Wohin soll sich die Gemeinde Messen entwickeln? Wie soll der Boden genutzt werden? Wo soll gewohnt und gearbeitet werden? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigte sich der Gemeinderat im Rahmen der Vorstellung des räumlichen Leitbildes.

Das Hauptziel ist klar: Messen stellt im Limpachtal ein wichtiges Zentrum dar und soll unbedingt eigenständig bleiben. Die Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden gilt es dabei weiterhin zu pflegen. Offen ist Messen auch für weitere Gemeindezusammenschlüsse.

Essentiell ist zudem, die vorhandene Qualität sowie den ländlichen Charakter beizubehalten und zu fördern. Dazu gehört auch, die Identität der vier Ortsteile zu erhalten. Zu diesem Schluss kam eine Umfrage, welche vorgängig in der Bevölkerung durchgeführt wurde. «Grossmehrheitlich wollen die Einwohner nicht, dass wir die Gemeinde komplett auf den Kopf stellen. Die hohe Qualität, welche wir heute haben, soll bewahrt und nicht einem Wachstumswahn geopfert werden», erklärt Gemeindepräsident Bernhard Jöhr.

500 statt 150 Zuzüger

Die kantonale Bevölkerungsprognose geht in einem mittleren Szenario von einer Zunahme um 82 Personen auf 1579 Einwohner bis ins Jahr 2040 aus. Im hohen Szenario rechnet der Kanton mit 151 neuen Einwohnern für denselben Zeitraum. Das entspricht einer jährlichen Zunahme von durchschnittlich 3,7 Personen. Damit geht die kantonale Prognose insgesamt von einem geringeren Wachstum aus, als es der Trend in den letzten Jahren aufzeigte.

Denn der Wert des langfristigen durchschnittlichen Bevölkerungswachstums in den letzten 25 Jahren auf dem gesamten Gemeindegebiet von Messen liegt bei 14 Personen pro Jahr. Die Arbeitsgruppe rechnet im räumlichen Leitbild daher – entgegen der kantonalen Prognose – mit einem stärkeren Bevölkerungswachstum. So strebt die Gemeinde für die nächsten Jahre eine Zunahme von rund 250 Einwohnern auf 1750 Personen und längerfristig auf maximal 2000 Einwohner an.

Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, sei im Rahmen der kommenden Ortsplanungsrevision Raum für Wohnnutzungen auszuscheiden. Insbesondere sollen die innere Verdichtung und die bessere Nutzung von bestehenden Bauten gefördert werden. Eine verdichtete Bauweise soll dabei hauptsächlich ausserhalb der Ortsbildschutzbereiche stattfinden.

Bei unbebautem Bauland ist zudem vorgesehen, dass vertragliche Bauverpflichtungen mit den Grundeigentümern gemäss Paragraf 26 des Planungs- und Baugesetzes (PBG) angestrebt werden, und falls neues Bauland eingezont wird, dann soll dies schwerpunktmässig im Ortsteil Messen geschehen. Ein typisches Merkmal von Messen, welches zu erhalten ist, ist die Durchmischung von Wohnen und Gewerbebetrieben. So sollen Einkaufsmöglichkeiten und Kleingewerbe, sofern möglich, auf dem heutigen Stand bleiben. Aus diesem Grund wird auch keine reine Gewerbezone angestrebt.

Platz für Familien schaffen

Eine weitere Besonderheit von Messen stellt die demografische Entwicklung dar. Zwar hat die Gruppe der über 65-Jährigen wie vielerorts auch hier am stärksten zugenommen. Die Quote von 13,2 Prozent liegt aber immer noch unter dem kantonalen Durchschnitt von 13,8 Prozent. Weiter kann die Gemeinde – im Vergleich zu anderen ländlichen Gebieten – einen relativ konstanten Anteil an jungen Bürgern aufweisen. «Betrachtet man die Zahlen, ist in den letzten Jahren keine Überalterung in Messen festzustellen», erklärt Planer Uriel Kramer (W+H Biberist).

Die mit Abstand grösste Gruppe bilden aktuell allerdings die 40- bis 64-Jährigen, die vornehmlich in Einfamilienhäusern wohnen. Von diesen dürfte in rund 15 Jahren ein beträchtlicher Teil im Pensionsalter sein. Aus diesem Grund soll in Betracht gezogen werden, Wohnungen für den 3. Lebensabschnitt zu fördern. Dies wiederum schafft Potenzial für Familien mit Kindern, welche die Einfamilienhäuser nutzen könnten. «Wenn es kein Angebot gibt, dann bleiben die älteren Leute allein in ihren Häusern, weil sie mit Messen verbunden sind und das Dorf nicht verlassen möchten», sagt Kramer. Selbstverständlich, so Kramer weiter, sei niemand verpflichtet, von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Wenn es dieses aber gar nicht erst gäbe, dann würde eine Chance verpasst werden.

Der Gemeindepräsident pflichtet bei und erklärt, dass für sämtliche Generationen optimale Bedingungen geschaffen werden müssen. «Es war für uns ein besonders wichtiger Aspekt, die gesunde Altersdurchmischung weiterhin aufrechtzuerhalten», so Jöhr. Denn erst dadurch bleibe ein Dorf lebendig.