auch die Katzen, es sind zwei ähnlich aussehende, wirken weniger gestresst. Ihr Platz auf dem Sofa ist wieder frei.