Messen
Nächtliche Glockenschläge führten zu Diskussion, doch Umfrage zeigt nun: Das Geläut stört die Mehrheit nicht

In Messen fühlten sich zwei Anwohner durch die nächtlichen Glockenschläge im Schlaf gestört. Der Gemeinderat wollte es genau wissen und startete eine Umfrage bei der Dorfbevölkerung. Diese zeigt: In der Bevölkerung herrscht eine grosse Unterstützung für das Glockengeläut.

Patric Schild
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Das Glockengeläut stört die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung von Messen nicht.

Das Glockengeläut stört die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung von Messen nicht.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Da sich zwei in Messen wohnhafte Personen durch den nächtlichen Glockenschlag in ihrem Schlaf gestört fühlen, wandten sie sich an die Kirchgemeinde. Diese ist allerdings nur für das sakrale Glockengeläut zuständig, nicht für den weltlichen Viertel-, Halb- und Stundenschlag, weshalb das Anliegen an die Einwohnergemeinde weitergeleitet wurde. Der Gemeinderat wollte mittels einer Umfrage herausfinden, wie die gesamte Bevölkerung zur Glockenthematik steht.

Über das ganze Gemeindegebiet hinweg wurden 710 Fragebögen verschickt, wovon 253 oder 35,6 Prozent ausgefüllt an den Rat zurückgelangten. Etwas differenzierter sieht das Bild aus, wenn lediglich der Ortsteil Messen betrachtet wird. Dort kamen 207 der insgesamt 404 verschickten Fragebögen zurück, was einer Rücklaufquote von 51,2 Prozent entspricht. «Für eine Meinungsumfrage ist das ein gutes Ergebnis», sagt Gemeindepräsident Bernhard Jöhr zufrieden.

Auch den Viertelstundentakt begrüsst eine Mehrheit

Der Rat konzentrierte sich bei seinen Überlegungen zum weiteren Vorgehen vor allem auf die Antworten aus dem Messener Ortsteil, da die Kirche mit ihrem Glockenturm in dessen Zentrum steht und daher primär dessen Anwohnerschaft betrifft. Und dort fiel das Resultat relativ eindeutig aus. Eine grosse Mehrheit fühlt sich durch die Glockenschläge nicht gestört und vertritt die Auffassung, dass sie auch weiterhin des Nachts erklingen sollen. Einzig bei der Frage, ob die Glocken ab 24 Uhr bis 6 Uhr nur noch die ganzen Stunden anstatt im Viertelstundentakt schlagen sollen, antwortete ein knapper Viertel mit «Ja» oder «eher Ja».

Der Rat hatte nun zu entscheiden, wie er mit den vorliegenden Ergebnissen weiter verfahren soll. Wobei die Meinungen schnell gemacht waren. «Ich bin klar dafür, dass wir es beibehalten wie bisher», sagte Adrian Schluep. Sandra Nussbaumer erläuterte, dass sie oft auf die Umfrage angesprochen wurde und dabei ganz unterschiedliche Ansichten geäussert wurden.

Die Diskussionen zur Thematik seien auf beiden Seiten zum Teil sehr emotional verlaufen. Dies ist auch aus den Kommentaren der Fragebögen zu entnehmen. So wurde auf der einen Seite das Geläute als alter Zopf, den es endlich abzuschneiden gelte, bezeichnet. Auf der anderen Seite wurden Wegzugsempfehlungen an jene laut, die sich am Klang stören. Aber auch Nussbaumer vertrat den Standpunkt, dass der deutlich geringere Anteil derer, die eine Änderung wünschen, nicht die Kosten rechtfertigen, die dadurch anfallen. Berechnungen im Vorfeld hatten ergeben, dass eine nächtliche Abschaltung rund 7000 Franken kosten würde. Der Rat war letztlich einstimmig der Meinung, dass nichts an der bestehenden Ordnung geändert wird.

Das Bundesgericht hat bereits einmal geurteilt

Der Gemeindepräsident ergänzte abschliessend, dass es jeder Person selbst überlassen sei, ob sie weitere Schritte einleiten wolle. Jöhr verwies aber auch auf den Bundesgerichtsentscheid im Fall der Gemeinde Wädenswil (ZH), in dem es um die genau gleiche Fragestellung ging.

Dazumal kamen die Lausanner Bundesrichter zum Schluss, dass es keinen Anlass gebe, um von der bisherigen Rechtsprechung abzuweichen. Die Massnahme sei angesichts ihrer beschränkten Wirkung in Bezug auf den Lärmschutz und dem in der Gemeinde fest verwurzelten nächtlichen Glockenschlag nicht gerechtfertigt, lautete damals Ende 2017 die Begründung.

Auch der Kanton bescheinigte Jöhr, dass die Gemeinde gute Chancen hätte, sollte es zu einem Gerichtsfall kommen. Ein schwacher Trost bleibt all jenen, die sich mehr Ruhe gewünscht haben: Das Glockengeläut wird demnächst gleich komplett eingestellt, allerdings aufgrund von Revisionsarbeiten.