Oberdorf
Mehrfamilienhaus soll isolierte Menschen zusammenführen

Catherine und Ambros Bissegger hatten in ihrem Leben Glück und wollen dieses weitergeben. Sie bauen in Oberdorf ein Mehrfamilienhaus, das vor allem von Menschen ab zirka 55 Jahren mit schwacher sozialer Einbindung bewohnt werden soll.

Urs Byland
Merken
Drucken
Teilen
Catherine und Ambros Bissegger vor dem Rohbau in Oberdorf.

Catherine und Ambros Bissegger vor dem Rohbau in Oberdorf.

Urs Byland

Das Mehrfamilienhaus an der Hälegärtlistrasse 8 ist bald fertig gebaut. Von einem Mehrfamilienhaus zu sprechen, ist aber nicht treffend. Denn die zwölf Wohnungen richten sich an besondere Familien.

Gefragt sind für die 2 1/2- und 3 1/2-Zimmer-Wohnungen insbesondere Menschen ab zirka 55 Jahren mit schwacher sozialer Einbindung, die wieder gesellschaftlichen Anschluss finden wollen. «Der Weg aus der Isolation» umschreiben Catherine und Ambros Bissegger ihr Projekt. Ziel ist es, ab Sommer 2015 eine Hausgemeinschaft aufzubauen.

«Wir hatten in unserem Leben viel Glück», berichtet der 50-jährige Ambros Bissegger. Sie müssten sich finanziell keine Sorgen machen und seien viel herumgereist. Glück habe auch seine Frau Catherine gehabt, die sich von einer jahrelangen schweren Krankheit erholen konnte. «Uns ist es ein Anliegen, dieses Glück weiterzugeben», erklären sie und er. Es sei für sie ein wenig wie eine Pflicht. Deshalb haben sie sich für diesen Weg entschieden.

Die Möglichkeit, in einer Hausgemeinschaft zu leben, öffne Türen, um mit anderen Leuten in Kontakt zu kommen. Das Angebot richte sich an Menschen, die sich aufgrund von Veränderungen in ihrem Leben wie Scheidung, Tod des Partners oder Auszug der Kinder plötzlich auf sich alleine gestellt wiederfinden. «Leute, die so einsam sind, dass sie nicht mehr Anschluss zur Gesellschaft finden», beschreibt es Catherine Bissegger. «Von diesen Leuten hört man nichts, man sieht sie nicht, sie gehen nicht zu sozialen Diensten.»

Ein Gefühl, dass Ambros und Catherine Bissegger nachvollziehen können. Sie kommt aus Frankreich, er ist Deutschschweizer, die Kinder sind ausgezogen und weil die beiden viel unterwegs waren, besteht auch keine starke Bindung zu einem Ort. «Wir waren an einem Punkt angelangt, an dem wir uns nach einem Daheim sehnten und neu anfangen wollten.»

Überschaubares Risiko

«Bon port» nennen sie ihr Mehrfamilienhaus in Oberdorf. Das Risiko sei überschaubar, erklärt Ambros Bissegger. Funktioniere die Idee nicht, hätten sie am Ende einfach ein Mehrfamilienhaus. Sie würden nun die richtigen Mieter suchen und geben, was sie haben: «Zeit und Engagement.» Aber, damit dies nicht missverstanden werde: «Pflege bieten wir keine an. Es ist ein Wohnprojekt für Menschen, die noch selbstständig sind oder Hilfe von ausserhalb wie Spitex etc. in Anspruch nehmen.»

Gesucht sind also Menschen, die aufgrund ihrer persönlichen Situation mitmenschlichen Kontakt suchen und sich gerne in ausgesuchten Tätigkeiten und je nach Neigung in der und für die Hausgemeinschaft einbringen möchten. So beschreiben Catherine und Ambros Bissegger das Profil der künftigen Mieter, die aus der ganzen Schweiz willkommen seien.

Modern und nicht teuer

Neben den kleinen Wohnungen für die spezielle Mieterschaft bietet das kompakte Gebäude einen Gemeinschaftsraum mit Küche sowie zwei separate Gästezimmer. «Da die Wohnungen beschränkten Platz bieten, war es naheliegend, den Mietern zusätzlichen Raum zur Verfügung zu stellen.» Das Gebäude verfügt über eine anspruchsvolle Technik mit Wärmepumpe, Sonnenkollektoren, Photovoltaikanlage und Regenwasserspeicherung.

Dennoch sollen die Wohnungen am Ende für ein breites Publikum, auch mit bescheidenen finanziellen Möglichkeiten, erschwinglich sein. Die Rede ist von zirka 1200 Franken ohne Nebenkosten für eine 2 1/2-Zimmer-Wohnung.

Die ersten Mieter

Die Hausgemeinschaft unterscheide sich vom normalen Miethaus durch den Willen seiner Bewohner, zusammen ein Ziel zu erreichen, erklärt Ambros Bissegger. «Der Beitrag eines jeden gibt dem anderen das Gefühl der Einheit.» Dass dies für Catherine und Ambros Bissegger nicht leere Worte sind, zeigt ihr Engagement. Sie werden die ersten Bewohner des neuen Gebäudes sein. Sie wollen aber nicht die Anführer dieser Hausgemeinschaft sein, sondern einfach Mitglieder der Gruppe.