Selzach

Massimo Rocchi kommt ins Passionsspielhaus

Felix Gerber

Massimo Rocchi kommt im August mit seinem Programm nach Selzach.

Felix Gerber

Als erster Kleinkunst-Vertreter wird er auf der renovierten Bühne des Passionsspielhauses auftreten. Aber erst im August.

Nach der Renovation der Bühnentechnik im Passionsspielhaus Selzach haben die Verantwortlichen den Wunsch, auch ausserhalb der Sommeroper-Produktion Künstler auftreten zu lassen. Eine Art Kleinkunstbühne könnte also so entstehen.

Der erste Künstler, der mit seinem eigenen Programm nun in Selzach die Passionsspielhausbühne betritt, ist der Komiker Massimo Rocchi. Am 22. und 23. August wird er dort sein aktuelles Programm «EuÄ» auf die Bühne bringen. Sein Programm ist den Menschen in Europa gewidmet; Ihren Eigenarten und Eigenschaften, ihren Gemeinsamkeiten und Zusammenhängen. Er stellt Europa dem Schweizer Publikum vor: philosophisch, griechisch, astronomisch, kulinarisch und auch «sonstisch».

Doch wie kommt ein Komiker, wie Rocchi, der derzeit in Deutschland – im August in der Münchner Lach- und Schiessgesellschaft – auftritt, in ein Dorf wie Selzach?

Massimo Rocchi: «Als im Passionsspielhaus 2014 «Faust» aufgeführt wurde, kam ich hierher, weil mich die Kunst einer jungen Sängerin interessierte. Das Ganze wurde zu einem unvergesslichen Abend: das Haus, die Atmosphäre, die Leute hier. Ich war völlig hingerissen, sie haben mich erwischt. Da sagte ich mir: Hier möchte ich auch mal auftreten. Ich nahm Kontakt mit den Verantwortlichen auf und man behielt das im Hinterkopf.

Und jetzt ist es nach der Renovation soweit?

«Ja, René Gehri teilte mir mit, dass man an meinem Auftritt Interesse habe und so hab ich meinem Management Freddy Burger mitgeteilt, dass ich hier auftreten möchte. Die hatten natürlich keine Ahnung, wo Selzach liegt. Aber jetzt wissen sie es.

Sie selbst kannten das Dorf vorher auch nicht, oder?

Nein. Obwohl ich in Solothurn und Grenchen schon aufgetreten bin und nächstens auch nach Biel gehe. Dennoch denke ich, ich kenne die Schweiz sehr gut.

Sie selbst leben ja in Basel. Warum ausgerechnet dort?

Ich war ja einige Zeit in Bern zu Hause. Doch dann hat es mich nach Basel verschlagen und es gefällt mir dort schon sehr gut. Ich glaube, die Stadt ist urbaner, europäischer. Vielleicht weil es eine Grenzstadt ist. Dazu hat sie eine so lange und bedeutende Geschichte. Andererseits – ist auch Basel ein Dorf. Man kennt sich.

Vor Publikum in München oder in Selzach aufzutreten, ist sicher nicht dasselbe. Oder doch?

Ich freue mich auf jeden Auftritt. Und dass ich in Selzach nun der Erste ausserhalb der Sommeroper bin, ist natürlich etwas Besonderes. Ich komme dafür extra aus München angereist und muss dann wieder dorthin zurück zum Auftreten. Das Publikum birgt überall die gleiche Herausforderung. Wenn das Licht ausgeht, zählt, was im Moment passiert. Jeder Abend ist ein neuer Anfang, ob in der Millionenstadt oder im Dorf. Einem Kind erzählt man auch jeden Abend die gleiche Geschichte. Wichtig ist aber, wie man sie erzählt. So verstehe ich meine Kunst.

Satire und Comedy sind ja heute nicht mehr so einfach. Welches sind Ihre Anliegen auf der Bühne?

Ich will keine Predigten halten. Ich bin ein Komiker, ein Charakter, der eine Geschichte erzählt, die jeden etwas angeht. Vielleicht ein bisschen ein tollpatschiger Charakter. Ich will Fantasie auf die Bühne bringen und glaube, dass darin die Wahrheit steckt. Das Faszinierende am Theater ist doch, dass völlig Unbekannte zwei Stunden lang neben-
einander sitzen und gemeinsam lachen und die gleichen Emotionen haben. Ich spiele eine Person auf der Bühne, vielleicht eine Art Pinocchio, die vielleicht auch ein bisschen lügt. Sie darf aber nie oberflächlich sein. Fantasie ist das Zauberwort für mich. Ich versuche zu ergründen, was wäre wenn.

Wie erarbeiten Sie Ihre Programme, wie finden Sie die Themen?

Ich lese sehr viel. Ich beobachte die Menschen und ihre Kultur. Wenn mich ein Thema besonders interessiert, spreche ich mit Experten darüber. Ich recherchiere, will alles darüber wissen. Zum Beispiel, wie unser Gehirn funktioniert. Dann interessiere ich mich besonders auch für die Tiere. Das Programm erarbeite ich dann in Selbstgesprächen.

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